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Deutsche Bank: Sewing liefert, doch Anleger bleiben skeptisch
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Handelsblatt·5/26/2026·🇩🇪Germany·Business

Deutsche Bank: Sewing liefert, doch Anleger bleiben skeptisch

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Für Vorstandschef Christian Sewing ist es eine Punktlandung: 10 Prozent Rendite mindestens hat er seinen Aktionären für das Geschäftsjahr 2025 versprochen, mit 10,3 Prozent ist ihm praktisch eine Punktlandung geglückt. „Wir haben geliefert und 2025 alle unsere Ziele erreicht oder übertroffen“, sagt er in der vorab veröffentlichten Rede zur Hauptversammlung. Die Anteilseigner sollen profitieren: Ein Euro Dividende je Aktie sind geplant, insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Höher waren die Ausschüttungen der Bank zuletzt im Jahr 2007.

Für die Deutsche Bank ist das Erreichte aber nicht mehr als ein Zwischenschritt: Zehn Prozent Rendite entsprach 2025 ziemlich genau dem Durchschnitt der großen europäischen Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) überwacht werden.

Die Spitzenliga verdient längst mehr. Die italienische Unicredit etwa erzielte 19,2 Prozent Rendite, die spanische Santander 16,3 Prozent und die niederländische ING 13,6 Prozent. In Teilen liegt das daran, dass Banken mit großem Kapitalmarktgeschäft mehr Eigenkapital benötigen, was Spitzenrenditen erschwert. Der Vorsprung von Wettbewerbern wie BNP Paribas und Barclays, die ebenfalls im Investmentbanking aktiv sind, ist mit 11,6 Prozent und 11,3 Prozent längst nicht mehr so groß.

Diese Lücke will das deutsche Geldinstitut schließen. Die Nachsteuerrendite soll bis 2028 auf mindestens 13 Prozent steigen. Für jeden verdienten Euro will die Bank dann weniger als 60 Cent ausgeben. Von den Entwicklungen im ersten Quartal fühlt sich die Bank in ihrem Optimismus bestärkt.

Analysten sind bisher weniger euphorisch: Sie trauen der Bank bis 2028 im Schnitt 11,8 Prozent Rendite zu und eine Cost-Income-Ratio von 61,5 Prozent. Vor allem die ehrgeizigen Ertragsziele halten viele Finanzprofis für gewagt: Sewing hat sich eine Steigerung um fünf Milliarden Euro bis 2028 vorgenommen, allein zwei Milliarden Euro davon will das Institut im schwierigen Heimatmarkt erzielen.

Als die Bank ihre Pläne im vergangenen November präsentierte, gab es noch keinen Irankrieg – aber umso mehr Hoffnung auf höhere Ausgaben für Europas Verteidigung und vor allem auf deutsche Investitionen in Rüstung und Infrastruktur sowie Reformen der Bundesregierung, die die Rezessionsjahre der deutschen Wirtschaft beenden könnten.

Die Zweifel daran sind gestiegen. „Die Deutschland-Prämie der Deutschen Bank ist spätestens seit dem Irankrieg verschwunden“, sagte Anke Reingen, Analystin der kanadischen Bank RBC Capital Markets.

Die Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment erinnert die Situation an das Jahr 2022, als die Bank ihre Ziele für das Geschäftsjahr 2025 bekannt gab: „Es ist wie ein Déjà-vu: Die Deutsche Bank legt Ziele vor, die ihr keiner zutraut. Und am Ende ist es der Bank doch geglückt“, sagte sie dem Handelsblatt. „Ich habe daraus gelernt: Mit Christian Sewing sollte man besser rechnen.“

1. Starker Fokus auf steigende Erträge

Mit Blick auf ihre Erträge hat die Deutsche Bank geliefert. Zwischen 2022 und 2025 sind die Einnahmen um fünf Milliarden Euro auf 32 Milliarden Euro gestiegen. Allein 2025 lag der Zuwachs bei fast sieben Prozent. In diesem Tempo soll es weiter gehen: Bis 2028 sollen weitere fünf Milliarden Euro dazu kommen, allein zwei Milliarden Euro aus dem deutschen Heimatmarkt.

„Die Ertragsmöglichkeiten einer Bank hängen immer davon ab, ob das Umfeld mitspielt“, sagt RBC-Analystin Anke Reingen. Eine Strategie, die mehr auf Kosteneinsparungen basiert, hätte sie aber „wahrscheinlich vorgezogen“. Denn der starke Ertragsfokus macht die Bank anfällig für geopolitische Risiken. Der Irankrieg hat der Aktie des Instituts stärker zugesetzt als anderen Geldhäusern. Die Bank betont, wie konservativ sie kalkuliert habe.

