Berlin hat genug Flächenpotenziale, leidet aber unter einem massiven Umsetzungsproblem. Die Debatte über Vergesellschaftung lenkt von den echten Lösungen ab.
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Berlin leidet seit Jahren unter stark steigenden Mieten und einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum.
Wohnen ist eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit, vor allem in Städten wie Berlin, wo das Thema wahlentscheidend war. In der Hauptstadt wird nun vor allem über die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne gesprochen. Nur lenkt das von der entscheidenden Frage ab: Wie können wir mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen?
Die gute Nachricht ist aus meiner Sicht: Berlin hat realistische Möglichkeiten, in den kommenden Jahren einen erheblichen Teil seiner Wohnungsnot zu lösen.
Denn in Berlin fehlt es nicht primär an Flächen für neue Wohnungen. Nach der jüngsten Planung des Senats werden von 2026 bis 2040 rund 211.000 zusätzliche Wohnungen gebraucht. Gleichzeitig hat die Stadt bereits Potenziale für rund 213.000 Wohnungen identifiziert. Das Berliner Wohnungsproblem ist daher vor allem ein Umsetzungsproblem. Das ist ärgerlich, weil vieles vermeidbar gewesen wäre, hätte man frühzeitig gegengesteuert.
Fast 85 Prozent der Berliner Haushalte wohnen zur Miete. Die mittlere Angebotsmiete ist von rund neun Euro je Quadratmeter im Jahr 2016 auf knapp 16 Euro im vergangenen Jahr gestiegen – ein Plus von rund 75 Prozent in neun Jahren. Berliner geben im Durchschnitt mehr als ein Viertel ihres Nettoeinkommens allein für die Bruttokaltmiete aus. Etwa jeder fünfte Haushalt muss sogar mindestens 40 Prozent aufwenden. Vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen bleibt nach der Miete immer weniger für Lebensmittel, Freizeit oder Vorsorge.
Man könnte sehr viel tun
Wie konnte es dazu kommen? Die übliche Antwort lautet, Berlin sei stark gewachsen. Das stimmt nur zum Teil. Eine wachsende Stadt braucht mehr Wohnungen. Das Angebot hat mit der Nachfrage nicht ausreichend Schritt gehalten. Zu wenige Wohnungen wurden gebaut, nicht zuletzt, weil Planungs- und Genehmigungsverfahren zu lange dauern, Baukosten (zu) stark gestiegen sind und vorhandene Flächen nicht schnell genug mobilisiert werden.
Hinzu kommt: Der zunehmende und mittlerweile große Abstand zwischen Bestands- und Neuvertragsmieten blockiert den Wohnungsmarkt immer stärker. Wer einen alten, günstigen Mietvertrag für eine große Wohnung hat, wird diese kaum gegen eine kleinere Wohnung austauschen, die gleich viel kostet oder teurer ist, selbst wenn die vorhandene größere Wohnung mittlerweile zur Last geworden sein sollte. Menschen bleiben deshalb in Wohnungen, die nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passen, während Familien verzweifelt größere Wohnungen suchen. Berlin fehlt es an Wohnungen – und nutzt den vorhandenen Wohnraum nicht effizient.
Mehr als 85 Prozent der im Stadtentwicklungsplan ausgewiesenen Flächenpotenziale liegen auf bereits bebauten, ehemals bebauten oder teilweise versiegelten Flächen. Hinzu kommen 24 neue Stadtquartiere mit einem Potenzial von rund 61.000 Wohnungen. Es geht also nicht nur um neue große Baugebiete oder den immer gleichen Streit um das Tempelhofer Feld. Dachgeschosse können ausgebaut und Häuser aufgestockt werden. Baulücken können geschlossen, eingeschossige Supermärkte und andere versiegelte Flächen überbaut werden. Nicht mehr benötigte Büro- und Gewerbeflächen können häufig in Wohnungen umgewandelt werden. Keine dieser Maßnahmen wird die Wohnungskrise allein lösen, in Summe können sie, wenn sie klug miteinander kombiniert werden, aber einen großen Teil der Wohnungsknappheit beseitigen.
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