
Der Frankfurter Börsenbetreiber reagiert mit einem neuen Angebot über die Tochter 360X auf Trends in den USA und bietet Dax-Aktien nun 24/7 an.
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Die Deutsche Börse reagiert auf internationale Trends aus den USA, wo der Handel außerhalb regulärer Zeiten stark an Bedeutung gewinnt.
Der Frankfurter Börsenbetreiber reagiert mit seinem Vorstoß auf einen Trend in den USA. Falls es genug Nachfrage gibt, ist auch eine Ausweitung des Angebots denkbar.
Die Deutsche Börse ermöglicht den Handel mit Dax-Aktien außerhalb der regulären Zeiten über ihre Tochter 360X mit einem Preisabfrageverfahren.
Die Berechnung des Dax-Index bleibt auf die reguläre Handelszeit von 9 bis 17.30 Uhr beschränkt, auch mit dem neuen Angebot.
In den USA starten ab Dezember fünf offizielle Börsen den sogenannten 24/5-Handel.
Die Deutsche Börse prüft eine Ausweitung des 24/7-Angebots auf börsengehandelte Indexfonds (ETFs), wenn genügend Nachfrage besteht.
Frankfurt/New York. Die Deutsche Börse bietet ab sofort den Handel mit Dax-Aktien sieben Tage die Woche rund um die Uhr an. Damit sei das Unternehmen „die erste europäische Finanzmarktinfrastruktur, die ein 24/7-Angebot für klassische Blue-Chips ermöglicht“, sagte Deutsche-Börse-Manager Eric Leupold am Dienstag.
Außerhalb der regulären Börsenzeiten sowie am Wochenende sind Dax-Aktien ab sofort über die Deutsche-Börse-Tochter 360X handelbar. Kunden können bei den dort aktiven Händlern (Market Maker) in den Nachtstunden sowie am Wochenende einen Preis anfragen, wenn sie eine Dax-Aktie handeln wollen (Request for Quote, kurz RfQ).
Anders als im elektronischen Handelssystem Xetra findet also kein fortlaufender Handel statt, bei dem Kauf- und Verkaufsaufträge aller Teilnehmer zusammenlaufen. Auch der deutsche Leitindex Dax wird weiterhin nur zwischen der Kernhandelszeit von 9 bis 17.30 Uhr berechnet.
Privatkunden können über viele Banken und Broker schon heute Aktien rund um die Uhr handeln. Außerhalb der Börsenzeiten nehmen Banken solche Geschäfte oft auf das eigene Buch. Alternativ können sie die Geschäfte über andere Plattformen wie OTC Markets abwickeln.
Dies ist nun auch über die Deutsche Börse möglich. Das Unternehmen will so dazu beitragen, dass die Liquidität im Handel außerhalb der Kernhandelszeiten zunimmt. Falls dies gelingt, könnte es für Kunden tendenziell etwas bessere Kauf- und Verkaufspreise geben.
„Indem wir die DAX-40-Titel auf 360X handelbar machen, verbinden wir tiefe, regulierte Liquiditätspools auf sichere Weise mit der Flexibilität einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit“, sagte Deutsche-Börse-Manager Carlo Kölzer. „So können unsere Kunden Risiken managen, wann immer sich die globalen Märkte bewegen“, ergänzte er.
Die Deutsche Börse reagiert mit dem neuen Angebot auf eine Entwicklung in den USA, wo Anleger schon länger außerhalb der offiziellen Börsenzeiten Wertpapiere handeln können. Beim Börsenbetreiber in Hessen gehen viele davon aus, dass dieser Trend früher oder später auch auf Europa übergreifen wird.
Ein Grund dafür ist, dass viele Kryptoanleger, die den Handel rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche, genannt „24/7“, gewohnt sind, seit einiger Zeit auch verstärkt in klassische Wertpapiere investieren. Zudem hat der Aufstieg von Neobanken wie Trade Republic oder Revolut dazu geführt, dass mehr Kunden in Wertpapiere investieren – auch außerhalb der Kernbörsenzeiten.
Die Deutsche Börse hat deshalb bereits im Dezember 2025 erweiterte Handelszeiten für Privatanleger auf Xetra eingeführt. Diese können dort seitdem von 8 bis 22 Uhr handeln. Mit dem neuen Angebot werden die Handelszeiten nun maximal ausgeweitet. „Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer rund um die Uhr verfügbaren europäischen Marktinfrastruktur“, erklärte die Deutsche Börse.
Innerhalb des Konzerns sehen viele die neue Offerte als ersten Schritt. Wenn die Nachfrage groß genug ist, könnte die Deutsche Börse das Angebot ausbauen und über 360X zum Beispiel auch 24/7 den Handel mit populären börsengehandelten Indexfonds (ETFs) anbieten.
Mittel- bis langfristig ist auch eine Ausweitung der Xetra-Handelszeiten denkbar. Dies wäre jedoch mit einem enormen technischen Aufwand verbunden und ist Unternehmenskreisen zufolge aktuell nicht geplant.
In den USA legte bereits vor zehn Jahren die alternative Handelsplattform Blue Ocean den Grundstein für das Traden rund um die Uhr, indem sie den Nachthandel für US-Aktien öffnete. In der Folge erweiterten immer mehr Broker in den USA ihr Angebot, um bestimmte Titel unter der Woche auch ohne zeitliche Limitierung zu handeln. Heute können Anleger bei Brokern wie Interactive Brokers oder Charles Schwab Wertpapiere ebenfalls mitten in der Nacht kaufen und verkaufen.
Ab Dezember wollen auch offizielle Börsen in den USA Aktien von Sonntag- bis Freitagabend handeln, was Käufen und Verkäufen einen ordentlichen Schub verleihen dürfte. Für die Anleger ergeben sich dadurch Vorteile, etwa eine höhere Preistransparenz. Die erwartete höhere Liquidität an den offiziellen Börsen dürfte sich aber auch in für Anleger günstigeren Geld-Brief-Spannen niederschlagen, also einer geringeren Differenz zwischen dem höchsten Kaufgebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot.
Die US-Börsenaufsicht SEC hatte vor rund zwei Jahren einer eigens für diesen Zweck geschaffenen Börse eine Genehmigung für diesen sogenannten 24/5-Handel erteilt, was Einschätzungen zufolge den Durchbruch für den durchgängigen Handel markierte. Mittlerweile haben fünf US-Börsen grünes Licht für den erweiterten Handel erhalten: Dazu zählen die Nasdaq, die elektronische Handelsplattform Cboe EDGX, die Nyse Arca für den ETF-Handel, 24X und die Members Exchange (MEMX).
Der Startschuss für den erweiterten Handel fällt am 6. Dezember. Offiziell findet der Handel an den fünf Tagen aber auch dann nur an 23 Stunden pro Tag statt. Zwischen 20 und 21 Uhr soll es eine Pause für technische Wartungsarbeiten geben, um den Handel sicherzustellen.
Für die Eröffnungs- und Schlusskurse von Wertpapieren und Indizes relevant bleiben aber die traditionellen Öffnungszeiten der US-Börsen von 9:30 Uhr bis 16 Uhr Ortszeit. Und am Wochenende können Anleger weiter nicht an einer offiziellen Börse handeln. Doch auch hier gibt es Alternativen: Ende September gab Robinhood bekannt, seine Handelszeiten für ausgewählte US-Aktien auch auf das Wochenende auszuweiten.
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Ausweitung des 24/7-Angebots auf ETFs bei ausreichender Nachfrage
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