Aktienrückkäufe im Test: Sind sie wirklich besser als Dividenden?
Kritik an Aktienrückprogrammen gibt es immer wieder. Doch ein Vergleich mit Dividendenaktien und dem breiten Markt zeigt ein klares Ergebnis.
Quick Look
- Aktienrückkäufe stehen häufig in der Kritik, doch ein historischer Vergleich zeigt, dass sie Dividendenstrategien und den breiten Markt oft outperformen.
- Insbesondere Tech-Giganten wie Nvidia und Apple nutzen diese Programme erfolgreich.
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Why It Matters
Aktienrückkäufe stehen häufig in der Kritik, da das Kapital stattdessen für Investitionen oder Schuldenabbau genutzt werden könnte.
An Rückkaufprogrammen kommt immer wieder Kritik auf. Zu Recht? Der Vergleich mit Dividendenaktien und dem breiten Aktienmarkt kommt zu einem klaren Ergebnis.
Düsseldorf. Nvidia ist ein Konzern der Superlative. Das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt hat auch das größte Aktienrückkaufprogramm der US-Wirtschaft gestartet.
Zusammen mit bereits laufenden Programmen darf Nvidia bis Januar 2028 insgesamt 235 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben. Damit sind die Rückkäufe fast so hoch wie der Börsenwert von SAP, dem wertvollsten Konzern im deutschen Leitindex Dax.
Aber profitieren auch Nvidia-Aktionäre von den Plänen? Die Historie liefert im Vergleich der Kursentwicklung von Aktienrückkäufern zu Dividendenaktien und dem breiten Markt eine deutliche Antwort.
In der Theorie sprechen vier Gründe für Aktienrückkäufe:
Mit den Aktienrückkäufen signalisieren Unternehmen dem Markt, dass es die eigene Aktie für unterbewertet hält und finanziell stark genug für Rückkäufe ist.
Der Bewertungseffekt wird durch die Rückkäufe noch verstärkt. Sie verknappen das Angebot an Aktien, das erhöht den Gewinn pro Aktie. Für viele Analysten, professionelle Investoren und Privatanleger ist die Kennzahl wichtiger als der Konzerngewinn.
Hinzu kommt, dass auch die Aktienkäufe selbst die Kursentwicklung beeinflussen. In den Jahren 2013 bis 2023 waren Aktienrückkäufe in den USA und Europa für rund ein Viertel der Kursgewinne verantwortlich, wie der Vermögensverwalter HQ Trust ausgerechnet hat.
In vielen Ländern werden zudem Kursgewinne niedriger besteuert als Dividendenerträge. Nach dieser Logik sind Rückkäufe steuerlich effizienter als klassische Gewinnausschüttungen an die Aktionäre.
Häufig angeführte Gegenargumente sind, dass das für Rückkäufe genutzte Kapital falsch eingesetzt wird. Es könnte stattdessen für Investitionen, Forschung oder den Abbau von Schulden eingesetzt werden.
Apple zeigt, wie sinnvoll Aktienrückkäufe sein können
Ein bekanntes Positivbeispiel für Aktienrückkäufe ist Apple. Der iPhone-Händler kauft seit Jahren für mindestens 60 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück.
Knapp die Hälfte seiner Anteilsscheine hat der US-Konzern seit 2012 bereits eingezogen. Der Kurs stieg seitdem um mehr als 2200 Prozent und damit 1000 Prozentpunkte stärker als der US-Technologieindex Nasdaq 100.
Das spricht für die Rückkäufe. Hätte Apple das Geld für Übernahmen eingesetzt und damit Wettbewerber gekauft, wäre das mutmaßlich auf Kosten der Profitabilität gegangen. Denn bei wenigen Unternehmen sind die Margen ähnlich hoch.
In den vergangenen fünf Quartalen gehörte Apple ebenfalls zu den größten Aktienrückkäufern. Das geht aus einer Auswertung des Vermögensverwalters Janus Henderson hervor. Vom zweiten Quartal 2025 bis zum zweiten Quartal 2026 lag Apple in der Auswertung stets auf Platz eins oder zwei. Die Aktie stieg in diesem Zeitraum um gut 50 Prozent.
Auch die Aktien von acht weiteren Unternehmen, die in jedem der fünf Quartale zu den größten Aktienrückkäufern zählten, stiegen in diesem Zeitraum. Nvidia steht ebenfalls auf dieser Liste und weist mit einem Plus von 111 Prozent sogar das größte Kurswachstum auf. Der Schnitt liegt bei knapp 53 Prozent.
