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Das Werk in Osnabrück produziert derzeit den T-Roc als Cabrio. Die Produktion soll im nächsten Herbst enden. Osnabrück ist historisch als Ort des Westfälischen Friedens von 1648 bekannt.
In Osnabrück weiß längst jeder, worauf Volkswagen die Zukunft des dortigen Werks ausrichten will: auf Rüstung. Offiziell drückt sich der Konzern noch vorsichtig aus, auf dem Werksgelände dagegen sind die Zeichen seit Monaten unübersehbar. An manchen Tagen, so berichten Beschäftigte, seien Männer in Militärkleidung auf dem Gelände zu sehen gewesen. Die Hallen wurden neu vermessen und die Traglast der Böden geprüft, die örtliche Lackiererei experimentierte mit grüner Tarnfarbe. Und vor wenigen Tagen machte dann auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bei einem Besuch noch einmal deutlich, dass die Fabrik mit neuer Arbeit im „Defence-Bereich“ dazu beitragen könne, Deutschland und Europa „an allen Stellen sicher und verteidigungsfähig“ zu machen.
Nun könnte das Geraune bald offiziellen Ansagen weichen. Denn in wenigen Tagen will der Konzern ein Stück weit Klarheit über die Zukunft seines kleinsten Werks im deutschen Produktionsverbund schaffen. Am Freitag tagt der VW-Aufsichtsrat in Wolfsburg – dort geht es um einen tiefgreifenden Umbau des ganzen Konzerns mitsamt einer möglichen Schließung der Standorte Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Zehntausende weitere Stellen könnten in ganz Deutschland abgebaut werden, ein großer Streit zwischen Betriebsrat und Führung bahnt sich an.
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Die Zukunft des Werks in Osnabrück ist eher eine Randnotiz, die im Sturm der Ereignisse noch vertagt werden könnte. Doch wenn alles läuft wie erhofft, dann schafft es der Beschluss trotz aller anderen Großthemen durch den Aufsichtsrat. Am kommenden Montag könnte dann in Osnabrück eine Absichtserklärung mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael unterzeichnet werden. Darüber hatte die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ zuerst berichtet. Am Dienstag sollen die Beschäftigten dann auf einer Betriebsversammlung informiert werden. Wie zu hören ist, sollen Produktionschef Christian Vollmer oder ein anderes Mitglied der Konzernleitung vor Ort sein. Schließlich geht es um einen Schritt mit reichlich Symbolkraft.
Heikler Spagat in der „Friedensstadt“
VW richtet seine Autofabriken auf niedrigere Stückzahlen aus. Mehrere Werke werden nicht mehr gebraucht, so sehen es zumindest das Management und die Aktionärsfamilien Porsche und Piëch. Und für den kleinen Standort Osnabrück ist schon lange klar, dass dort die Autoproduktion – derzeit läuft noch das Modell T-Roc als Cabrio vom Band – im nächsten Herbst endet. Die boomende Rüstungsbranche bietet neue Beschäftigungsperspektiven. So könnten in Osnabrück künftig Komponenten für das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ hergestellt werden, mit dem das staatliche Unternehmen Rafael zum Schutz Israels vor Luftangriffen beiträgt und das auch an andere Staaten verkauft werden soll.
Abschussvorrichtungen, Generatoren, Lastwagen für den Transport von Geschossen – vieles ist denkbar. Allerdings nur solche Teile, die nicht unmittelbar als Waffe zu sehen sind, sondern eher für die Logistik und den Einsatz solcher Systeme gebraucht werden oder die Technik unterstützen. Darauf pocht nicht zuletzt die IG Metall, die sich laut ihrer Satzung eigentlich für „Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ einsetzt, aber natürlich auch Beschäftigte von Rüstungsunternehmen vertritt.
In der „Friedensstadt“ Osnabrück wird das Thema ohnehin diskutiert. Schließlich wurde hier und gut 50 Kilometer entfernten Münster im Jahr 1648 der Westfälische Friede verkündet und der Dreißigjährige Krieg beendet. Die Stadt im südwestlichen Niedersachsen mit ihren rund 170.000 Einwohnern leitet daraus eine historische Verantwortung ab.
