„Ängstlich und viel zu lieb“ – Schalke schlägt Alarm
Nach dem 0:1 gegen den 1. FSV Mainz 05 üben Youri Mulder und Miron Muslic scharfe Kritik an der Leistung des FC Schalke 04.
Quick Look
- Nach der 0:1-Heimniederlage gegen Mainz 05 kritisieren Schalkes Direktor Youri Mulder und Trainer Miron Muslic das ängstliche und passive Auftreten der Mannschaft.
- Vor allem die Offensive enttäuschte im dritten Heimspiel ohne eigenes Tor.
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Why It Matters
Der FC Schalke 04 verlor das Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 mit 0:1.
Die klaren Worte waren Ausdruck von Besorgnis. „Wir sprechen immer davon, dass wir aggressiv, intensiv und mutig sein wollen – doch davon war nichts zu sehen“, sagte Youri Mulder. Und dann zerlegte Schalkes Direktor Profifußball die Mannschaftsleistung en détail. „Wir waren ein bisschen ängstlich. Wir waren zu lieb, viel zu lieb“, erklärte die königsblaue Vereinsikone.
Damit trifft Mulder den Punkt. Denn bei der 0:1-Heimniederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 am Samstag wirkte der Bundesliga-Aufsteiger nur wie ein müder Abklatsch dessen, was die Schalker während der vergangenen Zweitligasaison und auch in einigen Spielen der laufenden Spielzeit ausgezeichnet hatte. Denn von den Adjektiven „intensiv, aggressiv“ und „mutig“, die tatsächlich in den meisten Spielen unter Miron Muslic charakteristisch für das Auftreten der Mannschaft waren – und die auch als ständige Erinnerung an einer Wand im Profi-Leistungszentrum zu lesen sind – war auf dem Platz nichts zu erkennen.
Das gibt Mulder zu denken. „Wir haben nicht das gemacht, was wir normalerweise tun. Normalerweise sind wir eng auf dem Platz, wir stressen den Gegner, wir sind schwer zu schlagen. Das waren wir in der ersten Halbzeit gegen Mainz nicht“, sagte der 57‑Jährige. Tatsächlich vermittelte das Team den Eindruck, als ob es nur ein bisschen mitspielen wolle – und wurde deshalb von den wesentlich entschlosseneren Mainzern bestraft.
„Wir haben die ganze erste Halbzeit und Teile der zweiten Halbzeit komplett verschlafen“, sagte Torhüter Loris Karius, einer der wenigen Schalker, der an diesem Samstag an sein Leistungslimit kam. Ohne den Schlussmann, seit Monaten in Topform, wäre die Niederlage wohl deutlich höher ausgefallen. Bereits in den ersten sechzig Sekunden kamen die Mainzer zu zwei großen Möglichkeiten. Das Führungstor der Gäste durch Phillip Tietz (24. Minute) war eine fast schon logische Konsequenz – auch aus der Passivität der Gastgeber.
Vor allem in der Offensive enttäuschten die Schalker. Auch im dritten Heimspiel der Saison blieben sie ohne eigenen Treffer. Es fehlte – was überraschte – an Sekundärtugenden: der Entschlossenheit, zweite Bälle oder Zweikämpfe zu gewinnen, dem Nachsetzen nach Ballverlusten.
Dies war untypisch für die Mannschaft von Muslic – und gab ihm entsprechend zu denken. Vor allem die „Galligkeit“ habe komplett gefehlt, kritisierte der Coach. „Es ist eigentlich eine Schalker Tugend, dass wir Fußball arbeiten. Wenn du dann 65 Minuten lang jeden Zweikampf verlierst, wird es in der Bundesliga extrem schwierig“, sagte Muslic. Für ihn, daran ließ er keinen Zweifel, sind das Alarmsignale – trotz oder gerade wegen der fünf Punkte, die nach sechs Spieltagen bereits gesammelt werden konnten. Damit steht Schalke zwar vor den Abstiegsrängen, doch das kann trügerisch sein: denn bei weiteren solcher Vorstellungen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich das ändert.
„Wenn du zweimal hintereinander verlierst und dir keine Sorgen machst, ist das auch nicht gut. Ich finde schon, dass man da dranbleiben und sich Sorgen machen darf“, erklärte Mulder. Er erwarte dies sogar. „Wenn ich Spieler bin und zweimal hintereinander verlierere, mache ich mir die ganze Woche Sorgen.“
In diesem Punkt herrscht Konsens. Die sich bedenklich abflachende Leistungskurve gibt Anlass zu Selbstkritik. „Ich glaube, das war unser schlechtestes Spiel bis jetzt, das muss man so ehrlich zugeben. Das Zweikampfverhalten war unterirdisch, es gab so viele Fehlpässe, und Mainz hat uns gezeigt, wie eine erfahrene Bundesligamannschaft spielt“, sagte Kenan Karaman. Für den Kapitän gibt es einiges aufzuarbeiten – vor allem auch im Hinblick darauf, richtige Entscheidungen auf dem Platz zu treffen.
Die größte Baustelle bleibt die Offensive. Auf dem Papier hat Muslic zwar einige Alternativen – doch den nachhaltigen Beweis der Bundesligatauglichkeit blieben die königsblauen Angreifer bislang noch schuldig. Das gilt auch für den mittlerweile 40 Jahre alten Edin Dzeko. Der Routinier erlebte gegen Mainz einen bitteren Nachmittag. Mit einer Platzwunde am Kopf musste Dzeko nach 60 Minuten ausgewechselt werden – bis dahin war der Bundesligatorschützenkönig von 2010 völlig ohne Bindung zum Spiel.
Open Questions
- Wie reagiert die Mannschaft im nächsten Spiel?
- Findet die Offensive zurück zur Torgefährlichkeit?