Allerdings hat sich Janus Henderson in seiner Auswertung allein auf die Höhe der Aktienrückkäufe konzentriert. Es setzt die Rückkäufe also nicht in Relation zur Marktkapitalisierung, wodurch die Bedeutung klarer wird. Genau eine solche Rechnung hat Kapitalmarktstratege Sebastian Dörr von HQ Trust angestellt – mit einem ebenso positiven Ergebnis für die Aktienrückkäufer.
Dörr analysierte dafür die Performance des „Nasdaq Global Buyback Achievers“ von 2015 bis heute. Der Index setzt sich aus internationalen Unternehmen zusammen, die aus Gründen einer soliden Unternehmensfinanzierung Aktienrückkaufprogramme durchführen.
Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens fünf Prozent der ausstehenden Aktien zurückgekauft haben. Für deutsche Anleger bildet ein ETF von Invesco (ISIN: IE00BLSNMW37) den Index ab.
Rückkäufe schlagen Dividenden-Strategie
Verglichen hat Dörr die Performance mit dem „S&P Global Dividend Aristocrats Index“, der Zugang zu weltweiten Aktien mit hoher Dividendenrendite bietet, und dem „MSCI All Country World Index“, mit dem Anleger in knapp 2500 Unternehmen aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern investieren.
Der Vergleich fällt dabei zugunsten der Aktienrückkäufer aus. „Während die globalen Buyback-Achievers im Mittel eine jährliche Rendite von 11,7 Prozent erzielten, kamen die Dividendenstrategen lediglich auf ein Plus von 7,5 Prozent pro Jahr.“ Beim MSCI ACWI war die jährliche Rendite ebenfalls leicht schwächer.
Allerdings mussten Investoren, die auf Aktienrückkäufe gesetzt haben, etwas größere Kursschwankungen hinnehmen. Die Volatilität war mit 16,8 Prozent deutlich höher als bei der Dividendenstrategie (14,8 Prozent). Auch hier liegt der MSCI ACWI mit einer Volatilität von 15,2 Prozent in der Mitte.
Entsprechend dem Verlauf der Indizes fällt auch der Vergleich der jeweiligen ETFs aus. Der „Buyback“-ETF von Investor liegt seit 2015 fast 300 Prozent im Plus – leicht vor dem MSCI ACWI und deutlich vor dem Dividenden-ETF.
Der deutliche Performance-Unterschied zwischen Aktienrückkäufen und Dividenden liegt zum einen an der unterschiedlichen Gewichtung der Sektoren, erklärt Dörr: „Beide Strategien setzen vermehrt auf Werte aus der Finanzbranche. Unter den Dividenden-Aristokraten sind zudem Versorger und Immobilienwerte stärker vertreten. Bei den Buybacks dominieren hingegen Aktien aus den Sektoren Industrie sowie zyklischer Konsum.“
Gemeinsam haben beide Strategien, dass der IT-Sektor im Vergleich zum globalen Aktienindex MSCI ACWI stark untergewichtet ist. Umso beachtlicher sei die Outperformance, erklärt Dörr.
Im Falle von Nvidia können Anleger die Aktienrückkäufe also als gutes Zeichen werten. In den zwölf Monaten nach Ankündigung eines umfangreichen Aktienrückkaufprogramms stieg die Aktie im Schnitt um 24 Prozent, hat Ben Emons vom Analysehaus FedWatch Advisors ausgerechnet. Eine Garantie für steigende Kurse sind sie aber nicht.
Niedrige Bewertung zeigt Skepsis der Anleger
Denn maßgeblich für Aktienrückkäufe ist eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung, die auch den Aktienkurs stützt. Bleibt die Geschäftsentwicklung dagegen hinter den Erwartungen zurück, dürften auch die Aktienrückkäufe nicht reichen, um den Kurs zu stabilisieren.
Dass am Markt aktuell eine gewisse Skepsis herrscht, ermöglicht übrigens erst die hohen Rückkäufe bei Nvidia. Denn der Chipkonzern ist gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der in den nächsten zwölf Monaten erwarteten Nettogewinne so günstig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.
Das macht Aktienrückkäufe attraktiv, zeigt aber gleichzeitig die Skepsis von Investoren, ob Nvidia weiterhin so stark und profitabel wachsen kann wie in den vergangenen Jahren. Ob Nvidia diese Zweifel zerstreuen kann, dürfte letztlich wichtiger werden als der Effekt der Aktienrückkäufe.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Nvidia führt angekündigte Aktienrückkäufe bis Januar 2028 fort.
Very likely · Within months
Open Questions
- Kann Nvidia seine Wachstumsraten halten?
- Wie entwickeln sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für Rückkäufe?




