Der Beruf des Notars: Aufgaben, Formen und Karriereweg in Deutschland
Auf einen Blick
- Notare sind ein zentraler Bestandteil des deutschen Rechtssystems, deren Zahl seit Jahren rückläufig ist.
- Der Artikel beleuchtet ihre Aufgaben, die zwei Notariatsformen (hauptberuflich und Anwaltsnotar), die erforderlichen Qualifikationen und den Karriereweg, einschließlich Ausbildung und Prüfungen.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die Zahl der Notare in Deutschland ist seit 2016 rückläufig, obwohl sie ein unverzichtbarer Teil der Rechtsordnung sind. Der Artikel erklärt die Rolle, Formen und den Karriereweg dieses Berufs.
Wer Jura studiert, will meist Anwalt oder Richter werden oder in größeren Konzernen arbeiten. Nur bei wenigen Absolventinnen und Absolventen führt der Karriereweg in den Beruf des Notars. So ist die bereits geringe Zahl von Notaren in Deutschland seit Jahren rückläufig.
Zu Jahresbeginn 2026 gab es laut Bundesnotarkammer 6205 Berufsträger. 2016 waren es noch 7088. Dennoch bleibt das Amt in allen Bundesländern ein unverzichtbarer Teil der Rechtsordnung.
Was genau machen Notarinnen und Notare eigentlich? Welche Formen von Notariaten gibt es in Deutschland? Für wen eignet sich der Beruf? Und wie werden Kandidatinnen und Kandidaten berufen? Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Beruf Notar.
Notare sind ein zentraler Teil des deutschen Rechtssystems. Laut Paragraf 1 der Bundesnotarordnung (BnotO) erfüllen sie Aufgaben auf dem Gebiet der vorsorgenden Rechtspflege. Sie sind, ähnlich wie Richter, unabhängige Träger eines öffentlichen Amtes.
Die Bundesnotarkammer erklärt die Rolle der Notare anhand dreier Elemente der Urkunden, die sie ausstellen. Erstens sorgen sie für präventive Rechtskontrolle, schützen also Bürger vor rechtlicher Benachteiligung. Urkunden sind bei einigen Geschäften gesetzlich erforderlich, ohne sie wäre ein Vertrag nicht rechtswirksam. Beispiele hierfür sind Immobilienkäufe, Eheverträge oder Erbverträge. In jedem Fall hat eine notarielle Beurkundung unmittelbare Rechtsfolgen.
Zweitens haben diese vom Notar erstellten Urkunden eine bindende Beweiskraft für die Gerichte in Zivilprozessen. Das bedeutet, sie beweisen den in ihnen dokumentierten Vorgang vollständig und müssen daher vom Gericht als wahr anerkannt werden.
Drittens sind die Urkunden vollstreckbar. Das heißt, dass die beteiligten Parteien zur Durchsetzung ihrer Ansprüche nicht erneut zum Gericht müssen. Die notariellen Urkunden ermächtigen also zuständige Vollstreckungsorgane wie das Grundbuchamt oder den Gerichtsvollzieher zur Umsetzung.
Ganz praktisch muss ein Notar auch zwischen Beteiligten vermitteln, diese beraten, die Urkunden im Vorfeld entwerfen und diese bei der eigentlichen Beurkundung verlesen, wie der Bayerische Notarverein erklärt. Auch die Eintragung ins Grundbuchamt muss nach der Beurkundung vom Notar veranlasst werden.
In Deutschland gibt es laut BnotO zwei verschiedene Formen des Notariats. Eine ist die hauptberufliche Tätigkeit, sie gilt in den meisten Bundesländern. Laut Paragraf 3 der BnotO werden hauptberufliche Notare auf Lebenszeit bestellt. Das gilt in:
Baden-Württemberg Bayern Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen
Im übrigen Drittel Deutschlands gibt es sogenannte Anwaltsnotare. Das heißt, dass Rechtsanwälte nebenbei das Amt des Notars ausüben. Ihre Bestellung ist laut BnotO nicht auf Lebenszeit, sondern solange sie bei der im Gerichtsbezirk zuständigen Rechtsanwaltskammer Mitglied sind. Dabei gibt es umfangreiche rechtliche Vorkehrungen, um Interessenkonflikten vorzubeugen. Denn Notare müssen in jedem Fall unparteilich sein.
Die unterschiedlichen Notariatsformen wirken sich auch darauf aus, wie sich der Karriereweg zum Notar gestaltet, welche Voraussetzungen Anwärter erfüllen müssen und welche Ausbildung sie durchlaufen.
Notare brauchen ihr zufolge sehr gute juristische Kenntnisse in vielen Rechtsgebieten. Vor allem für den Beruf relevant seien Immobilienrecht, Familienrecht, Erbrecht und Gesellschaftsrecht. Auch sollten sie in der Lage sein, komplexe juristische Sachverhalte für Laien verständlich zu erklären.
