Wohnungsbau auf der Expo Real: Branche fordert mehr als nur den 'Bau-Turbo'
Bauministerin Hubertz plant weiteren 'Bau-Turbo' zur Beschleunigung von Genehmigungen, doch Branchenvertreter kritisieren Personalmangel und bürokratische Hürden.
Quick Look
- Auf der Immobilienmesse Expo Real diskutiert Bauministerin Hubertz über den Wohnungsbau.
- Während sie einen zweiten 'Bau-Turbo' zur Digitalisierung und Entschlackung des Baugesetzbuchs ankündigt, beklagt die Branche Personalmangel und hohe bürokratische Kosten.
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Why It Matters
Der deutsche Immobilienmarkt befindet sich seit dem Ende der Niedrigzinsphase 2022 in einer Krise. Zudem besteht bei Investoren Sorge bezüglich möglicher Enteignungen von Wohnungsgesellschaften.
München. Rund 60 Milliarden Euro. Diese Summe steht nach den Worten von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) vonseiten des Bundes, der Länder und Kommunen für neue, vorwiegend sozial geförderte Wohnungen bereit. Aus Sicht der Ministerin müsse dieses Geld nun dringend investiert werden.
Doch investiert wird nur, wo gebaut wird. Im Austausch mit Branchenvertretern auf der Expo Real, der größten europäischen Immobilienmesse, zeigt sich, dass dafür nicht nur schnellere Genehmigungsverfahren nötig sind.
Von Januar bis Juli 2026 sollen laut der Bundesbauministerin bundesweit rund 148.000 neue Wohnungen genehmigt worden sein, so viele wie seit zehn Jahren nicht. Für Hubertz ein klares Zeichen, dass der von ihr initiierte Bau-Turbo gezündet hat. Mit dem Regelwerk, das die SPD‑Politikerin im Jahr 2025 vorgestellt hatte, sollen Gebäude schneller genehmigt werden können.
Nach den Worten von André Berghegger vom Deutschen Städte- und Gemeindetag sei dies aber nur ein erster Schritt. Er fordert schnellere Prozesse in der Planung und der Umsetzung von Bauvorhaben. Nach wie vor gehe es bei größeren Vorhaben viel zu langsam voran.
Die Ministerin kennt diesen Wunsch. Sie will mit einem neuen, zweiten Bau-Turbo, der das Baugesetzbuch entschlacken soll, antworten. „Wir müssen knallhart digitalisieren“, sagte Hubertz auf der Messe.
In der Branche stößt dies auf Wohlwollen. „Es fehlt aber am Glauben“, wie Jochen Völckers vom Immobilienberatungshaus Avison Young erklärt. Völckers sieht das Problem vor Ort, da könne in Berlin noch so viel Druck gemacht werden. Es mangele in den zuständigen Behörden an Personal.
Bauherren und Immobilieneigner berichten nach seinen Erfahrungen auch immer wieder von zusätzlichen Gutachten, die die Vorhaben in die Länge ziehen. „Nicht selten sind die Kosten hierfür höher als der veranschlagte Gewinn“, sagt er. Viele Bauherren und schließlich auch die Käufer schreckten dann zurück. Oft werde auch versucht, den Verkäufer der Immobilie im Preis zu drücken.
In der Branche herrscht Konsens: Der Immobilienmarkt befindet sich seit 2022, als die Niedrigzinsphase abrupt endete, in einer Krise. Seitdem haben es Verkäufer von Gebäuden schwer, die Preise zu erzielen, die sie brauchen, um keinen Verlust zu machen.
Die Wohnungsbranche treibt aber noch ein anderes Thema um. Vonovia-Chef Luca Mucic sorgt sich eher um die Rechtssicherheit in Deutschland. „Wenn ich mit Investoren und großen Anteilseignern spreche, geht es immer zuerst um die Frage der Vergesellschaftung“, sagt der Vorstandschef des größten privaten Vermieters des Landes.
Seit der Berlin-Wahl, die die Linke mit ihrer Forderung, private Wohnungsgesellschaften zu enteignen, gewonnen hat, sind bei Anlegern aus dem In- und Ausland die Sorgen groß. Bauministerin Hubertz will diese Sorgen zerstreuen.
Am 19. und 20. Oktober findet in Berlin der „Invest in Germany Summit“ statt. Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet die Konferenz. Geladen sind in- und ausländische Investoren – unter anderem aus der Immobilienbranche.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Invest in Germany Summit am 19. und 20. Oktober in Berlin.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wie effektiv wird der zweite Bau-Turbo die Genehmigungsprozesse beschleunigen?
- Wie reagieren Investoren konkret auf die Enteignungsdebatte?






