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Die Zinsen für Unternehmensanleihen sind in den letzten zwölf Monaten von 3,5 auf 4,5 Prozent gestiegen, wobei der Anstieg in den letzten vier Wochen besonders stark von 4,0 auf 4,5 Prozent erfolgte. Diese Entwicklung erfolgt im Kontext einer restriktiven Geldpolitik nach Jahren der Niedrigzinsphase, die bis 2022 andauerte. Unternehmen nutzen Anleihen als Hauptquelle für ihre Finanzierung, wobei steigende Zinsen die Kosten für Neufinanzierung und Bestandspapiere erhöhen.
Bis Ende 2027 müssen allein die Dax-Firmen über 100 Milliarden Euro refinanzieren. Die rasant steigenden Zinsen zehren an der Finanzkraft der Unternehmen. Doch es gibt Auswege.
Steigende Zinsen: Anleihen sind für große Unternehmen eine Hauptquelle für ihre Finanzierung Foto: Getty Images [M]
Der Zins für Unternehmensanleihen mit guter und mittlerer Bonität stieg in zwölf Monaten von 3,5 auf 4,5 Prozent, zuletzt innerhalb von vier Wochen von 4,0 auf 4,5 Prozent.
Die Dax-Konzerne müssen bis Ende 2029 insgesamt 244 Milliarden Euro an Anleihen neu finanzieren, bei einem Gesamtvolumen von 562 Milliarden Euro ausstehender Anleihen.
Etwa die Hälfte der im kommenden Jahr fälligen Schulden entfallen auf Unternehmen mit schlechtem oder keinem Rating, darunter viele Mittelständler, die strengere Finanzierungsbedingungen erwarten.
Unternehmen wie Bayer, Eon, Deutsche Telekom, Continental, Siemens und BASF stehen durch steigende Zinsen und hohe Schuldenstände vor wachsenden Refinanzierungsbelastungen und müssen teilweise kurzfristig hohe Summen tilgen oder neu platzieren.
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Düsseldorf. Die Turbulenzen an den Anleihemärkten und die rasant steigenden Zinsen belasten verschuldete Unternehmen zunehmend stark. Rainer Bizenberger, Partner bei der Beratungsgesellschaft Alix Partners erwartet: „Die Finanzierungslast für Unternehmen steigt schon seit Jahren. Diese Entwicklung hat sich jetzt noch einmal dramatisch verstärkt.“
Wie brisant die Lage ist, zeigt die jüngste Entwicklung des Anleihe-Zinssatzes für Unternehmen mit guter und mittlerer Bonität. Dieser ist in den vergangenen zwölf Monaten von durchschnittlich 3,5 auf 4,5 Prozent gestiegen. In den letzten vier Wochen stieg der Zins drastisch von 4,0 auf 4,5 Prozent.
Besonders betroffen sind Firmen, die Anleihen in großem Volumen zeitnah neu platzieren müssen, sowie Unternehmen mit schlechtem Bonitätsgrad bei den Ratingagenturen. Das Handelsblatt Research Institute (HRI) hat berechnet, wie hoch der Refinanzierungsbedarf der Dax-Unternehmen ist – und welche von ihnen dabei herausstechen.
Anleihen sind für große Unternehmen eine Hauptquelle für ihre Finanzierung, weit stärker als Kredite. Sie zahlen den Gläubigern dabei für einen bestimmten Zeitraum einen festen Zinssatz, der sich am Markt orientiert. Die Bonds werden an der Börse gehandelt.
Verantwortlich für den jüngsten Zinsanstieg bei den Unternehmensbonds sind unter anderem die drastisch gestiegenen Ölpreise infolge des Kriegs am Golf, die anhaltend hohe Inflation und die ausufernde Verschuldung in vielen Nationalstaaten. Hinzu kommt, dass die Notenbanken in Europa und den USA ihre Leitzinsen erhöhten.
Noch in diesem Jahr müssen die Dax-Konzerne für knapp 30 Milliarden Euro auslaufende Anleihen neu finanzieren, sofern sie diese Schulden nicht tilgen. Im kommenden Jahr werden weitere 73,5 Milliarden Euro fällig. Diese Berechnungen des Handelsblatt Research Institute (HRI) basieren auf Daten aus Unternehmensbilanzen und des Finanzspezialisten Bloomberg.
