Potsdam verbietet Smartglasses in Schwimmbädern und Saunen
Die Nutzerinnen und Nutzer von Schwimmbädern und Saunen der Brandenburger Landeshauptstadt sollen besser vor unerwünschten Foto- und Filmaufnahmen geschützt werden.
Nach Angaben der Stadt stimmten die Stadtverordneten für ein Verbot von Smartglasses mit Kameras und Mikrofonen in den Bädern der Stadt. Das Verbot soll explizit in die Haus- und Badeordnung der Bäderlandschaft Potsdam aufgenommen werden, der Beschluss muss noch umgesetzt werden.
»Diese Geräte ermöglichen das unauffällige Anfertigen von Bild- und Videoaufnahmen, ohne dass betroffene Personen dies unmittelbar erkennen können«, heißt es im Antrag der Fraktion Grüne/Volt. »Derzeit werden Aufnahmen zunehmend in sozialen Medien veröffentlicht, ohne dass die Betroffenen davon wissen.«
Die Brillen sind oft kaum als smart zu erkennen
Badegäste in Badebekleidung hätten ein berechtigtes Interesse an einem unbeobachteten Aufenthalt und müssten vor der missbräuchlichen Nutzung von Smartglasses geschützt werden. Das Personal soll geschult werden, um die Brillen zu erkennen. Auf den ersten Blick ist das oft nicht möglich. Millionenfach verkaufte Modelle, wie die von Facebooks Mutterkonzern Meta, sind kaum von herkömmlichen Brillen zu unterscheiden. Die in Kooperation mit Brillenmarken wie Ray-Ban und Oakley produzierten Geräte basieren auf ähnlichen Designs wie andere seit Jahren verbreitete, herkömmliche Brillen ohne Aufnahmefunktionen.
Immer wieder gibt es Berichte über Fälle wie den einer jungen Frau in Hamburg, die beim Sonnenbaden an der Alster heimlich gefilmt wurde . Wenn die Clips ins Netz gestellt werden, haben sie teils Millionen Aufrufe. Verbreitet werden die Aufnahmen häufig unter dem Schlagwort »rizz«. Der Begriff stammt ursprünglich von einem umstrittenen US-Streamer und ist von dem englischen Wort »charisma« abgeleitet. Im Jugendslang wird das Wort fürs Anbaggern oder vermeintliche Flirtfähigkeiten genutzt. Allein auf Instagram finden sich mehr als 940.000 Videos mit einem entsprechenden Hashtag. Nicht alle zeigen problematische oder übergriffige Situationen, manche scheinen auch abgesprochen zu sein.
Doch viele der »Rizz«-Videos im Netz folgen ähnlichen Plots: Männer sprechen Frauen mit plumpen Flirtversuchen an – an Orten wie in Bars, am Strand, im Schwimmbad oder im Park. Die Videos von den kurzen Dialogen landen später auf den Kanälen der Männer. Das Phänomen ist mittlerweile so groß, dass für diese Art von Influencer im Netz der Begriff »Rizzfluencer« entstanden ist.