Generell müssen Notare sozial kompetent sein, denn sie arbeiten Tag für Tag eng mit Menschen zusammen. Diese haben in der Regel nicht nur ein rein juristisches Anliegen, sondern suchen auch Beratung und Verständnis. Laut Bundesnotarkammer müssen Notare deshalb schwierige zwischenmenschliche Situationen navigieren können, wenn sie beispielsweise in Scheidungsfragen vermitteln.
Wer also gern juristisch anspruchsvoll arbeite und gleichzeitig viel Kontakt mit Menschen wolle, sei richtig in dem Beruf, so Godt-Nordhues. Präzises Arbeiten, Verantwortungsübernahme und Interesse an wirtschaftlichen und persönlichen Lebensfragen gehörten auch dazu.
Zunächst legt Paragraf 5 der Bundesnotarordnung allgemein fest, dass, wer zum Notar bestellt wird, „persönlich und fachlich für das Amt geeignet“ sein muss. Zur persönlichen Eignung zählen die Ordnung, das Verhalten und die gesundheitliche Eignung. Zudem darf der Anwärter oder Notar sich nicht in einem Vermögensverfall befinden, also beispielsweise in einem Insolvenzverfahren. „Entscheidend ist, ob einer Person die verantwortungsvollen Aufgaben einer Notarin oder eines Notars anvertraut werden können“, sagt Godt-Nordhues. Von besonderer Bedeutung seien dabei Integrität, Verschwiegenheit, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit.
Fachliche Eignung bedeutet, dass Anwärter die „Befähigung zum Richteramt nach dem Deutschen Richtergesetz“ erworben haben. Diese Befähigung umfasst laut Paragraf 5 des Deutschen Richtergesetzes ein abgeschlossenes Jurastudium sowie ein anschließendes Rechtsreferendariat, also das erste und zweite Staatsexamen. Das sei die grundlegende Qualifikation für alle volljuristischen Berufe, erklärt Godt-Nordhues.
Auf dem Weg zum hauptberuflichen Notar müssen Bewerber in dem Bundesland, in dem sie bestellt werden wollen, drei Jahre lang als Notarassessor arbeiten. Notarassessoren befinden sich in praktischer Ausbildung, die sie auf das Amt vorbereiten soll. Danach können sie sich auf frei gewordene oder neu geschaffene Notarstellen bewerben.
Assessoren arbeiten zunächst in einem Notariat und haben im Prinzip die gleichen Pflichten wie ein ausgebildeter Notar. Im weiteren Verlauf können sie beispielsweise Urlaubsvertretungen für andere Notare übernehmen und müssen an Fortbildungen teilnehmen, bestimmt die Bundesnotarkammer. In dieser Zeit lerne man dann die Vielfalt in der Praxis kennen, denn Notariate würden laut Godt-Nordhues sehr unterschiedlich geführt. Besonders spannend sei für sie als Assessorin gewesen, verschiedene Lösungswege für juristische Fragestellungen und Vertragsgestaltungen kennenzulernen.
In jedem Fall sind für die Aufnahme als Notarassessor die Leistungen in der bisherigen Ausbildung relevant. Vor allem zählt das zweite Staatsexamen, wie in Paragraf 7 der BNotO festgeschrieben ist. „Die Aufnahme in den Anwärterdienst erfolgt nach dem Prinzip der Bestenauslese“, sagt Godt-Nordhues. Bereits das sei aus ihrer Sicht eine hohe Hürde. Dazu kommt, dass auch der Anwärterdienst selbst sehr anspruchsvoll sei.
Zusätzlich zu den Examensleistungen musste sie vor der Aufnahme als Assessorin im Rheinland ein Auswahlgespräch absolvieren. Dort stellte man ihr Fragen zu ihrer fachlichen und persönlichen Eignung. Dieses Verfahren kann sich je nach Kammerbezirk unterscheiden.
Anwaltsnotare müssen fünf Jahre „in nicht unerheblichem Umfang für verschiedene Auftraggeber rechtsanwaltlich tätig“ sein, schreibt die BnotO vor. Davon müssen sie drei Jahre vor der Bewerbung als Notar außerdem bereits in dem Amtsgerichtsbezirk tätig sein, in dem sie das Amt des Notars ausüben wollen.
Dann müssen Bewerber eine notarielle Fachprüfung bestehen. Um dort bewilligt zu werden, müssen sie seit drei Jahren als Rechtsanwalt zugelassen sein und die Befähigung zum Richteramt haben. Die Fachprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Sie dreht sich vor allem um die notariellen Tätigkeiten.
Auch nach der bestandenen Prüfung ist ein Notaranwärter nicht fertig. In der Regel gilt es, noch bis zu 160 Stunden praktische Ausbildung bei einem Notar zu absolvieren, um sich mit der Berufspraxis vertraut zu machen. Wer das Amt des Notars übernommen hat, muss zudem jedes Jahr mindestens 15 Stunden an speziellen Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen.
Offene Fragen
- Wie kann der Rückgang der Notarszahlen gestoppt werden?
- Welche konkreten Auswirkungen hat der Rückgang auf die Rechtspflege?




