VW-Aufsichtsrat erzielt Einigung über Zukunftsplan 2030 mit Stellenabbau von 50.000
Quick Look
- Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat sich am Donnerstag in Wolfsburg auf einen Zukunftsplan 2030 geeinigt, der einen Stellenabbau von rund 50.000 vorsieht und die Neuausrichtung des Nordamerika- und China-Geschäfts sowie die Halbierung des Modellangebots umfasst.
- Trotz Einigung bleiben kritische Punkte wie die Zukunft der Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm offen, für die bis Ende Juni 2025 eine wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden soll.
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Why It Matters
Vor der Sitzung galt eine Einigung im Streit um ein neues Sparprogramm als unwahrscheinlich, da die Chancen darauf als außerordentlich gering eingeschätzt wurden. Das Management hatte bei fehlender Unterstützung eine außerordentliche Hauptversammlung gedroht.
Es war ein Tag, der erst langsam anfing – bis sich die Ereignisse dann plötzlich überschlugen. Schon am Donnerstagvormittag war in Wolfsburg das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats zusammengekommen, also der oberste Führungszirkel mit Kontrolleuren wie Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und Betriebsratschefin Daniela Cavallo.
Die Chancen auf eine Einigung im Streit um ein neues Sparprogramm seien außerordentlich gering, hatte es im Vorfeld geheißen. Entsprechend niedrig waren die Erwartungen. Aber dann kam plötzlich doch Bewegung in die Sache.
Und so wurde später am Tag das komplette Kontrollgremium mit seinen 20 Vertretern der Arbeits- und Kapitalseite eilig zusammengerufen, wie Insider berichten – ein vorgezogenes Treffen, das ganz offensichtlich möglich war, weil die Aufsichtsräte ohnehin in Wolfsburg vor Ort oder zumindest in der Nähe waren. Schließlich war für den Folgetag eine große, mit Spannung erwartete Sitzung geplant. Nun hieß es schon am Donnerstagabend, plötzlich und für Außenstehende völlig überraschend, dass sich die Mächtigen in Wolfsburg geeinigt hätten. „Einstimmig“, wie in der anschließend verbreiteten Pressemeldung betont wird.
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Ein Kompromiss mit vielen offenen Fragen
Die Einigung umfasst einen Gesamtplan für die Neuausrichtung von VW. So werden konkrete Rendite- und Sparziele genannt, außerdem etliche Handlungsfelder; von der geplanten Halbierung des Modellangebots bis zur Neuausrichtung des Nordamerika- und China-Geschäfts.
Gleichzeitig sind einige kritische Themen so formuliert, dass sie zunächst als bloße Absichtserklärung daherkommen, über deren konkrete Ausgestaltung noch verhandelt werden muss. So erklärt sich, dass die wichtigsten Kontrahenten – Management, IG Metall, die Familien Porsche und Piëch und das Land Niedersachsen – die Einigung noch am Donnerstag allesamt als Erfolg für sich verkaufen konnten.
Die IG Metall und das Land hätten „eine gefährliche Eskalation des Konflikts verhindert und den Weg für tragfähige Lösungen geebnet“, hieß es etwa von den Arbeitnehmervertretern. Und auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnete den Beschluss als „zukunftsfähiges Konzept“.
Konzernchef Oliver Blume wiederum sprach von einem „starken Signal für die Zukunft des Volkswagen Konzerns“. Selbst Wolfgang Porsche, Oberhaupt der mächtigen Aktionärsfamilie, meldete sich zu Wort – ein seltener Schritt, denn ansonsten ist von der Familie öffentlich kaum etwas zu hören: „Die Entscheidung für den Zukunftsplan 2030 war notwendig und richtig“, ließ er sich zitieren „Volkswagen muss auf die veränderten Marktbedingungen konsequent reagieren, um die wirtschaftliche Stärke des Unternehmens langfristig zu sichern. Dafür sind nun die Weichen gestellt. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.“
Konkret wird in der Pressemeldung unter anderem das im Zukunftsplan des Managements errechnete Ziel genannt, rund 50.000 Stellen abzubauen. Über diese zusätzlichen Einschnitte war im Vorfeld viel spekuliert worden. Nun hat das Management zumindest erreicht, dass die Zahl offiziell genannt wird – auch wenn über das genaue Vorgehen offenbar noch intensiv gerungen werden muss.
Zu den von der Schließung bedrohten Werken steht in der Pressemeldung eine offenbar genau austarierte Formulierung, wonach der Aufsichtsrat „zur Kenntnis genommen“ hat, dass VW in Europa noch immer eine Überkapazität von rund 500.000 Fahrzeugen hat.
Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden“. Der Betriebsrat vermeldet entsprechend in einer Mitteilung: „Kein Werk wurde aufgegeben und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt.“ Vom Tisch ist das mögliche Aus der vier Standorte aber auch nicht. Die Belegschaften müssen also weiter zittern.
Bis Ende Juni kommenden Jahres will VW nun „eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur“ entwickeln, sich also darum kümmern, ob in den Werken künftig noch Fahrzeuge gebaut werden können oder ob es andere Verwendungen dafür gibt. Als Paradebeispiel wird immer wieder das kleine Werk in Osnabrück genannt, in dem die Autoproduktion endet und das schon bald in die Rüstung einsteigen soll. Vom Betriebsrat heißt es zu den gefährdeten Standorten, es gehe jetzt darum, „konkrete Lösungen“ zu erarbeiten – „dabei sehen wir weiterhin ausdrücklich den Vorstand in der Pflicht.“
Im Vorfeld der Sitzung hatte es über Tage geheißen, dass der Konflikt mutmaßlich eskalieren wird. Für den Fall, dass sich der Aufsichtsrat nicht hinter Blumes Sparkonzept stellt, hatte das Management mit einer außerordentlichen Hauptversammlung gedroht. Diese Gefahr scheint mit der Einigung nun gebannt zu sein.
Wie genau die Verhandlungen weitergehen werden, wurde am Donnerstagabend zunächst nicht bekannt, aber klar ist, dass der Kompromiss nur der Anfang etlicher Verhandlungsschleifen sein wird. Auch zwischen Management und Betriebsrat: „Wo Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern erforderlich sind, werden die zuständigen Gremien der Marken und Gesellschaften eingebunden und die Gespräche zügig aufgenommen“, ließ VW am Donnerstagabend wissen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
VW wird bis Ende Juni 2025 eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm entwickeln.
Likely · Within months
Die Gespräche zwischen Management und Betriebsrat über konkrete Lösungen für die gefährdeten Werke werden zügig aufgenommen.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wie genau soll der Stellenabbau von 50.000 sozial verträglich umgesetzt werden?
- Welche konkreten Maßnahmen sind für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm geplant, falls keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gefunden wird?
- Wie wird die Neuausrichtung des Nordamerika- und China-Geschäfts operativ umgesetzt?
- Welche spezifischen Rendite- und Sparziele sind im Zukunftsplan 2030 definiert?






