Aktien, Anleihen, Gold: Bessere Aussichten: Strategen erwarten langfristig höhere Erträge für viele Anlagen
US-Vermögensverwalter erwartet trotz geopolitischer Unsicherheiten ein wieder höheres nominales Wachstum und attraktive Renditechancen.
Quick Look
- JP Morgan Asset Management prognostiziert in seiner LTCMA-Studie für die nächsten 10-15 Jahre ein höheres Wirtschaftswachstum.
- Trotz Risiken wie Inflation und Staatsverschuldung werden für Aktien und Anleihen solide Renditen erwartet; Bitcoin bleibt hochspekulativ.
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Why It Matters
JP Morgan Asset Management veröffentlicht seit über 30 Jahren die 'Long-Term Capital Market Assumptions' (LTCMA) zur strategischen Portfolioallokation.
Experten des US-Anbieters JP Morgan Asset Management sind überzeugt, dass Investoren viel Geld an den Kapitalmärkten verdienen können. Nur von einer ganz bestimmten Anlage halten sie wenig.
Der US-Vermögensverwalter JP Morgan Asset Management prognostiziert dank hoher Investitionen langfristig ein wieder höheres nominales Wachstum für Industrienationen.
Für Anleger bedeutet das wieder höhere Renditen auf längere Sicht: Für ein Portfolio mit sechzig Prozent globalen Aktien und vierzig Prozent Staatsanleihen erwarten die US-Experten in Euro gerechnet langfristig gut sechs Prozent Rendite im Jahr.
US-Aktien dürften demnach über zehn bis 15 Jahre hinweg im Schnitt weniger Rendite einbringen als Aktien aus dem Euro-Raum.
Kryptowährungen halten die Experten trotz möglicher hoher Renditen für eine (zu) spekulative Anlage.
Frankfurt. Der Nahostkonflikt und der Krieg in der Ukraine halten an. Ölpreise, Inflation und Kapitalmarktzinsen steigen, die Staaten verschulden sich immer stärker. Zudem treibt Investoren die Frage um, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Welt verändert und ob sich die enormen Investitionen in die neue Technologie lohnen. George Gatch, Chef des US-Vermögensverwalters JP Morgan Asset Management, meint: „Die Zukunft ist so unklar wie nie zuvor.“
Dennoch wagen mehr als 90 Portfoliomanager, Ökonomen und Strategen der Asset-Management-Sparte der US-Großbank JP Morgan eine langfristige Prognose. In einer Studie schätzen sie, wie sich verschiedene Anlageklassen in verschiedenen Regionen in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln werden.
Die Studie mit dem Namen „Long-Term Capital Market Assumptions“ (LTCMA) erstellt der Vermögensverwalter seit mehr als 30 Jahren. Er nutzt sie auch selbst, um in der strategischen Vermögensallokation die Schwerpunkte in den Portfolios leicht zu verschieben.
Die langfristigen Prognosen fallen überraschend positiv aus: Die Aussichten für viele Anlagen haben sich deutlich verbessert.
Am Beispiel eines klassischen Portfolios zeigt sich das deutlich: Anlegerinnen und Anleger, die Ende September 60 Prozent ihres Geldes in globale Aktien und 40 Prozent in globale Staatsanleihen investieren, können der Studie zufolge in Euro mit einem durchschnittlichen Ertrag von 6,2 Prozent pro Jahr rechnen. Das ist fast ein ganzer Prozentpunkt mehr, als die Strategen in ihrem Langfristausblick vor einem Jahr prognostizierten.
Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan Asset Management in Frankfurt, erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, warum sich die Perspektiven für die Märkte aufgehellt haben: „Die Grundlage ist ein langfristig positiver Ausblick für Wachstum und Produktivität.“
Der Studie zufolge erwarten die Experten für die großen Industrienationen in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein nominales Wirtschaftswachstum von im Schnitt 4,2 Prozent im Jahr. Zuvor waren es 4,0 Prozent. Galler sagt: „Das ist der beste Wirtschaftsausblick seit anderthalb Jahrzehnten.“
Investitionen treiben die Wirtschaft
Getrieben wird das Wachstum vor allem von Investitionen. Die Experten rechnen in den nächsten zehn bis 15 Jahren mit Investitionen von insgesamt 15 Billionen Dollar.
