Niedrigwasser in Deutschland: Streit um Flussausbau
Bundesverkehrsminister Bilger fordert den Ausbau von Wasserstraßen wegen niedriger Pegelstände, während Umweltminister Schneider und Naturschützer dies ablehnen.
Auf einen Blick
- Wegen anhaltender Trockenheit führen deutsche Flüsse Niedrigwasser.
- Bundesverkehrsminister Bilger fordert den Ausbau der Wasserstraßen für mehr Zuverlässigkeit, stößt damit jedoch beim Umweltminister und bei Naturschützern auf heftige Kritik.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Anhaltende Trockenheit führt an vielen Orten in Deutschland zu historischen Tiefständen der Pegel.
Angesichts der niedrigen Pegelstände in Deutschland setzt sich Bundesverkehrsminister Steffen Bilger für einen Ausbau der Flüsse ein. "Grundsätzlich sollten wir alle ein Verständnis dafür haben, dass die Wasserstraße Unterstützung verdient, weil sie der umweltfreundlichste Verkehrsträger ist", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Vertrauen in die Binnenschifffahrt könne es nur geben, wenn es nicht regelmäßig zu Niedrigwasserproblemen komme, sagte der CDU-Politiker. "Deswegen brauchen wir einen Ausbau der Wasserstraße, um langfristig für mehr Zuverlässigkeit zu sorgen."
Bundesumweltminister gegen Ausbau von Flüssen
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte, Vertiefungen von Flüssen seien nicht die Antwort auf die gegenwärtige Situation. Vielmehr brauche es einen "Rückbau" der Flüsse, "weg von Kanälen hin zu natürlichen Flüssen mit mäandernden Flussarmen, mit Flussauenlandschaften, die das Wasser in der Fläche halten".
Auch Naturschützer sehen einen Ausbau der Flüsse kritisch. "Sie schaden mehr als sie nützen", erklärte Beatrice Claus vom WWF dazu. "Durch den Ausbau und die Begradigung fließt das Wasser noch schneller ab in die Nord- und Ostsee, statt in der Umgebung gehalten zu werden." Wichtiger sei es, mit naturnahen Landschaften mehr Speicherkapazität für Wasser zu schaffen. Bilger hatte angekündigt, über seine Pläne auch mit Umweltverbänden zu sprechen.
Die großen deutschen Flüsse haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen. Die niedrigen Pegelstände stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren oder sogar gar nicht mehr fahren können.
Bilger: Lage bis Ende August problematisch
Wegen des anhaltenden Niedrigwassers will Bilger heute mit den Ressortchefs der Länder über weitere Maßnahmen beraten. Bei der Schaltkonferenz gehe es etwa um den Umgang mit bestimmten Gütern, die nicht länger in den Häfen gelagert werden könnten, sagte Bilger. Er gehe davon aus, dass es bis mindestens bis Ende August problematisch bleibe.
Versorgungsengpässe sieht der Verkehrsminister derzeit aber noch nicht. "Stand jetzt ist die Versorgung gewährleistet", so Bilger in der Rheinischen Post. Um das Risiko zu senken, müsse aber mehr Güterverkehr von den Wasserstraßen auf Schiene und Straße verlagert werden. Bund und Länder wollten sich über weitere Schritte abstimmen.
Der Deutschen Bahn sprach Bilger ein Lob aus: "Ich bin dankbar, dass die Bahn sich umgehend gekümmert und zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt hat." Dazu gehörten weitere Waggons, deren Zahl noch steigen solle.
Bauindustrie: Erste Engpässe bereits angekündigt
Die Bauindustrie sieht die Lage indes deutlich kritischer. "Lieferengpässe für erste Baustoffe sind von den Lieferanten bereits angekündigt worden für den Fall, dass die Situation noch länger anhält, wovon derzeit auszugehen ist", sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Flächendeckende Baustopps sehe er zwar aktuell nicht. Je länger und ausgeprägter die Niedrigwasserphase allerdings anhalte, desto größer werde das Risiko von Engpässen, höheren Logistikkosten und Verzögerungen.
Gestern hatten weitere Bundesländer das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw ausgesetzt, um Transporte zumindest teilweise zu verlagern. Zuletzt erließen Hessen, Schleswig-Holstein und Hamburg Ausnahmeregelungen. Auch Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg folgten.
Thüringen hob das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen als erstes Land ganz auf. Ab sofort dürfen alle Arten von Gütern auch sonntags per Lkw transportiert werden - bis zunächst 31. August. Damit geht Thüringen weiter als andere Bundesländer. Berlin und Brandenburg etwa erlauben sonntags lediglich Lkw-Transporte von Gütern, die üblicherweise auf Binnenschiffen befördert werden.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Beratungen der Ressortchefs der Länder über Maßnahmen bei Niedrigwasser
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Offene Fragen
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