In der Belegschaft in Osnabrück überwiegt die Zustimmung, denn es geht um viele Jobs. Gleichzeitig zeigt der Schritt auch, wie komplex der Einstieg ins Rüstungsgeschäft ist, vor allem für den politisch geprägten VW-Konzern. Qatar, ein Großaktionär des Unternehmens, soll schon vor Wochen intern Bedenken an einer direkten Zusammenarbeit mit Israel angemeldet haben. Und so soll für den Standort in Osnabrück eine neue Struktur geschaffen werden, in der das Land Niedersachsen – vielleicht zusammen mit dem Bund – als Träger einer neuen Gesellschaft auftritt, die dann mit Rafael vor Ort zusammenarbeitet.
Der schwierige Umgang mit dem Personal
200 Millionen Euro an Steuermitteln könnten dafür fließen, und viele Fragen sind offen. In der Landeshauptstadt Hannover wird oft das Modell der Meyer Werft als Blaupause genannt: Vor zwei Jahren retteten Bund und Land den Schiffbaubetrieb aus Papenburg vor dem Untergang und übernahmen 80 Prozent der Anteile. Auch im Fall von VW sei das Land „bereit, an Lösungen zu arbeiten, die Sinn machen und umsetzbar sind“, heißt es nun im Umfeld der Niedersächsischen Staatskanzlei. Klar ist, dass sich der Landtag mit dem Thema beschäftigen muss. Obwohl das Land seit jeher am VW-Konzern beteiligt ist, müsste der direkte Einstieg in Osnabrück zudem einen „Private-Investor-Test“ der EU durchlaufen, eine Prüfung, in der festgestellt wird, ob der Staat bei einer Finanzhilfe wie ein normaler Investor auftritt.
Auch der Umgang mit dem Personal ist alles andere als leicht. Der Standort war im Jahr 2009 nach der Insolvenz des Auftragsfertigers Karmann zu VW gekommen, heute arbeiten dort noch knapp 1800 Menschen. Etwa ein Drittel davon, also etwa 600 bis 700 Beschäftigte, könnten als Personalstamm für die Arbeit mit Rafael in einer neuen Einheit angestellt werden, wird in informierten Kreisen vorgerechnet. Dafür sind besondere Schritte nötig, denn Beschäftigte in Rüstungsbetrieben müssen eine Sicherheitsprüfung durchlaufen – wer etwa vorbestraft ist, fällt durchs Raster. Zudem hofft der Standort darauf, dass sich weitere Unternehmen rund um die neue Rüstungsproduktion ansiedeln. VW könnte überdies im heutigen Presswerk noch einige Jahre lang Komponenten für andere Standorte herstellen lassen und so weitere Arbeitsplätze erhalten.
Im Prinzip sind solche und ähnliche Transformationen in der Branche erprobt. Als etwa der Autozulieferer Continental vor einigen Jahren seine Produktion im niedersächsischen Gifhorn beendete, wechselte ein Teil der Belegschaft zum Rüstungskonzern Rheinmetall. Die damalige Personalchefin von Conti, Ariane Reinhart, tritt heute als Sprecherin des branchenübergreifenden Bündnisses „Allianz der Chancen“ auf und sieht bisherige Vermittlungen aus der Autobranche in die Verteidigungsindustrie als „Erfolgsgeschichte“, wie sie im Gespräch mit der F.A.Z. sagte. So hat Conti unter anderem in Hessen Beschäftigte an den Rüstungszulieferer Hensoldt vermittelt. In Stuttgart wiederum bietet Hensoldt gerade Beschäftigten von Bosch an, in ein Zentrum für softwaregesteuerte Verteidigung zu wechseln – und die Liste weiterer Beispiele ist lang.
Der Militärsektor, so viel ist klar, wird den Personalabbau in der weitaus größeren Autobranche allenfalls in Teilen auffangen können. Aber zumindest VW will das Thema sogar noch weiter vorantreiben. Sollte die Kooperation mit Rafael in Osnabrück funktionieren, könnte auch der weitaus größere Standort Hannover künftig ins Militärgeschäft einsteigen, wird in Niedersachsen kolportiert.
AI outlook — possibilities, not facts
Am kommenden Montag wird in Osnabrück eine Absichtserklärung mit Rafael unterzeichnet.
Likely · Within days
Die Beschäftigten werden am Dienstag auf einer Betriebsversammlung informiert.
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