Dabei geht es sowohl um Ausgaben von Unternehmen rund um KI als auch um staatliche Ausgaben für Sicherheit, Verteidigung und Infrastruktur. „Zunächst entstehen entsprechende Kapazitäten in allen Bereichen, danach fließt viel Geld in Instandhaltung und Modernisierung“, erklärt Galler.
Davon dürften auch die Unternehmen profitieren: Sie verdienen mehr und verbessern ihre Gewinnmargen – auch durch den Einsatz von KI. Deshalb dürften die Erträge an den Aktienmärkten langfristig weiter steigen. Galler sagt dazu: „Am Ende kommt es bei Aktien immer auf die Ertragskraft der Unternehmen an.“
Zwischenzeitlich rechnen die Experten mit Krisen
Der Weg zu den steigenden Erträgen der Unternehmen und der Aktienmärkte dürfte allerdings nicht geradlinig verlaufen. Zwischenzeitlich werden Rückschläge erwartet. Als mögliche Auslöser dafür nennt die LTCMA-Studie Enttäuschungen bei den hohen Erwartungen an die positiven Folgen der KI, die steigende Verschuldung oder eine zunehmende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der politischen Lage.
Wegen dieser Risiken erwarten die Experten stärkere Schwankungen an den Kapitalmärkten. „Die Risiken werden aber in den Prognosen berücksichtigt und ändern unsere Renditeprognosen nicht“, sagt Stratege Galler. Zudem zeige die Erfahrung: „Rückschläge an den Märkten werden auf kurze oder zumindest mittlere Sicht auch wieder aufgeholt.“
Aussichten für US-Aktien haben sich deutlich verbessert
Trotz der erwarteten Ertrags- und Kursschwankungen und Risiken haben sich bei Aktien vor allem die Aussichten für den Leitindex S&P 500 verbessert. Anleger können demnach in den nächsten zehn bis 15 Jahren in Euro gerechnet mit Anlagen im US-Leitindex über Kursgewinne und reinvestierte Dividenden im Schnitt sieben Prozent pro Jahr verdienen. Das wären 0,9 Prozentpunkte mehr als beim Einstieg vor gut einem Jahr.
Das liegt nach Einschätzung von Galler vor allem „am starken Umsatzwachstum der Unternehmen und daran, dass viele Konzerne in den USA mit ihrer starken Wettbewerbsposition höhere Margen durchsetzen können als Unternehmen in anderen Ländern“. Für Anleger in den USA wird beim S&P 500 sogar ein durchschnittlicher Ertrag von 7,5 Prozent erwartet. Für Anleger im Euro-Raum dürfte dagegen die erwartete leichte Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro an den Erträgen zehren.
Auch die Aussichten für den Euro-Aktienmarkt haben sich erneut verbessert. Mit Anlagen in den MSCI-Index für Standardwerte aus dem Euro-Raum werden Anleger laut der Studie in den nächsten zehn bis 15 Jahren durchschnittlich 7,6 Prozent jährlich verdienen. Für Anleger im Dollar-Raum sind es wegen der Wechselkursgewinne sogar 8,1 Prozent.
Nach Erwartung von JP Morgan Asset Management sind die Aussichten für Aktien aus dem Euro-Raum damit erneut besser als für US-Aktien. Die Hauptgründe: Europäische Unternehmen schütten mehr Dividenden aus und sind niedriger bewertet als US-unternehmen.
Die höchsten Erwartungen haben die Portfoliomanager, Volkswirte und Strategen für japanische Aktien: Euro-Anleger können mit Erträgen von 8,6 Prozent rechnen. Das liegt vor allem am Währungseffekt. „Der Yen ist eine der am stärksten unterbewerteten Währungen“, sagt Galler dazu.
Zurückhaltender fallen die Erwartungen für Schwellenländer aus. In Euro gerechnet liegen die Erträge im Schnitt bei 6,6 Prozent pro Jahr. Damit haben sie sich um mehr als einen halben Prozentpunkt verschlechtert.
Das liegt daran, dass sie nach der Rally der vergangenen beiden Jahre besonders hoch bewertet sind. Grund dafür ist vor allem der rasante Kursanstieg der Halbleiterhersteller Taiwan Semiconductors, Samsung Electronics und SK Hynix. Sie haben im Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets inzwischen ein Gewicht von fast 30 Prozent.
