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Geringer Schneefall im Winter, ein milder Frühling und langanhaltende Hitzewellen haben die Bedingungen in den Alpen für Bergsteiger und Wanderer erheblich verschärft. Fachleute warnen vor zunehmenden Gefahren wie Blankeis, kollabierenden Schneebrücken und auftauendem Permafrost.
Wenig Schnee im Winter, ein warmer Frühling und langanhaltende Hitze: In den Alpen verschärfen sich die Bedingungen für Bergsteiger und Wanderer. Fachleute warnen vor den Gefahren.
„Wir haben eine sehr ungünstige Konstellation in diesem Jahr“, sagt Severin Karrer, Fachleiter für Ausbildung, Bergsport und Sicherheit im Sommer beim Schweizer Alpen-Club (SAC). Der geringe Schneefall, der milde Frühling und die ungewöhnlich frühen Hitzewellen hätten die Lage verschärft.
Stefan Winter, Bergführer und Ressortleiter Sportentwicklung beim Deutschen Alpenverein (DAV) warnt: „Bergsteiger treffen zunehmend auf Blankeis-Passagen, Schneebrücken über Gletscherspalten kollabieren, und Randspalten werden immer größer.“
Null-Grad-Grenze außergewöhnlich hoch
„Ein Problem ist vor allem, dass die Hitzewellen so lange angehalten haben“, sagt Karrer. „Wir hatten mehrere Wochen, in denen die Null-Grad-Grenze über 4.000 Meter lag.“ Zurzeit sind es teils sogar annähernd 5.000 Meter. Im Sommer lag die Nullgradgrenze im langjährigen Durchschnitt zwischen 3.000 und unter 4.000 Metern.
Auch Bernd Tritscher, Bezirksleiter der Bergrettung Pinzgau im Salzburger Land in Österreich spricht von einem „außergewöhnlichen Jahr“ mit erheblichen Problemen: „Gewisse Touren sind in diesem Jahr nicht mehr möglich.“
Gefahr bleibt auch nach der Abkühlung
Abgesehen von Spalten und blankem Eis auf Gletschertouren gibt es auch zusätzliche Gefahren, weil die Hitze den Permafrost auftaut. Er gilt im Hochgebirge als „Klebstoff der Berge“, weil er in den gefrorenen Gesteinsschichten Fels und Schutt zusammenhält. Taut er auf, können sich Gesteinsmassen lösen. Dann drohen Steinschlag und Felsstürze. Nach Gewittern und Starkregen steigt außerdem die Gefahr von Muren.
Immer wieder seien auch Zustiege zu den Hütten vorübergehend unpassierbar sagt Tritscher. Und die Gefahr verschwinde nicht automatisch, sobald es kühler werde, betont Karrer: Gelockertes Gestein rutsche nicht immer sofort ab.
Keine alten Tourenbeschreibungen nutzen
„Nicht nur Bergsteiger, auch Wanderer müssen sich bewusst sein, dass sie in einem Spannungsfeld unterwegs sind, in dem es Risiken gibt“, sagt Karrer. Entscheidend sei, sich vor jeder Tour über die aktuellen Verhältnisse zu informieren. Alte Karten und Routenbeschreibungen könnten dagegen ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln.
„Gletscherstände verändern sich rasant, ehemals stabile Felsabschnitte werden instabil, und ganze Routen können plötzlich nicht mehr begehbar sein“, sagt DAV-Bergführer Winter.
Tritscher beobachtet zudem, dass viele Menschen zu spät starten. Statt gegen 6.00 oder 7.00 Uhr aufzubrechen, machten sich manche erst am späten Vormittag auf den Weg. Höhenmeter in der Mittagshitze zu bewältigen, sei für viele aber nicht ohne weiteres machbar. „Wir haben wahnsinnig viele erschöpfte Leute“, sagt der Bergretter. Der DAV erinnert zudem daran, viel Flüssigkeit mitzunehmen und regelmäßige Trinkpausen im Schatten einzuplanen, Kopfbedeckung und Sonnenschutz ohnehin.
Wie der Klimawandel die Alpen verändert
Der Klimawandel verändert den Lebensraum Alpen nach Einschätzung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos rasant: „In den Alpen, mitten in Europa, steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.“
In einer Studie in der Fachzeitschrift „Earth-Science Reviews“ unter Beteiligung des SLF von November 2024 heißt es: „Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass die Steinschlagaktivität in alpinen Gebieten, die vom Auftauen des Permafrosts und vom Gletscherschwund betroffen sind, zunimmt, was in erster Linie auf steigende Sommertemperaturen zurückzuführen ist.“

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