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Westend Verlag: Autoren kündigen Mitgliedschaft wegen Buch mit Julian Reichelt
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FAZ5/22/2026Media3 min readGermany

Westend Verlag: Autoren kündigen Mitgliedschaft wegen Buch mit Julian Reichelt

Quick Look

  • Dreißig Autoren, darunter Gregor Gysi, kündigen ihre Mitgliedschaft im Westend Verlag.
  • Grund ist die Veröffentlichung eines Buches mit Julian Reichelt, das als Erweiterung des Verlagsspektrums "bis hin zur extremen Rechten" angesehen wird.
  • Der Verlag verteidigt sich mit dem Argument, abweichende Positionen ernst nehmen zu wollen.

AI-generated summary

Why It Matters

Thirty authors, including Gregor Gysi, have announced they will no longer publish with Westend Verlag. This decision comes after the publisher released a book overseen by Julian Reichelt and Pauline Voss. The authors feel the publication expands the publisher's spectrum "to the extreme right."

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Mit der Kritik ist es so eine Sache. Ihre Grundhaltung ist die Skepsis, vielleicht sogar das Misstrauen. Was ihr in die Finger kommt, wird befragt, bemängelt, oft genug auch missverstanden. Das gilt besonders für die politische Kritik, die, wie Reinhart Koselleck gezeigt hat, aufgrund ihrer Machtferne dazu neigt, in Hypokrisie umzuschlagen. Wenn der Kritiker sich nicht bremsen kann, ist ihm plötzlich alles verdächtig – außer er selbst und seine persönliche Misstrauensgemeinschaft.

Dreißig Autoren, darunter Gregor Gysi, die Journalistin Ulrike Herrmann und der Armutsforscher Christoph Butterwegge, haben sich nun entschieden, ihrer Misstrauensgemeinschaft die Mitgliedschaft aufzukündigen. Nun, da der Westend-Verlag das von Julian Reichelt und Pauline Voss verantwortete Buch „Links – Deutsch / Deutsch – Links“ verlegt hat, wolle man „in dieser Nachbarschaft“ nicht mehr publizieren. Man vertrete zwar einen weiten Begriff von Meinungsfreiheit, doch mit der Veröffentlichung aus dem „NIUS“-Umfeld sei das Spektrum des Verlags „bis hin zur extremen Rechten erweitert“ worden.

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Verschwörungstheorien gehören schon lange zum Programm

Die Vorwürfe sind nicht unbegründet. Allein, man wundert sich, dass die Westend-Autoren sich so spät zu diesem Schritt entschlossen haben. Der Verlag ist ein Paradebeispiel für die kuriosen weltanschaulichen Kurven, die eine der Machtkritik verpflichtete Linke absolvieren kann. Die Nähe zur radikalen Rechten sucht der Verlag zwar erst seit einigen Jahren, doch die Grenze zum Unsinn hat er schon seit langer Zeit unterschritten.

Schon früh erschienen bei Westend verschwörungstheoretische 9/11-Bücher, nach 2014 sammelte sich dort die aus den Mahnwachen und „alternativen Medien“ hervorgegangene Welt der Russlandapologeten und Antiamerikanisten, mit der Corona-Pandemie stieß auch noch das Querdenkermilieu hinzu. Schließlich kaufte man ein, was andere, seriösere Verlage nicht veröffentlichen wollten, wie etwa Ulf Poschardts Manifest „Shitbürgertum“, für das – derlei Bücher schreiben sich offenbar schnell – schon der Nachfolgeband „Bückbürgertum“ angekündigt ist.

Gestartet ist Westend 2004 mit linker Orientierung – nicht zufällig trägt der Verlag jenen Stadtteil im Namen, der eine Verbindung zur Frankfurter Schule andeutet. Übrig geblieben davon ist bei vielen Titeln lediglich eine Form der kritischen Kritik, die alles und jeden, der in die Nähe der Macht gerückt werden kann, ins Misstrauen zieht, bis schließlich die leere machtkritische Vermutung selbst den Anschein der Evidenz bekommt. Wenn man diesen Punkt erreicht hat, ist alles erlaubt, was die anderen für verboten halten.

Der offene Brief der dreißig von dannen ziehenden Autoren wird diese Selbstwahrnehmung nur bekräftigen. Man wolle „abweichende Positionen“, die sich „innerhalb des demokratischen Rechtsrahmens bewegen“, nicht diskreditieren, sondern als „Beiträge zu einer offenen Debatte“ ernst nehmen, heißt es vonseiten des Verlags in Reaktion auf die Ankündigung. Gut, dass wir dieses Urteil nicht teilen müssen.

Open Questions

  • What specific content in the book by Reichelt and Voss triggered the authors' departure?
  • Will other authors follow suit and leave Westend Verlag?
  • What is the publisher's long-term strategy regarding its political alignment?
  • How will this controversy affect Westend Verlag's future publications and reputation?

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This article was originally published by FAZ.

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