WM-Rundschau: Paraguay schlägt Türkei, Bangladescher Fan ehrt Deutschland, Iran kritisiert FIFA
Quick Look
- Paraguay besiegt die Türkei mit 1:0, was zum Ausscheiden der Türken führt.
- Ein Bangladescher Fan ehrt Deutschland mit einer riesigen Fahne.
- Der Iran kritisiert die FIFA wegen Reisebeschränkungen.
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Why It Matters
Die Fußball-Weltmeisterschaft bringt diverse Meldungen hervor, von sportlichen Entscheidungen bis zu Fan-Aktionen und Verbandsstreitigkeiten.
Paraguays Matías Galarza hat im Spiel gegen die Türkei nicht nur wegen seines Siegtors zum 1:0 für Aufsehen gesorgt. Der 24-Jährige verblüffte unter anderem auch Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich, weil er die während des Spiels auf den Rasen gefallene Uhr des Unparteiischen Iván Barton kurzerhand an sich nahm und nicht umgehend zurückgab. „Ich meine, was geht in so einem Spieler vor? Also bei aller Liebe“, sagte Ittrich bei MagentaTV. „Was ist mit ihm? Ich weiß es nicht.“
Barton hatte die Partie kurz vor der Halbzeit unterbrochen, nachdem Paraguay-Angreifer Isidro Pitta auf dem Boden liegengeblieben war. Anschließend wollte der Schiedsrichter eine Rudelbildung unterbinden. Dabei verlor er die Uhr. Galarza fand sie, hob sie auf und legte sie sich selbst um. Erst etwas später gab er sie dem Spielleiter zurück. Bestraft wurde die Aktion nicht, obwohl der Angreifer bereits zuvor Gelb gesehen hatte.
Ein Landwirt in Bangladesch hat für die WM eine 7,5 Kilometer lange Fahne in Schwarz-Rot-Gold entrollt. Zur WM-Eröffnung ließ Amjad Hossain die Fahne auf einem Schulgelände unweit seiner Wohnung im Bezirk Magura im Südwesten des Landes ausbreiten. „Wir sind berührt von seiner Passion“, schrieb die deutsche Botschaft in Dhaka auf X.
Die Fahne, sagte der 77-Jährige, sei bereits 2022 entstanden, doch damals nicht ausgestellt worden, weil Deutschland schon in der Gruppenphase ausgeschieden sei. Nachdem er sie verstaut habe, sei die Flagge teils von Termiten zerstört worden. Zur Wiederherstellung seien ein Dutzend Schneider nötig gewesen, drei Monate habe die Arbeit gedauert. Seine Beziehung zu Deutschland hat persönliche Gründe: Er wurde nach eigenen Angaben 2004 schwer krank und dank deutscher Medikamente wieder gesund. „Meine Liebe für Deutschland begann, nachdem ich vollständig genesen war.“ Schon für die WM 2006 habe er eine 1,5 Kilometer lange Fahne genäht. Bis zur WM 2014 sei sie auf 3,5 Kilometer gewachsen. Dafür habe er ein Stück seines Grundstücks verkauft.
Trotz langer Überzahl nach einer Rot-Premiere hat die Türkei gegen Paraguay verloren und scheidet nach der WM-Vorrunde aus. Die Mannschaft um Superstar Arda Güler von Real Madrid unterlag den Südamerikanern mit 0:1 (0:1). Nach zwei Niederlagen steht die Mannschaft von Trainer Vincenzo Montella damit schon vor dem letzten Vorrundenspiel gegen den nun als Gruppensieger feststehenden Co-Gastgeber USA als Tabellenletzter in Gruppe D fest, die erste WM-Teilnahme seit 2002 ist eine riesige Enttäuschung.
Im San-Francisco-Bay-Area-Stadion in Santa Clara erzielte Matías Galarza (2. Minute) das entscheidende Tor für Paraguay, das lange nur zu zehnt spielte. Schiedsrichter Ivan Barton schickte Miguel Almirón in der Nachspielzeit der ersten Hälfte vom Platz, weil er sich im Disput mit Gegenspieler Mert Müldür die Hand vor den Mund gehalten hatte.
Der iranische Fußballverband hat wegen Beschränkungen seiner Mannschaft durch den Weltfußballverband Fifa erneut scharfe Kritik geäußert. „Eine solche Missachtung unserer Regeln und Vereinbarungen stellt meiner Meinung nach den Fußball selbst in Frage“, sagte Verbandschef Hedajat Mombeini am Freitag (Ortszeit). Zuvor hatte der iranische Verband angekündigt, bei der Fifa formell Beschwerde wegen Reisebeschränkungen seiner Mannschaft bei der Fußball-WM einlegen zu wollen. „Dies wird einen dunklen Fleck in der jüngeren Geschichte der Weltmeisterschaft hinterlassen“, fügte Mombeini hinzu. „Regeln müssen eingehalten werden.“
Nach Angaben des Verbands wollte die iranische Nationalmannschaft, die ihr WM-Quartier in Tijuana in Mexiko hat, zwei Tage vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Belgien am Sonntag in die USA einreisen. Der Antrag sei jedoch abgelehnt worden, das Team dürfe erst am Samstag zum Spielort nach Los Angeles aufbrechen. Die Fifa-Regeln für Weltmeisterschaften sehen vor, dass die Mannschaften am Tag vor einem Spiel von ihrem Quartier zum Spielort reisen sollten, in „Ausnahmefällen“ jedoch bereits zwei Tage zuvor anreisen dürfen.