Doch das Misstrauen ist groß. Das zeigt sich auch daran, dass die Diskrepanz zwischen den Plänen der Bank und den Schätzungen der Analysten für das Firmenkundengeschäft besonders groß ist. Die Unternehmensbank würde von mehr Wachstum in Deutschland und Europa besonders profitieren und soll einen besonders großen Beitrag zum geplanten Wachstum beitragen.

Kritisch sehen viele Anleger auch das Engagement der Bank in gewerblichen US-Immobilienkrediten, für die das Institut gerade wieder die Risikovorsorge erhöhte. Auch das 26 Milliarden Euro schwere Engagement im Private-Credit-Markt sehen viele Anleger skeptisch, auch wenn die Bank betont hat, dass sie damit bislang kein Geld verloren hat.

Auf der Haben-Seite des Instituts ist der Bestand an Kundeneinlagen, den das Institut noch steigern will. Wie viele Banken legt sie einen Teil davon langfristig an, weil sich damit meist höhere Zinsen verdienen lassen. Jedes Jahr wird ein Teil davon fällig und wird erneut längerfristig angelegt. Aktuell laufen also Anlagen aus der Nullzinsphase aus, die nun höher verzinst angelegt werden.

Das kann den Zinsüberschuss auf absehbare Zeit stabilisieren. Allein 2025 stiegen die Zinsgewinne aus diesem Portfolio um 500 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro. Das trug dazu bei, dass der Zinsüberschuss 2025 um fast ein Viertel auf knapp 14 Milliarden Euro zulegte. 2026 steigen die Gewinne aus dem Portfolio absehbar um weitere 600 Millionen Euro.

2. Hartnäckiger Kostenblock

Kosten haben Unternehmen selbst in der Hand, auf Einnahmen kann man sich dagegen nicht verlassen. Das macht die Ertragswette der Deutschen Bank zu einem Risiko – zumal die Ausgabendisziplin lange ein Schwachpunkt war. Das hat sich gebessert: Im vergangenen Jahr sind die Kosten um rund zehn Prozent auf 20,7 Milliarden Euro gesunken. Allerdings war der Vorjahreswert auch wegen eines teuren Rechtsstreits nach oben verzerrt.

Die Kosten-Ertrags-Relation der Bank lag knapp unter 65 Prozent. Die Bank musste also knapp 65 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen. Ursprünglich hatte die Bank einmal eine Cost-Income-Ratio von 62,5 Prozent angepeilt, diesen Plan aber im vergangenen Jahr aufgegeben.

Bis 2028 hat sich das Institut nun „operative Effizienzen“ im Umfang von zwei Milliarden Euro vorgenommen; die Cost-Income-Ratio soll auf unter 60 Prozent fallen. Doch im laufenden Jahr werden die Kosten wohl erst einmal leicht steigen. Unter anderem liegt das an Investitionen: Bis 2028 will das Institut 1,5 Milliarden Euro investieren, davon 900 Millionen Euro 2026. Das Geld soll Neueinstellungen und Technologie finanzieren. Mittlerweile deutet Vorstandschef Sewing an, dass die rasenden Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz sogar zu deutlich größeren Einsparungen führen könnten als gedacht.

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Jahren Personal aufgebaut, einzige Ausnahme war die Privatkundensparte. Gesunken sind in erster Linie Sachkosten. In Teilen liegt das daran, dass die Bank extern Beschäftigte, die unter Sachkosten laufen, lieber direkt eingestellt hat. Doch die Bank heuert auch seit zwei Jahren verstärkt wieder Vertriebsmitarbeiter und Kundenbetreuer an. Im Firmenkundengeschäft gibt es „Zuwächse in allen Abteilungen“, gesucht werden auch Experten für Wealth Management und den Anleihe- und Währungshandel.

3. Das Handelsgeschäft bleibt wichtig

Der Handel mit Anleihen und Währungen spielt bei der Deutschen Bank nach wie vor eine zentrale Rolle. Zwar sind die Handelsgewinne im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 5,3 Milliarden Euro gesunken. Denn vom Boom bei Aktien und Rohstoffen profitiert das Geldhaus nicht, da es vor Jahren aus diesen Märkten ausgestiegen ist.

