DFB-Team: Havertz sieht keinen Konkurrenzkampf im Sturm
Der erste vom Jetlag geprägte Morgen in den USA begann mit einem frühen Spaziergang. Manuel Neuer und Jonas Urbig schlenderten am Mittwoch vom Hotel Waldorf Astoria in Chicago zur Promenade am Lake Michigan. Bei Sonnenschein genossen die Torhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den Blick auf die Skyline der Metropole und auf das Wasser. Urbig ist als „Trainingstorhüter“ dabei, gehört nicht zum offiziellen WM-Kader.
Am Vormittag stand das erste Training auf dem Gelände des MLS-Klubs Chicago Fire an – der zuletzt an der Wade verletzte Neuer war dabei, wie auch Kai Havertz. Der Stürmer des FC Arsenal war nach dem verlorenen Finale in der Champions League gegen Paris St. Germain am vergangenen Wochenende in die USA geflogen und ist Dienstagabend angekommen. Am Samstag (20.30 Uhr, RTL und Liveticker auf WELT) tritt er mit der Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann in Chicago im letzten Test vor Beginn der WM am 11. Juni gegen die USA an.
„Wir gehen das Spiel an wie ein WM-Spiel“, sagte Havertz Mittwochmittag auf einer digitalen Pressekonferenz, an der WELT teilnahm.
Havertz ist unter Nagelsmann wohl Stürmer Nummer eins. Allerdings überzeugte sein Sturmkollege Deniz Undav vom VfB Stuttgart zuletzt. Fürchtet er Undav? Wie sieht er den Konkurrenzkampf im Sturm? „Wir haben viele Optionen. Keiner fürchtet hier jemanden. Wir müssen als Mannschaft funktionieren. Da braucht jeder jeden. Man hat lieber mehr gute Spieler in der Mannschaft als zu wenige“, antwortete Havertz. Im Turnierverlauf benötige man Vielseitigkeit, während eines Turniers könne sich manches ändern.
Undav habe eine überragende Saison gespielt. „Seine Statistik spricht für ihn. Er ist ein wichtiger Bestandteil bei uns. Dass er auch in der Nationalmannschaft wichtig ist, das wissen wir, das wisst ihr. Jeder wird seine Zeit bekommen“, betonte Havertz.
Die Stimmung in der Mannschaft sei gut. Er und seine Sturmkollegen Undav und Nick Woltemade von Newcastle United seien Spieler, „die gern den Ball am Fuß haben, die der Mannschaft helfen wollen, in den Strafraum zu kommen. Deniz hat einen Riecher in der Box, er hat viele Tore gemacht. Nick hat das auch, er bringt die Größe und Ausstrahlung im Strafraum mit. Ich bin ein Zwischending. Es sind unterschiedliche Profile, aber wir haben alle dasselbe Ziel. Es wird kein großes Drama geben.“
Über seine Stürmer-Rolle sagte Havertz zudem: „Generell glaube ich, ist bekannt, dass ich vielseitig bin. Ich spiele bei Arsenal unterschiedliche Rollen. Auch beim DFB hatte ich in meinen sechs, sieben Jahren nicht nur eine Position, hab da vielseitig agiert. Auf den offensiven Positionen fühle ich mich am meisten wohl. Ich glaube, es ist auch gegnerabhängig, was wir in der Mannschaft brauchen.“
Der Angreifer wäre bereit, bei der WM der Elfmeterschütze Nummer eins der Nationalmannschaft zu sein. Bundestrainer Nagelsmann habe zwar noch „keine Hierarchie“ festgelegt, „aber ich war in den vergangenen Jahren immer der Elfmeterschütze“. Es gebe in der Mannschaft einige Spieler, die gut Elfmeter schießen, so Havertz.
Den Test gegen die USA sehen er und seine Kollegen als eine Art Simulation der WM-Verhältnisse. „Die USA sind ein Topteam. Sie wollen ihren Fans zeigen, dass sie da sind. Es wird ein guter Test sein, auch um die Plätze und die Atmosphäre kennenzulernen. Und die anderen Zeiten.“
Was Havertz meint: Anpfiff ist um 13.30 Uhr, das erste Gruppenspiel der Deutschen gegen Curaçao am 14. Juni in Houston beginnt um 12 Uhr mittags.
Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit Dienstagabend sind sie für die Redaktion in Chicago und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.