Im Ergebnis müssen bis zum Jahr 2029 insgesamt 244 Milliarden Euro neu finanziert werden. Die Datenanalyse zeigt, dass die Dax-Konzerne insgesamt Anleihen in Höhe von 562 Milliarden Euro ausstehen haben. Zu den börsennotierten Dax-Konzernen mit den höchsten Nettofinanzschulden gehören Bayer mit 33 Milliarden Euro, Eon mit 37 Milliarden, Vonovia mit 41 Milliarden und die Deutsche Telekom mit 138 Milliarden Euro.
Vielen Mittelständlern fehlt ein Rating
Bezieht man in die Betrachtung allerdings einen größeren Kreis von Unternehmen in Deutschland ein, wachsen auch die Dimensionen. Rund die Hälfte der im kommenden Jahr fälligen Schulden entfällt auf Firmen, die ein schlechtes Rating oder gar keines haben – dazu zählen etwa viele der deutschen Mittelständler.
Das belegt der demnächst erscheinende „Debt-Report“ von Alix Partners, der dem Handelsblatt vorliegt. Alix-Partner Alban Baiker sagt: „Diese Unternehmen müssen nicht nur mit höheren Finanzierungskosten rechnen, sondern auch mit strengeren Finanzierungsbedingungen.“
Die EZB in Frankfurt: Im Juni erhöhte die Zentralbank die Leitzinsen. Foto: Andreas Arnold/dpa
Alle Dax-Konzerne mit einem veröffentlichten Unternehmensrating sind im Investmentgrade-Bereich eingestuft. Das bedeutet, die Firmen können auch weiterhin problemlos neue Anleihen am Markt platzieren, allerdings verbunden mit höheren Zinslasten.
Im MDax hingegen gibt es mehrere Konzerne mit einem Rating unterhalb des Investmentgrades, wie etwa Thyssenkrupp, der Chemiekonzern Lanxess und der Autozulieferer Schaeffler. Bei ihnen kommen mögliche Risikoaufschläge hinzu.
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Die seit Jahren steigende Zinslast raubt verschuldeten Firmen die Finanzkraft, um dringend in Digitalisierung, Dekarbonisierung und Innovationen zu investieren. „Das trifft die Firmen in einer Phase, in der sie ohnehin mit rasant steigenden Kosten zu kämpfen haben“, sagt Alix-Partner Binzenberger.
Ein weiterer Effekt der hohen Zinsen: Sie verteuern die Investitionsprojekte, für die die Unternehmen Fremdkapital aufnehmen, und machen sie dadurch risikoreicher.
Inzwischen werden fast 30 Prozent des freien Cashflows deutscher Unternehmen für Zinszahlungen verwendet. Das belegen die Daten von Alix Partners. Dieser Anteil lag 2019 noch bei etwa 15 Prozent, also in Zeiten der Niedrigzinsphase, die bis in das Jahr 2022 andauerte. Kredite und Anleihen waren damals für weniger als zwei Prozent Zinsen pro Jahr zu haben. Einige Unternehmen schafften es sogar, neue Schulden ohne Zinszahlungen aufzunehmen. Diese Zeiten aber sind vorbei.
Wie teuer neue Schulden sind, zeigt die Entwicklung von Anleihen, die täglich im Markt gehandelt werden. Ein Blick auf ausgewählte Dax-Konzerne:
Eon: 2024 begab der Energiekonzern eine Anleihe für eine Milliarde Euro mit einer Laufzeit bis 2044 und einem Zinssatz von vier Prozent. Inzwischen rentiert diese Anleihe am Markt mit 4,8 Prozent. So viel müsste Eon heute in etwa für eine neue und ähnlich langlaufende Anleihe bezahlen. Eons Finanzierungsbedarf ist mit einem Gesamtanleihe-Volumen von 33,7 Milliarden Euro immens. Bis Ende nächsten Jahres werden Anleihen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro fällig, bis Ende 2029 sind es 7,8 Milliarden Euro.