Brasilien tanzt wieder – und ein früherer Leipziger und Herthaner ist mittendrin. Angeführt von Ex-Bundesliga-Profi Matheus Cunha und Offensiv-Superstar Vinícius Júnior hat die Seleção ihren ersten Sieg bei dieser Fußball-WM gefeiert. Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Marokko bezwangen die Brasilianer den karibischen Außenseiter Haiti mit 3:0 (3:0).
Cunha (23. und 36. Minute) traf doppelt für den fünfmaligen Weltmeister, Vinícius Júnior (45.+3) legte noch in der ersten Halbzeit nach. Brasilien liegt auf K.o.-Runden-Kurs. Für Haiti, das erstmals seit 1974 wieder bei einer WM mitmischt, ist das Turnier nach der Gruppenphase vorbei.
Ismael Saibari hat sich mit seinem nächsten Treffer weiter in den internationalen Fokus geschossen, wich der Frage zur Bayern-Zukunft aber aus. Der deutsche Rekordmeister soll den Marokkaner bereits seit längerer Zeit beobachten – nun deutet vieles auf einen erfolgreichen Abschluss der Bemühungen hin. Medienberichten zufolge hat der Offensivspieler der PSV Eindhoven den Medizincheck bereits während des Turniers absolviert und bestanden.
Auch wenn die offizielle Bekanntgabe des Transfers noch auf sich warten lässt, hält sich Saibari bedeckt. Fragen zu dem bevorstehenden Wechsel blockte er nach dem 1:0 gegen Schottland ab. „Danke“, sagte der in Spanien geborene Offensivspieler lediglich und leitete zur nächsten Frage über.
„Cristiano bekommt eine Menge Aufmerksamkeit und steht immer im Scheinwerferlicht. Das ist so, seit ich in der Nationalmannschaft spiele, und das wird auch in Zukunft so sein“, meinte Ruben Dias. „Aber jeder von uns – inklusive Cristiano – ist es gewohnt, mit diesem medialen Druck umzugehen. Wir kennen das aus unseren Klubs, aus der Nationalmannschaft, von Weltmeisterschaften und aus den europäischen Wettbewerben.“
Der marokkanische Nationalspieler Achraf Hakimi von Paris Saint-Germain muss wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs vor Gericht. Das Berufungsgericht Versailles bestätigte eine Prozessanordnung gegen den 27-Jährigen. Der Fußballstar, der gerade mit Marokko bei der WM in den USA aktiv ist, hatte Medienberichten zufolge zuvor versucht, einen Prozess noch zu verhindern.
Hakimi bestreitet die Vorwürfe. Auf X schrieb der einst auch für Borussia Dortmund aktive Spieler, dem Verfahren ungeduldig entgegenzublicken. „Endlich werde ich reden können.“ 2023 hatte eine 24 Jahre alte Frau angegeben, bei einem Treffen von Hakimi vergewaltigt worden zu sein. Die beiden hatten sich demnach über Instagram kennengelernt.
Das Foul am Kanadier Ismael Koné beim 6:0-Sieg gegen Katar hat eine Diskussion über die Schiedsrichterlinie bei der WM entfacht. „Man muss den Spielern Grenzen setzen. Es ist nicht immer Absicht. Es ist meistens Fahrlässigkeit. Aber man muss manchmal eben präventiv agieren. Hier waren die Fifa und Pierluigi Collina zu nachsichtig“, sagte Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe der „Bild“ in Richtung des Chefs der Schiedsrichterkommission.
Seit Collinas Amtsantritt 2017 habe es bei Weltmeisterschaften nur wenige Rote Karten gegeben, sagte Gräfe und verwies auf einige Platzverweise nach Notbremsen und Handspielen sowie einen nach einer Tätlichkeit, aber keinen für ein brutales oder ernsthaftes Foulspiel. Daraus ergebe sich Handlungsbedarf. Ein großzügigerer Umgang im Sinne des Spielflusses sei grundsätzlich richtig, „aber was sein muss, muss sein“, betonte der 52-Jährige.
In einem Instagram-Beitrag nahm die TSA die neue Begeisterung der Reisenden für Ranch-Dressing mit Humor – und verwies zugleich auf die geltenden Regeln für Flüssigkeiten im Handgepäck. Die Behörde nutzte den Beitrag zudem, um zu erklären, wie Saucen durch die Sicherheitskontrolle mitgeführt werden dürfen.
