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Die Linke hatte sich im Wahlkampf für die Enteignung großer Immobilienunternehmen ausgesprochen und beruft sich auf den Volksentscheid vom September 2021, bei dem 58 Prozent für einen Gesetzentwurf zur Enteignung stimmten. Bislang liegt jedoch kein solcher Entwurf vor. Vonovia besitzt über seine Tochter Deutsche Wohnen rund 138.000 Wohnungen in Berlin und Umgebung.
Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin verweist Vonovia-Chef Luka Mucic auf eine Umfrage, der zufolge Enteignungen keine Mehrheit in der Bevölkerung finden. Was er stattdessen fordert.
Immobilienmanager Mucic: „Vergesellschaftung schafft keine einzige neue Wohnung.“ Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Düsseldorf. Vonovia-Chef Luka Mucic sieht nach dem Wahlsieg der Linken bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus keine Mehrheit für deren Enteignungspläne. „Die absolute Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner spricht sich laut einer aktuellen Nachwahlumfrage gegen die Enteignung großer privater Wohnungsunternehmen aus“, sagte Mucic dem Handelsblatt. Gefragt seien mehr Neubau, verlässliche Rahmenbedingungen und Zusammenarbeit. „Vergesellschaftung schafft keine einzige neue Wohnung.“
Die Linke hatte sich im Wahlkampf für die Enteignung großer Immobilienunternehmen ausgesprochen. Die Partei, deren Spitzenkandidatin Elif Eralp nun Regierende Bürgermeisterin werden könnte, beruft sich dabei auf den Volksentscheid vom September 2021. Damals stimmten 58 Prozent der Berliner dafür, einen Gesetzentwurf zur Enteignung großer Immobilienunternehmen auszuarbeiten. Ein solcher Entwurf liegt bislang jedoch nicht vor.
In der Nachwahlumfrage von Infratest dimap sprach sich am Sonntag eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner dagegen aus, private Wohnungsunternehmen zu enteignen und sie dafür zu entschädigen. 51 Prozent lehnten dies ab, 37 Prozent befürworteten es.
Kurz vor der Wahl hatte Mucic sein Unternehmen mit Blick auf die Wohnungsnot in der Hauptstadt als „Teil der Lösung“ bezeichnet. So habe Vonovia den Neubau hochgefahren. „Wir haben in Berlin aktuell circa 1.000 neue Wohneinheiten im Bau, 6.000 haben wir seit 2013 gebaut. Das ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist trotzdem ein Beitrag, den wir an der Stelle leisten“, sagte der 55-Jährige.
Experte sieht weiter große Hürden
Die Linke will 220.000 Wohnungen in die öffentliche Hand überführen. Vonovia und ihre Tochter Deutsche Wohnen besitzen in Berlin und Umgebung rund 138.000 Wohnungen. Eralp kündigte zudem ein härteres Vorgehen gegen Spekulationen auf dem Wohnungsmarkt an, etwa durch Maßnahmen gegen Mietwucher. „Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet“, bekräftigte die 45-Jährige am Wahlabend.
Die Grünen hatten sich im Wahlkampf offen für die Enteignung großer Wohnungsunternehmen gezeigt, sehen aber noch viele ungeklärte Fragen. Die SPD hatte sich klar gegen die Pläne der Linken positioniert.
Demonstration in Berlin: Der Wahlkampf drehte sich maßgeblich um das Thema Mietkosten. Foto: IMAGO/Jochen Eckel
Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht eine höhere Gefahr einer Vergesellschaftung von Vonovia: „Die Linke sieht sich in ihren Forderungen nun bestätigt“, sagte der Immobilienexperte.
Dennoch gebe es zwei große Hürden: Zunächst müsse eine Koalition gebildet werden. Auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD sei möglich. Zudem könnte ein Bundesgesetz verabschiedet werden, das hohe Anforderungen an Vergesellschaftungen stellt. „Insofern gibt es noch keine Klarheit“, sagte Voigtländer.
Kanzler Friedrich Merz bekräftige am Montag, ein Bundesgesetz gegen Enteignungen rasch umsetzen zu wollen. „Wir haben die ersten Textentwürfe vorliegen, in der Koalition zwischen Justizministerium und Innenministerium abgestimmt, wir werden das Gesetzgebungsvorhaben voranbringen“, sagt er zu Plänen, die Verstaatlichung von Wohnungsbaukonzernen zu untersagen. „Es geht vor allem darum, an die internationalen Investoren eine klare Botschaft zu senden, die da lautet: Es gibt in Deutschland keine Enteignungen von privatem Eigentum.“
Vonovia-Chef Luka Mucic sagte, das Unternehmen sei weiterhin bereit, mit der Linken zu sprechen: „Vonovia steht auch einer künftigen Berliner Landesregierung als konstruktiver Gesprächspartner zur Verfügung und versteht sich als Teil der Lösung, um den Wohnungsmarkt in Berlin durch Neubau und bezahlbare Mieten zu entspannen.“
Vonovia vermietet Wohnungen in Berlin nach eigenen Angaben im Schnitt für 8,26 Euro je Quadratmeter. Die Neuvertragsmieten liegen demnach bei 10,80 Euro. Derzeit seien zudem rund 1000 Wohnungen im Bau.
An der Börse hatte das Wahlergebnis der Vonovia-Aktie zunächst stark zugesetzt. Die Papiere fielen bis zum späten Vormittag um 2,2 Prozent auf 17,31 Euro. Sie erreichten damit das Niveau von Juni 2023. Im weiteren Tagesverlauf erholte sich die Aktie wieder etwas, ging jedoch mit einem Minus von 1,2 Prozent aus dem Handel – während der deutsche Leitindex Dax insgesamt 1,1 Prozent zulegte.
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Das Wahlergebnis sei nicht überraschend gekommen, sagte ein Händler. Die Sorgen über negative Folgen vor allem für Deutsche Wohnen und Vonovia dürften daher teilweise bereits eingepreist sein. Zudem trifft die politische Unsicherheit in Berlin die Immobilienbranche in einer ohnehin angespannten Lage. Die Stimmung hat sich zuletzt wegen der gestiegenen Zinsen eingetrübt. So stufte die US-Investmentbank Goldman Sachs die Vonovia-Aktie bereits Anfang des Monats herab und verwies auf die Belastung durch das höhere Zinsniveau.
Mehr: Warum läuft die Vonovia-Aktie an der Börse so schwach?
Erstpublikation: 21.09.2026, 13:21 Uhr.
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AI outlook — possibilities, not facts
Die Vonovia-Aktie wird kurzfristig weiter schwanken abhängig von Koalitionsverhandlungen in Berlin.
Likely · Within weeks
Es wird schwierig sein für die Linke, ihre Enteignungspläne umzusetzen aufgrund von Koalitionshürden und möglichen Bundesgesetzen.
Possible · Within months

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