Anleihe-Ausblick ist so gut wie zuletzt vor 20 Jahren
Für Anleihen von Staaten und Unternehmen sind die Aussichten laut der Studie so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr. Ein Grund dafür ist die Ausgangslage. Die Renditen sind in diesem Jahr erneut gestiegen und haben teils den höchsten Stand seit über anderthalb Jahrzehnten erreicht.
Doch auch bei den Aussichten für Anleihen gibt es Unterschiede: Für auf Euro lautende Staatsanleihen rechnen die Strategen über die nächsten zehn bis 15 Jahre mit Erträgen von im Schnitt 4,2 Prozent pro Jahr, bei Anleihen aus den Schwellenländern und bei Anleihen von Unternehmen – besonders aus den USA – sind es deutlich mehr.
Insgesamt gehen die Experten davon aus, dass die Renditen an den Anleihemärkten hoch bleiben werden. Das liegt unter anderem an einer steigenden Inflation, die mit dem Wirtschaftswachstum einhergeht. Im Euro-Raum sollte die Inflationsrate langfristig im Schnitt bei 2,2 Prozent liegen, in den USA bei 2,4 Prozent.
Die steigende Verschuldung von Staaten und Unternehmen verschärft zudem den Wettbewerb um Kapital. Das dürfte die Anleiherenditen nach Meinung von JP Morgan Asset Management hochhalten und zwischenzeitlich womöglich noch steigen lassen. Langfristig dürften die Anleihekurse jedoch wieder etwas zulegen. Damit würden dann die Renditen für Einsteiger sinken.
Bei Gold rechnen die Experten mit fünf Prozent Ertrag im Jahr
Fernab der genannten klassischen Investments, bei sogenannten alternativen Anlagen, haben sich die Prognosen teils gegensätzlich geändert. Bei Gold rechnen die Experten mit einem langfristig kaum veränderten jährlichen Ertrag durch Preissteigerungen von fünf Prozent.
Nach Aussage von Galler eignet sich Gold gerade mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung und höhere Inflationsraten als Absicherung. Zudem entwickle sich der Goldpreis weitgehend unabhängig vom Thema KI.
Stark verbessert haben sich bei den alternativen Anlagen die Aussichten für Hedgefonds. Hier rechnen die Experten mit einem langfristigen Ertrag von im Schnitt 6,6 Prozent pro Jahr. Die Erwartungen sind um mehr als anderthalb Prozentpunkte gestiegen. Dabei bieten unter anderem die gestiegenen Zinsen den Hedgefonds zusätzliches Potenzial.
Die Mechanik dahinter: Hedgefonds setzen häufig über sogenannte Leerverkäufe auf fallende Kurse. Dafür leihen sie sich Aktien und verkaufen diese sofort in der Hoffnung, sie vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen zu können. Das aus dem Verkauf erhaltene Geld können sie bei gestiegenen Zinsen bis zum Rückkauf lukrativer als zuvor anlegen.
Erstmals geben die Experten Prognosen für den Bitcoin ab
Zu den alternativen Anlagen zählen auch Kryptowährungen wie der Bitcoin. Wegen der großen Nachfrage aus dem Privatkundengeschäft gibt es in den LTCMA dazu jetzt erstmals eine Prognose.
Demnach dürften sich mit Anlagen in den Bitcoin über die nächsten zehn bis 15 Jahre gegenüber dem Dollar im Schnitt zehn Prozent pro Jahr verdienen lassen. Die Schwankungen sind mit im Schnitt 55 Prozent pro Jahr allerdings sehr hoch.
Diese Prognose steht indes unter Vorbehalt. Gut möglich sei demnach auch, dass ein Investment in den Bitcoin langfristig einen Verlust von im Schnitt über elf Prozent bringe – oder auch einen Gewinn von mehr als 16 Prozent.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Nominales Wirtschaftswachstum in Industrienationen von 4,2 Prozent jährlich.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie stark beeinflussen KI-Enttäuschungen kurzfristig die Märkte?
- Wie entwickelt sich die Staatsverschuldung langfristig?