„Dieses Chaos enttäuscht mich sehr. Diese Mannschaft hat in den letzten drei Jahren großartige Ergebnisse erzielt und ich finde, wir verdienen ein bisschen mehr Respekt nach dem ersten Spiel, auch wenn wir es besser hätten machen können“, sagte der türkische Nationalcoach vor der wichtigen Partie gegen Paraguay am Samstag (05.00 Uhr/MagentaTV).
Wegen der knappen An- und Abreiseregelungen für sein Team möchte sich der iranische Fußballverband bei der Fifa beschweren. Die Beschränkungen für das eigene Team seien nicht vereinbar mit den Grundsätzen zur Schaffung gleicher Bedingungen für die teilnehmenden Teams, schrieb der Verband in einer Stellungnahme.
Kanada hat mit einem Torfest den ersten Sieg bei einer Fußball-WM überhaupt gelandet und sich auch von einer schweren Verletzung von Ismael Koné nicht ausbremsen lassen. Das Team von Trainer Jesse Marsch besiegte Außenseiter Katar in Vancouver deutlich mit 6:0 (3:0) und braucht im letzten Vorrundenspiel gegen die Schweiz ein Remis, um die Gruppe B auf Platz eins zu beenden.
Nach Thomas Tuchels Ärger über Fotografen sollen Trainer während der Nationalhymne künftig freien Blick auf ihre Spieler haben. Fotografen hatten Englands Trainer während des besonderen Moments unmittelbar vor dem 4:2-Sieg gegen Kroatien die Sicht auf sein Team versperrt. „Ich flehe die Fifa an, die Position der Fotografen während der Nationalhymnen zu ändern“, hatte der 52-Jährige nach dem ersten WM-Spiel seiner Karriere gesagt. Die Bitte blieb nicht ungehört. Die Fifa hat einen Kompromiss für die betroffenen Spiele in Stadien mit beengten Platzverhältnissen gefunden.
Fotografen sollen nach dpa-Informationen zwar dort künftig auf der bisherigen Position bleiben, aber etwas enger zusammenrücken. Die Trainerstäbe aber können sich demnach während der Nationalhymne jeweils etwas an der Seitenlinie entlang links beziehungsweise rechts positionieren und hätten dann keinen Fotografen mehr direkt vor sich. Zuvor hatten englische Medien übereinstimmend über die Anpassung berichtet. „Ein weiterer Sieg für Englands Trainer“, jubelte „The Times“ in ihrem Liveblog.
Mit einem hart erarbeiteten 4:1 (0:0) gegen Bosnien-Herzegowina ist die Schweiz der K.-o.-Phase einen großen Schritt näher gekommen. Erst der eingewechselte Johan Manzambi vom SC Freiburg knackte die bosnische Defensive in der 74. Minute. Der ebenfalls eingewechselte Rubén Vargas (84.), erneut Manzambi (90.) und Granit Xhaka (90.+7/Foulelfmeter) sorgten für die weiteren Schweizer Tore.
Teboho Mokoena hat Südafrika die Chance auf die K.o.-Runde gerettet, Tschechien verspielt den ersten Sieg bei dieser WM trotz Bundesliga-Power. Angeführt von vier Deutschland-Legionären kam Tschechien im Duell der Auftaktverlierer in Atlanta nur zu einem 1:1 (1:0). Dadurch haben beide Teams noch die Chance auf das Weiterkommen.
Michael Sadilek (6. Minute) sorgte in dem imposanten Hallen-Stadion von Atlanta für die frühe Führung der Tschechen. Ein Handelfmeter von Mokoena (83.) reichte zum Ausgleich. Auf den Rängen waren große Lücken sichtbar, die Zuschauerzahl wurde mit 67.442 angegeben. Offiziell können 68.239 Fans die WM-Spiele in der Arena verfolgen, ausverkauft war aber auch das erste Spiel von Europameister Spanien gegen Kap Verde nicht.
Österreichs Stefan Posch hat sich im Auftaktspiel seines Teams den Kiefer gebrochen. Für Posch ist die Weltmeisterschaft aber trotzdem noch nicht gelaufen. Er soll nicht operiert werden und eine Spezialschiene bekommen. „Ob Posch im kommenden Gruppenspiel gegen Argentinien bereits wieder einsatzbereit sein wird, bleibt abzuwarten“, so der österreichische Fußballverband. Posch war beim 3:1 der Österreicher im ersten Gruppenspiel gegen Jordanien mit Gegenspieler Odeh Al-Fakhouri zusammengeprallt.
Der angeschlagene Altstar Neymar wird Brasilien auch im zweiten Gruppenspiel nicht zur Verfügung stehen. Statt mit dem Team zur Partie gegen Haiti nach Philadelphia zu reisen, werde der 34-Jährige weiter im Trainingscamp in New Jersey an seinem Comeback arbeiten, teilte der Verband mit. Neymar hat wegen einer Wadenverletzung schon seit gut einem Monat kein Pflichtspiel mehr bestritten.
Open Questions
- Wird der Iran weitere Schritte gegen die FIFA unternehmen?
- Wie wird sich die Schiedsrichterdiskussion auf zukünftige Spiele auswirken?

