Iranische Zeitung setzt Merz und Trump auf "Vergeltungsliste"
L'essentiel
- Eine iranische Zeitung veröffentlicht eine "Vergeltungsliste" mit westlichen Politikern, darunter Kanzler Merz und US-Präsident Trump.
- Sicherheitsexperten warnen vor Anschlägen und Aktivitäten iranischer Netzwerke in Deutschland und fordern Konsequenzen.
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Eine iranische Zeitung veröffentlichte eine "Vergeltungsliste" mit westlichen Politikern, darunter Bundeskanzler Merz und US-Präsident Trump, die für den Tod des früheren geistlichen Führers Ali Chamenei "bezahlen" sollen. Sicherheitspolitiker sehen darin eine neue Qualität der Bedrohung.
Eine iranische Zeitung setzt Kanzler Merz und weitere westliche Politiker auf eine „Vergeltungsliste“. Sicherheitspolitiker sehen eine neue Qualität der Bedrohung und fordern Konsequenzen. Dietmar Neuerer 13.07.2026 - 04:02 Uhr Artikel anhören
Friedrich Merz: Eine iranische Zeitung setzte den Kanzler auf eine „Vergeltungsliste“- Foto: Christoph Soeder/dpa
Berlin. Nach der Veröffentlichung einer iranischen „Vergeltungsliste“ mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnen Sicherheitspolitiker von Union, SPD und Grünen vor Anschlägen und Aktivitäten iranischer Netzwerke in Deutschland.
Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter geht davon aus, dass Teheran bereits gezielte Tötungen und Terroranschläge im Westen plane. Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz hält das Risiko von Vergeltungsaktionen über Stellvertreter in Deutschland für „äußerst real“. Auch die SPD sieht eine verschärfte Bedrohungslage.
„Die abstrakte Gefährdung durch das iranische Regime ist hierzulande nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau“, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, dem Handelsblatt. Die aktuellen Vorgänge verstärkten diese Bewertung noch einmal. Im Fokus der Warnungen stehen iranische Nachrichtendienste, Hisbollah-nahe Strukturen und andere mögliche Stellvertreter des Regimes.
Kiesewetter sagte dem Handelsblatt: „Ich gehe davon aus, dass das Terrorregime bereits seit geraumer Zeit gezielte Tötungen und Terroranschläge im Westen und auch in Deutschland plant und vorbereitet.“ Die Sicherheitslage im Westen habe sich verschärft, weil der Iran unter dem Mullah-Regime ein „Terrorstaat“ sei.
„Das Mullah-Regime versucht sich durch radikale Ideologie und durch Terror nach innen und außen zu stabilisieren“, sagte Kiesewetter. Bereits seit 2025 müsse von der Gefahr gezielter terroristischer Anschläge als Rache für Luftangriffe auf iranische Atomanlagen ausgegangen werden.
Eine auflagenstarke iranische Tageszeitung hatte Merz zusammen mit US-Präsident Donald Trump und weiteren westlichen Spitzenpolitikern auf eine Liste von Menschen gesetzt, die für den Tod des früheren geistlichen Führers Ali Chamenei „bezahlen“ sollen. Die der Teheraner Stadtverwaltung gehörende ultrakonservative Zeitung „Hamshahri“ veröffentlichte im Internet ein Schaubild mit Fotos von 13 Politikern.
Neben Merz und Trump sind darauf unter anderem Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu sehen. Die Porträts von Trump und Netanjahu sind mit Fadenkreuzen versehen.
Grünen-Politiker: Todesliste nicht ohne Billigung des Mullah-Regimes
Kiesewetter wertete die Veröffentlichung als gezielten Einschüchterungsversuch. „Mit der Veröffentlichung des Schaubilds in der iranischen Zeitung will das Mullah-Regime einschüchtern und verunsichern, wohl auch, um damit die Außenpolitik in Deutschland und Europa zu beeinflussen“, sagte der CDU-Politiker.
Das Risiko sei groß, „dass iranische Dienste und ihre Netzwerke auch in Deutschland Anschläge verüben“. Dies sei nicht allein als mögliche Racheaktion zu verstehen, sondern entspreche dem Vorgehen des iranischen Regimes in den vergangenen Jahren. Kiesewetter verwies auf Anschläge gegen jüdische und israelische Einrichtungen sowie auf die Bedrohung und Repression von Exil-Iranern.
Das Agieren der iranischen Staatsführung ist eine sehr ernste Bedrohung für unseren Staat Konstantin von NotzGrünen-Fraktionsvize
Teheran greife dabei auch auf verbündete Strukturen zurück. „Das Regime nutzt Hisbollah-nahe oder andere schiitisch-extremistische Netzwerke“, sagte Kiesewetter. In Deutschland werde von mehr als 2000 Personen in der Hisbollah und Hisbollah-nahen Vereinen ausgegangen.
Auch von Notz warnte davor, die Veröffentlichung als bloße Provokation einer Zeitung abzutun. „Eine solche Listung durch eine iranische Zeitung geschieht mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht ohne Billigung oder gar im direkten Auftrag des Mullah-Regimes“, sagte der Grünen-Politiker dem Handelsblatt. Dass Merz als Kanzler und Repräsentant der Bundesrepublik derart bedroht werde, sei „vollkommen inakzeptabel“. Die Morddrohungen stellten eine neue Qualität gegenüber anderen Staaten dar.
