
Staatsanwaltschaft München durchsucht Geschäftsräume des Fondshauses im Zusammenhang mit US-Immobilieninvestments und der Bayerischen Versorgungskammer.
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Die Bayerische Versorgungskammer investierte rund 1,6 Milliarden Euro in US-Immobilien über Fondsstrukturen der Deutschen Finance, woraus Verluste drohen.
Die Staatsanwaltschaft München hat die Geschäftsräume des Fondshauses durchsucht. Es besteht der Verdacht, dass ein Mitarbeiter der Bayerischen Versorgungskammer bestochen worden sein könnte.
Düsseldorf, Berlin. Die Krise bei der Deutschen Finance Group in München spitzt sich zu. Fahnder der Staatsanwaltschaft haben am Dienstag die Büros des Fondshauses durchsucht. „In einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München I wurden gestern Durchsuchungsbeschlüsse in den Geschäftsräumen der Deutsche Finance Group vollzogen“, bestätigten die Strafverfolger auf Anfrage am Mittwochmorgen. Nähere Auskünfte könne die Behörde „erst in einigen Tagen geben“.
Zunächst hatte Bloomberg über die Razzia berichtet. Hintergrund sind gemeinsame Immobilieninvestments der Deutschen Finance mit der Bayerischen Versorgungskammer in den USA, wie das Fondshaus auf seiner Homepage bestätigte.
Handelsblatt-Recherchen zufolge sollen die Strafverfolger dem Verdacht nachgehen, dass Manager der Deutschen Finance Mitarbeiter der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) mit Reisen und Vergünstigungen geschmiert haben könnten.
Die Deutsche Finance betonte, sie sei als „Dritte“ durchsucht worden. Das Unternehmen kooperiere mit den Ermittlungsbehörden und stehe mit ihnen seit längerer Zeit in Kontakt. Darüber hinaus wolle das Unternehmen aufgrund des laufenden Verfahrens keine Stellung nehmen. Die BVK lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme ab.
Um die US-Immobilieninvestments der BVK herrscht seit Längerem heftiger Streit. Die Kammer hatte rund 1,6 Milliarden Euro in US-Immobilien investiert, die über Fondsstrukturen der Deutschen Finance organisiert wurden. Als Folge dieser Deals drohen der BVK Verluste von bis zu 800 Millionen Euro. 163 Millionen Euro musste die BVK, die die Altersvorsorge von mehr als 2,8 Millionen Menschen verwaltet, abschreiben.
Bei der Aufarbeitung des Investmentdesasters war die BVK auf eine aus ihrer Sicht auffällige Nähe eines BVK-Managers zu einer Führungskraft der Deutsche Finance gestoßen. Sie kündigte dem Manager fristlos, der Fall landete vor dem Arbeitsgericht München.
Das Gericht sah die fristlose Kündigung aus formalen Gründen zwar als unwirksam an, machte aber klar, dass es erhebliche Pflichtverletzungen des Managers sah. Thematisiert wurden unter anderem mehrere Übernachtungen des Managers in einer 75 Quadratmeter großen Suite des New Yorker Luxushotels Mandarin Oriental mit Blick auf den Hudson River sowie Einladungen in edle Restaurants.
Im Sommer 2025 hatte die BVK auch die Münchener Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Ermittler prüfen seither, ob es einen Anfangsverdacht auf strafbares Handeln gibt. Die Deutsche Finance wies sämtliche Vorwürfe bisher stets vehement zurück.
Die Deutsche Finance investiert sowohl im Auftrag institutioneller Anleger als auch über Fondsstrukturen für Privatinvestoren. Als Slogan wählte das Investmenthaus den Satz: „Wissen, wie Rendite entsteht!“
50 Versorgungswerke, 50 Privatbanken, 250 Stiftungen, 250 Versicherungen, 350 Family-Offices und 375 Pensionskassen sollen dem Slogan gefolgt sein und der Gruppe viel Vermögen anvertraut haben. Auf der Webseite verweist die Gruppe auf sieben Milliarden Euro platziertes Eigenkapital und verwaltete Assets im Wert von mehr als zwölf Milliarden Dollar.
Hinter der Deutschen Finance stehen die zwei Vorstände Oliver Thomas Müller (58) und Sven Neubauer (52). Gemeinsam kontrollieren sie die Konzernholding Deutsche Finance GmbH: Müller hält direkt und mittelbar rund 35,9 Prozent der Anteile, Neubauer rund 27,5 Prozent.
Die beiden ergänzten sich in ihren Rollen gut, sagen Insider: Müller sei der Mann für Marketing und Vertrieb. Neubauer reise durch die Welt und kümmere sich um die Immobilienobjekte, die Deutsche Finance finanziere.
Um private Anleger werben sie für ihre Fonds mit sogenannten „Club-Deals“. „Es handelt sich um maßgeschneiderte Investments, mit einem hohen Maß an Kontrolle und Einbeziehung in die Entscheidungsprozesse für die Investoren“, erklärte Neubauer in einem Interview.
Im Juli berichtete das Handelsblatt darüber, dass zahlreiche Fonds für Privatinvestoren unter Druck geraten sind und nur verspätet ihre Jahresabschlüsse vorlegten. Bei der Mehrheit waren nur die Zahlen für 2023 erhältlich.
Auch sonst agierte die Deutsche Finance intransparent. Bei vorhandenen Abschlüssen ließ sich nicht für jeden Fonds nachvollziehen, in welche Immobilien die Millionen der Anleger tatsächlich geflossen sind.
Die Finanzaufsicht Bafin setzte zwischenzeitlich einen Sonderbeauftragten ein, der laut Bafin die ordnungsgemäße Verwaltung geschlossener Publikumsfonds prüfen sollte. Ein Sprecher der Bafin erklärte am Dienstag gegenüber Bloomberg, dass die Behörde nicht an den Durchsuchungen in München beteiligt sei.
Anfang August stellte ein Fonds dann Insolvenzantrag. Am 2. September setzte das Gericht den Münchener Juristen Michael Jaffé als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Für rund 1200 Anleger in einen Immobilienkomplex in Boston zeichnet sich ein vollständiger wirtschaftlicher Verlust ab.
Mitte Oktober reichte die Anwaltskanzlei Tilp darüber hinaus die erste Schadensersatzklage gegen die Kapitalverwaltungsgesellschaft der Deutsche Finance Group ein. Die Klage stütze sich auf vermeintliche Prospektfehler im Verkaufsprospekt, teilte die Kanzlei mit.
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Auswertung der Beweismittel durch die Staatsanwaltschaft
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