Deutsche Telekom: Drastisch ist die Zinsentwicklung für die Deutsche Telekom. Noch Anfang vergangenen Jahres emittierte der Konzern eine bis 2045 laufende Anleihe zu einem Kupon von 3,625 Prozent. Doch die Telekom muss sich darauf einstellen, ihren Schuldnern künftig sehr viel mehr bieten zu müssen. Inzwischen wird diese Anleihe am freien Markt zu einem Zinssatz von 4,8 Prozent gehandelt.
KI-Fabrik der Telekom: Bei Anleihegläubigern hat sich die Telekom insgesamt 99 Milliarden Euro geliehen. Foto: Deutsche Telekom
Bereits im vergangenen Geschäftsjahr musste die Telekom mit 6,5 Milliarden Euro mit Abstand die höchsten Zinsaufwendungen unter allen börsennotierten deutschen Konzernen stemmen. Bei Anleihegläubigern hat sich die Telekom insgesamt 99 Milliarden Euro geliehen.
Davon werden bis Ende 2029 Anleihen im Volumen von 24 Milliarden Euro fällig, allein 2027 werden es 6,3 Milliarden Euro sein. Das Management verteilt aber die Fälligkeiten und damit seinen Refinanzierungsbedarf seit Jahren gleichmäßig über die kommenden Jahrzehnte.
Continental: Brisant sind die steigenden Zinsen vor allem für Unternehmen, die schon bald einen Großteil ihrer Schulden refinanzieren müssen. Der Autozulieferer Continental hat Anleihen über insgesamt 4,6 Milliarden Euro ausstehen. Pro Jahr werden knapp über eine Milliarde Euro fällig. Bis Ende 2029 muss der Autozulieferer alle ausstehenden Anleihen refinanzieren oder aber seine Schulden tilgen.
Dieses Geld muss erst einmal verdient werden. 2025 bilanzierte Continental vor Steuern und Zinsen einen Gewinn von lediglich 261 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr prognostizieren Analysten, auch auf Basis des ersten Halbjahres, allerdings einen deutlich höheren Gewinn von 1,9 Milliarden Euro.
Siemens-Zentrale in München: Allein im nächsten Jahr werden Anleihen im Volumen von 3,9 Milliarden Euro fällig. Foto: dpa
Siemens: Unter Druck stehen auch Unternehmen, deren Schulden seit dem Ende der Niedrigzinsphase gestiegen sind. Seit dem Geschäftsjahresende 2023 erhöhten sich die Nettofinanzverbindlichkeiten bei Siemens von 7,9 auf 9,3 Milliarden Euro zum Ende des dritten Geschäftsquartals Ende Juli. Allein im nächsten Jahr werden Anleihen im Volumen von 3,9 Milliarden Euro fällig, 2028 weitere 5,2 Milliarden Euro.
Bayer: Der Leverkusener Konzern hat Anleihen von 38,6 Milliarden Euro ausstehen. Bei dem Konzern zeigt sich deutlich, wie teuer mittlerweile neue Bonds sind. Vor zwei Wochen platzierte Bayer problemlos ein Volumen von zwei Milliarden Euro, der Zins liegt je nach Laufzeit der Papiere zwischen 5,75 und 6,25 Prozent. Vor sechs Jahren lag der Zins noch bei rund einem Prozent.
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BASF-Anlage in Ludwigshafen: Der Chemiekonzern hat Anleihen von 12,6 Milliarden Euro ausstehen. Foto: obs
Komplett wird der Konzern diese Schulden allerdings nicht refinanzieren müssen. Im September erwarb der US-Finanzinvestor Apollo Anteile an einer neuen Bayer-Gesellschaft zur Vermarktung von Langzeitverhütungsmitteln. Der Deal bringt kurzfristig drei Milliarden Euro ein, die Bayer in den Schuldenabbau stecken will. Das bringt angesichts der rasant steigenden Zinsen Entlastung.
BASF: Der Chemiekonzern hat Anleihen von 12,6 Milliarden Euro ausstehen, davon werden 2,3 Milliarden Euro im nächsten Jahr fällig. BASF hat Nettofinanzschulden von 17 Milliarden Euro. Bei Vorlage der Halbjahresbilanz kündigte BASF an, diese deutlich reduzieren zu wollen. Noch in diesem Jahr sollen dafür Anleihen und Darlehen im Volumen von 1,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückgezahlt werden.
Mehr: Wann die hohen Zinsen zum Problem für Aktien werden
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