Dennoch trug das Handelsergebnis mit noch mehr als 16 Prozent zu den Gesamterträgen bei. Doch dieses Ergebnis schwankt von Jahr zu Jahr: Zwischen 2023 und 2024 war es um 20 Prozent gestiegen. Diese Volatilitäten sind der Grund dafür, dass das Geldhaus die Bedeutung stabilerer Einnahmequellen wie Zins- und Provisionsüberschüsse erhöhen will.

Das gilt auch für die Investmentbank selbst. Vorstand Fabrizio Campelli will die Bedeutung des Kapitalmarkt- und Beratungsgeschäfts stärken. 2023 übernahm er deshalb den britischen Broker Numis. Die Bedeutung des provisionsgetriebenen Kapitalmarktgeschäfts ist seit 2022 auch gestiegen, bislang allerdings nur von zehn Prozent auf 16 Prozent der Einnahmen der Investmentbank.

4. Gewinn ist nicht gleich Rendite

Die Investmentbank ist nach wie vor der größte Gewinnmotor der Deutschen Bank. Im vergangenen Jahr stand sie für 36 Prozent der Erträge und sogar für 41 Prozent des Vorsteuergewinns. Umso auffälliger ist der Blick auf die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital der einzelnen Geschäftsbereiche. Denn mit Blick auf die Rentabilität schneidet die Investmentbank bei Weitem nicht so eindrucksvoll ab. Mit rund 11 Prozent liegt die Sparte nur knapp vor der Privatkundenbank.

Das liegt daran, dass zur Investmentbank neben kapitalsparsamen Aktivitäten wie Aktien- und Anleiheplatzierungen oder M&A-Beratung auch riskantere Geschäfte zählen wie etwa Handelsgeschäfte sowie bestimmte Finanzierungen, etwa für Private-Equity-Firmen oder deren Portfoliofirmen. Für solche Geschäfte müssen Banken mehr Eigenkapital vorhalten, was die Rendite bremst.

Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment hält das Investmentbanking dennoch für wichtig: „Natürlich sind die Kapitalkosten für die Investmentbank höher. Das ist der Preis für das Geschäftsmodell einer echten globalen Hausbank“, sagt Annecke. „Viele Unternehmenskunden nehmen auch Services der Investmentbank in Anspruch.“

5. Aufseher fordern hohe Kapitalpuffer

Die Bücher der Deutschen Bank bergen aus Sicht der Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr Risiken als die Bilanzen vieler anderer Banken. Das zeigt die Liste individueller Kapitalpuffer, die die EZB für Europas Großbanken festlegt.

Neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Eigenkapital legen die EZB-Aufseher für jedes Institut einen individuellen Extra-Kapitalpuffer fest. Von der Deutschen Bank verlangt die EZB 2,85 Prozentpunkte zusätzlich. Das ist Rang 12 von 110. Die Höhe der Extrapuffer ist relevant, weil europäische Banken Dividenden und Aktienrückkäufe nur aus Kapital finanzieren dürfen, die über Mindestkapital und Extrapuffer hinausgehen.

Für viele Wettbewerber liegt diese Latte niedriger: Die Commerzbank muss 2,15 Prozentpunkte extra vorhalten, bei Unicredit sind es zwei Prozent, bei BNP Paribas, Santander und ING um die 1,7 Prozent. Je höher die EZB-Extrapuffer, desto kleiner ist der Spielraum für Ausschüttungen.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank will von diesem Geschäftsjahr an 60 Prozent ihres Nettogewinns in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden ausschütten. Unicredit hat angekündigt, den Anteilseignern 80 Prozent ihres Reingewinns auszuzahlen.

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6. Das Urteil der Investoren: Im Bewertungskeller

Verglichen mit anderen großen europäischen Banken wird die Deutsche Bank an der Börse relativ schwach bewertet. Ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis, bei dem der Börsenwert ins Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt wird, liegt bei 0,76. Das bedeutet, an der Börse wird die Bank nur mit 76 Prozent ihres Eigenkapitals bewertet.

Das ist natürlich besser als im Jahr 2019, als das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 0,26 lag. Doch Konkurrenten wie Unicredit, ING, Commerzbank oder Santander liegen bei Werten größer als 1,0. Was auffällt: In der Investorengunst liegen die Banken vorn, deren Ertragsmix vom klassischen Bankgeschäft dominiert wird. Institute mit starkem Kapitalmarkt- und Investmentbanking-Geschäft liegen weiter hinten in der Liste.

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This article was originally published by Handelsblatt.

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