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Russland greift Kiew erneut mit ballistischen Raketen an: Tote und Verletzte
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Handelsblattvor 50 MinutenPolitik3 Min. LesezeitGermany

Russland greift Kiew erneut mit ballistischen Raketen an: Tote und Verletzte

Auf einen Blick

  • Russland griff Kiew erneut mit ballistischen Raketen an, forderte mindestens 9 Tote und über 30 Verletzte, darunter Minderjährige.
  • Präsident Selenskyj beklagte mangelnde Flugabwehr und appellierte an Partner.
  • Auch Russland meldete Drohnenangriffe der Ukraine.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Russland führt seit Februar 2022 eine Invasion in der Ukraine durch, die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe.

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Kiew. Erneut hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht mit ballistischen Raketen angegriffen und dabei viele Menschen getötet und verletzt. Der Bürgermeister der Millionenstadt, Vitali Klitschko, schrieb bei Telegram von mindestens 9 Toten und mehr als 30 Verletzten, darunter vier Minderjährige. Es gab demnach Brände und Schäden an Wohnhäusern und anderen Gebäuden in mehreren Stadtteilen.

Zuvor berichtete Klitschko unter anderem von einem fünfstöckigen Wohnhaus, das durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt worden sei. In dem Haus seien Menschen eingeschlossen. Zuvor hatte er von Explosionen in der Stadt berichtet und mitgeteilt, Kiew werde mit ballistischen Raketen angegriffen. Die Menschen sollten in Schutzräumen bleiben. Erneut verbrachten viele Bewohner die Nacht in U-Bahnstationen oder im Freien.

Russland griff die Ukraine laut Präsident Wolodymyr Selenskyj mit 35 Raketen und Marschflugkörpern, darunter 27 ballistische Raketen, sowie 185 Drohnen an. Nur eine ballistische Rakete sei abgefangen worden, einfach weil es keine Raketen für Patriot-Systeme gebe, schrieb er in sozialen Medien und appellierte an die Partner seines Landes. Mittel zur Flugabwehr würden nicht in Lagern für hypothetische Szenarien gebraucht, sondern jetzt in der Ukraine. Dazu veröffentlichte er Fotos und einen Videozusammenschnitt, die Einsatzkräfte und Zerstörungen an Wohnhäusern zeigen. Beschädigt wurden ihm zufolge 18 Häuser, eine Schule, die litauische Botschaft und Infrastruktureinrichtungen in Kiew.

Bereits am Donnerstag standen Kiew und andere ukrainische Städte bei einem großangelegten Angriff im Visier Russlands. Landesweit kamen dabei ukrainischen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Auch die Stadt Lwiw (früher Lemberg) im Westen des Landes nahe der polnischen Grenze beklagte schwere Schäden.

Ein Flugobjekt war dabei auch in den Luftraum des Nato-Staats Polen eingedrungen und abgestürzt. Nach Angaben der polnischen Regierung handelte es sich um einen russischen Marschflugkörper.

Mit seinen massiven Luftangriffen versucht Moskau, die ohnehin stark beanspruchte ukrainische Flugabwehr weiter zu überlasten. Als wirksamstes Mittel gegen ballistische Raketen gelten Patriot-Abfangraketen, von denen Kiew eigenen Angaben zufolge derzeit nicht mehr genügend hat.

Am Freitag hatte sich US-Präsident Donald Trump zurückhaltend zu einer möglichen Vergabe einer Lizenz an die Ukraine zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen geäußert. Dies hatte er noch Anfang Juli am Rande des Nato-Gipfels in Ankara in Aussicht gestellt. Seit Februar 2022 wehrt sich die Ukraine mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion.

Auch die Ukraine griff wieder Ziele in Russland an. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, vier Drohnen seien zerstört worden. Über mögliche Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, in der Nacht 274 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim abgewehrt zu haben. Es bestätigte auch massive Angriffe auf Kiew und die Umgebung. Nach Darstellung Moskaus wurden Rüstungsfabriken angegriffen.

Das ukrainische Militär nimmt regelmäßig auch Ziele in Russland ins Visier, um den Krieg weiter in das Land des Angreifers zu tragen. Das Ausmaß der durch ukrainische Angriffe verursachten Schäden und die Zahl der Opfer sind aber nicht mit den von Russland angerichteten Zerstörungen in der Ukraine zu vergleichen.

Derweil erließ ein russisches Gericht in Abwesenheit Haftbefehl gegen die Oppositionelle Schanna Nemzowa, die Tochter des 2015 in Moskau ermordeten Kremlkritikers Boris Nemzow. Nemzowa sei als Mitglied in einer in Russland für unerwünscht erklärten deutschen Organisation zur Fahndung ausgeschrieben, teilte das Gericht in der russischen Hauptstadt mit. Es sei eine Untersuchungshaft für zwei Monate angeordnet worden für den Fall ihrer Festnahme und die Übergabe an die russischen Sicherheitsorgane.

Im April 2024 nahm das Justizministerium Moskau die von Nemzowa gegründete deutsche Boris-Nemzow-Stiftung für Freiheit in die Liste der ausländischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen auf, deren Tätigkeit auf dem Gebiet der Russischen Föderation als unerwünscht eingestuft wurde. Im Fall einer Verurteilung drohen ihr bis zu sechs Jahre Haft.

Nemzowa veröffentlichte bei Instagram ein Foto von sich vor der Zentrale der Deutschen Welle, dem Auslandssender der Bundesrepublik Deutschland. „Ich bin jetzt berühmt“, teilte sie mit. Sie sei gerade in Bonn angekommen, wo sie 2015 die Stiftung zur Erinnerung an ihren in Kremlnähe erschossenen Vater gründete. In einem Kommentar für die Deutsche Welle meinte sie, dass der russische Machtapparat seine Anstrengungen intensiviere, unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Offene Fragen

  • Wie werden die Partner auf Selenskyjs Appell reagieren?
  • Welche weiteren Ziele wurden in Russland angegriffen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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