Iran-Konflikt
Sicherheitsbehörden sehen verschärfte Bedrohungslage in Europa durch proiranische Terrorgruppe
Eine unmittelbar neue Gefährdung für den ohnehin „extrem gut geschützten Kanzler“ ergebe sich durch die Liste zunächst zwar nicht. Das Agieren der iranischen Staatsführung sei aber seit Monaten „eine sehr ernste Bedrohung für unseren Staat, seine Institutionen, Jüdinnen und Juden und israelische Staatsbürger sowie israelische, aber auch US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland“, sagte von Notz.
SPD-Politiker sieht Sicherheitsbehörden vor großer Herausforderung
Der Grünen-Politiker verwies auch auf die Lage von Oppositionellen, die vor dem Regime nach Deutschland geflohen sind. Im Exil lebende Iraner würden immer wieder gezielt bedroht und eingeschüchtert. Die Aktivitäten Teherans richteten sich damit gegen unterschiedliche Ziele und reichten von Spionage und Einschüchterung bis zur Vorbereitung möglicher Gewaltaktionen.
Besonders groß sei die Gefahr, dass Teheran für mögliche Vergeltungsaktionen Unterstützer in Deutschland einspanne. „Das Risiko, dass die iranischen Nachrichtendienste bei möglichen Vergeltungsaktionen auf Proxys oder andere dem iranischen Regime nahestehende Strukturen in Deutschland zurückgreifen könnten, ist äußerst real“, sagte von Notz. Insbesondere Hisbollah-nahe Strukturen müssten stärker in den Blick genommen werden.
Sebastian Fiedler: „Deutschland darf kein Operationsraum für staatlichen Terror sein.“ Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Auch Fiedler warnte vor möglichen Stellvertreterstrukturen des iranischen Regimes. Dass Teheran vorrangig auf sogenannte Proxys zurückgreife, sei „geradezu typisch“. „Hierdurch versucht der Iran, die eigene Verantwortlichkeit zu verschleiern.“
Als mögliche Akteure nannte der SPD-Politiker ideologisch verbundene extremistische Strukturen, kriminelle Netzwerke und bezahlte Gewalttäter. Auch über das Internet angeworbene Personen kämen infrage. „Die angeworbenen Personen kennen dabei häufig ihre konkreten Auftraggeber und die Hintergründe nicht“, sagte Fiedler. „Entsprechend groß ist die Herausforderung für unsere Sicherheitsbehörden.“
CDU-Politiker: Iranische Diplomaten ausweisen
Fiedler sieht neben möglichen Gefahren für staatliche Repräsentanten auch Risiken für jüdische und israelische Einrichtungen, diplomatische und militärische Vertretungen der USA und Israels sowie iranische Oppositionelle, Menschenrechtsaktivisten und Medienvertreter. Die aktuelle Lage sei geeignet, „extremistische Milieus zu emotionalisieren und Einzeltäter zu mobilisieren“.
Konstantin von Notz: „Echte Schutzmaßnahmen dringend notwendig.“ Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Sicherheitspolitiker forderten ein schärferes Vorgehen gegen iranische Netzwerke. Die entsprechenden Strukturen müssten „noch stärker“ beobachtet werden, sagte von Notz. Dabei gehe es auch um Vereins- und Betätigungsverbote. Die Bedrohung mache „echte Schutzmaßnahmen, sowohl für Menschen wie auch für Einrichtungen, dringend notwendig“. Die Bundesregierung sei wiederholt aufgefordert worden, sich bei der Gefahrenabwehr eng mit den Ländern abzustimmen.
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Kiesewetter kritisierte zugleich die bisherige deutsche Iran-Politik. „Umso unverständlicher ist es, dass wir iranische ‚Diplomaten‘ nicht längst ausgewiesen haben, sondern eher auf Appeasement setzen“, sagte er. Daher sei es wichtig, „dass unsere Sicherheitsbehörden diese Netzwerke aufklären und gegen die Mitglieder und die Strukturen vorgehen“.
Fiedler verwies auf die geplante Reform der deutschen Nachrichtendienste. „Deutschland darf kein Operationsraum für staatlichen Terror, transnationale Repression oder Einschüchterungsversuche sein“, sagte der SPD-Politiker. Die Bedrohung durch ausländische Akteure sei einer der Gründe, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz neue rechtliche Grundlagen zu geben.
Mehr: Bekommt der Bundesnachrichtendienst eine Lizenz zum Töten?
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À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Gezielte Tötungen und Terroranschläge im Westen und Deutschland durch iranische Akteure.
Probable · Moyen terme
Verstärkte Beobachtung und mögliche Verbote von iranischen Netzwerken und Vereinen in Deutschland.
Probable · Court terme
Questions ouvertes
- Welche konkreten Maßnahmen werden gegen iranische Netzwerke ergriffen?
- Wie wird die Bundesregierung auf die Bedrohung reagieren?
- Welche Rolle spielen Stellvertreterstrukturen bei möglichen Anschlägen?


