
Klassische Indexfonds galten als einfach und günstig. Doch aktive Fonds, Themen-ETFs und Hebelprodukte verändern den Markt.
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ETFs galten lange als einfache und günstige Geldanlage, doch das Angebot wandelt sich stark hin zu komplexeren Produkten.
ETFs galten lange als Inbegriff der einfachen und günstigen Geldanlage. Mit einem einzigen börsengehandelten Indexfonds können Anleger ihr Geld auf Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen verteilen - und das zu sehr niedrigen Gebühren.
Doch die ETF-Welt ändert sich rasant. Neben klassischen Indexfonds gibt es inzwischen immer mehr Produkte mit ausgefeilten Anlagestrategien, aktivem Fondsmanagement oder Hebelwirkung. Die Auswahl wächst, aber auch die Komplexität und mitunter die Kosten.
Tausende Produkte zur Auswahl
"Wenn wir uns zurückerinnern: Die ersten ETFs am Markt waren Index-ETFs, ETFs auf den DAX oder den Eurostoxx 50. Das waren tatsächlich einfache Produkte", sagt Ali Maserwah vom Fondsanalysehaus Envestor im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. "Das hat sich definitiv geändert."
Für Anleger wird es damit zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Mehr als 3.000 ETFs stehen hierzulande inzwischen zur Auswahl - fast doppelt so viele wie vor sechs Jahren. Nach einer Umfrage des Geldratgebers Finanztip hält mehr als jeder fünfte Befragte, der ETFs kennt, die Produkte für schwer vergleichbar.
Die Bandbreite reicht von Themen-ETFs, die gezielt auf Anlagetrends wie Künstliche Intelligenz oder Rüstung setzen, bis zu sogenannten Smart-Beta- oder Faktor-ETFs, bei denen Aktien nach bestimmten Kriterien ausgewählt und gewichtet werden. Hinzu kommen Hebel-ETFs, die tägliche Kursbewegungen und damit sowohl Gewinne als auch Verluste vervielfachen können.
Aktive ETFs auf dem Vormarsch
Besonders stark wächst derzeit das Angebot aktiv gemanagter ETFs. Anders als klassische Indexfonds, die einen Börsenindex wie den MSCI World möglichst genau nachbilden, verfolgen sie eine eigene Anlagestrategie. Welche Aktien oder Anleihen gekauft und wie stark sie gewichtet werden, entscheidet ein Fondsmanager - oder die Auswahl erfolgt mithilfe computergestützter Modelle. Ziel ist häufig, eine höhere Rendite als der Vergleichsindex zu erzielen oder bestimmte Risiken zu begrenzen.
Damit ähneln aktive ETFs herkömmlichen aktiv verwalteten Investmentfonds. Allerdings werden sie an der Börse gehandelt - und sind zudem meist günstiger als klassische Investmentfonds.
Europa hinkt USA bei aktiven ETFs hinterher
Wie stark die Anbieter inzwischen auf diese Produkte setzen, zeigen Zahlen von Morningstar: In den ersten acht Monaten 2026 waren bereits 23 Prozent aller in Europa neu aufgelegten ETFs aktiv verwaltet. Im Jahr 2022 waren es erst 3,2 Prozent. Auch das verwaltete Vermögen wächst rasant. Seit Ende 2022 hat es sich laut Morningstar nahezu verfünffacht und erreichte Ende August 2026 rund 123 Milliarden Euro.
Trotzdem bleiben aktive ETFs in Europa bislang ein vergleichsweise kleines Marktsegment: Auf sie entfallen gerade einmal 3,8 Prozent des gesamten ETF-Vermögens. In den USA liegt dieser Anteil bereits bei rund 13 Prozent.
Wie teuer sind aktive und spezialisierte ETFs?
Die wachsende Vielfalt hat jedoch ihren Preis. Während der Wettbewerb die Gebühren für klassische Indexfonds immer weiter drückt, kosten viele spezialisierte ETFs deutlich mehr. "Für komplexe ETFs zahlen Anleger 0,6 oder 0,7 Prozent - teilweise sogar noch mehr", sagt Investment-Experte Maserwah. Gemeint sind die jährlichen laufenden Kosten, gemessen am investierten Vermögen.
Allerdings sind nicht alle neuen ETF-Strategien gleichermaßen teuer. Aktiv gemanagte Aktien-ETFs kosteten nach einer Morningstar-Auswertung mit Stand August 2025 im europäischen Durchschnitt 0,37 Prozent pro Jahr. Das ist mehr als bei passiven Aktien-ETFs mit durchschnittlich 0,27 Prozent, aber deutlich weniger als bei klassischen aktiven Aktienfonds, für die im Schnitt 1,32 Prozent fällig wurden.
Viele klassische Indexfonds sind derweil deutlich günstiger zu haben: ETFs auf breite Weltaktienindizes wie den MSCI World oder auch auf den DAX gibt es bereits für jährliche Gebühren von 0,1 Prozent oder weniger.
Höhere Gebühren schmälern die Rendite
Was zunächst nach geringen Unterschieden klingt, kann sich über die Jahre erheblich summieren. Wer beispielsweise 20.000 Euro für 20 Jahre anlegt und vor Kosten eine jährliche Rendite von 6,0 Prozent erzielt, kommt bei ETF-Gebühren von 0,1 Prozent auf rund 62.900 Euro. Bei jährlichen Kosten von 0,7 Prozent wären es dagegen nur rund 56.100 Euro - also etwa 6.800 Euro weniger.
Ein teurerer ETF kann diesen Nachteil durch eine bessere Wertentwicklung ausgleichen. Er muss dafür aber auf Dauer eine entsprechend höhere Rendite vor Kosten erzielen. Ob das gelingt, ist keineswegs sicher.
Welche Risiken bergen komplexe ETFs?
So ist bei aktiven ETFs eine bessere Wertentwicklung als beim Vergleichsindex keineswegs garantiert. Studien zeigen, dass es selbst professionellen Fondsmanagern häufig nicht gelingt, den Markt langfristig zu schlagen. Auch Smart-Beta- oder Faktor-ETFs können über längere Zeit schlechter abschneiden als klassische Indexfonds.
Weitere Fallstricke lauern bei Themen-ETFs: Diese investieren oft nur in eine begrenzte Zahl von Unternehmen - und auch das Timing wird oftmals zum Problem. "Viele Themen-ETFs kommen erst dann auf den Markt, wenn schon jeder erkannt hat, dass das jetzt ein Anlagethema ist. Die Kurse sind dann schon sehr weit vorausgelaufen", unterstreicht Anlageexperte Maserwah.
ETF muss nicht einfach und günstig bedeuten
ETFs erfreuen sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Rund 4,7 Millionen Menschen hierzulande besaßen 2025 einen börsengehandelten Fonds - fast doppelt so viele wie noch 2022. Der Siegeszug der ETFs hat aber ein neues Problem geschaffen: Ausgerechnet bei einem Produkt, das für seine Einfachheit bekannt geworden ist, wird die Auswahl immer schwieriger.
Die klassischen, günstigen Indexfonds gibt es zwar weiterhin. Doch die wachsende Produktvielfalt macht es für Anleger immer wichtiger, genau hinzuschauen: Was steckt tatsächlich in einem ETF, welche Risiken birgt die Strategie und wie hoch sind die Kosten? Denn dass ETF auf einem Produkt steht, bedeutet längst nicht mehr automatisch, dass die Geldanlage besonders einfach oder besonders günstig ist.

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