
Der habilitierte Ökonom und Fondsmanager erklärt, warum Garantieprodukte bei der Altersvorsorge oft eine Falle sind und warum die KI-Rally noch lange nicht vorbei ist.
AI-generated summary
Jan Viebig war Chefanlagestratege bei Oddo BHF und ist nun als unabhängiger Fondsmanager tätig. Er veröffentlichte 2026 das Buch 'Ein kleines Vermögen für alle'.
Frankfurt. Die Deutschen verstehen das Verhältnis von Rendite und Risiko nicht. Sonst würden sie nicht so sehr auf Garantieprodukte setzen. Das sagt Anlageprofi Jan Viebig.
Viebig gilt als einer der profiliertesten Kapitalmarktexperten Deutschlands. Nach sieben Jahren als Chefanlagestratege der Privatbank Oddo BHF hat sich der habilitierte Ökonom im Mai als Fondsmanager selbstständig gemacht. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Ein kleines Vermögen für alle“ erklärt Viebig, wie man klug investiert und langfristig Vermögen aufbaut.
Herr Viebig, warum braucht es noch ein Buch über Vermögensaufbau? Finanzratgeber gibt es doch genug.
Vor drei Jahren fragten mich meine drei Kinder – sie sind zwischen 20 und 24 Jahre alt – nach einem guten Finanzratgeber. Ich stellte fest: Es gibt kein Buch, das ich guten Gewissens empfehlen kann. Um die Finanzbildung in Deutschland ist es leider nicht gut bestellt.
Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?
Zahlreiche Studien zeigen erhebliche Defizite. In einer Untersuchung konnte rund die Hälfte der Befragten eine einfache Frage zum Zinseszinseffekt nicht richtig beantworten. Dass die Politik nach dem Scheitern der Riester-Rente im neuen Altersvorsorgedepot erneut stark auf Garantieprodukte setzt, zeigt ein grundlegendes Missverständnis: Garantien reduzieren nicht nur Risiken, sondern langfristig auch Renditechancen.
Was ist denn so schlimm an Garantieprodukten, die am Laufzeitende die Rückzahlung des Kapitals garantieren?
Für die Garantie zahlen Sie einen hohen Preis: Diese Produkte investieren nur zu kleinen Teilen in Aktien und erzielen viel weniger Rendite. Die Riester-Rente bot im Schnitt 1,7 Prozent Rendite pro Jahr – bei Aktien konnten Sie historisch mit neun Prozent rechnen. Auf lange Sicht macht das viel aus: Wer 30 Jahre lang jeden Monat 200 Euro spart, macht aus 72.000 Euro mit der Riester-Rente 93.800 Euro – mit Aktien 366.100 Euro.
Wer vom Zinseszinseffekt profitieren und langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an Aktien kaum vorbei. Aktien bieten historisch eine Risikoprämie von im Schnitt etwa sechs Prozent gegenüber dem risikolosen Zins.
Dafür schwanken sie halt deutlich.
Kurzfristig sind Aktien riskanter. Wer sein Geld nur für ein Jahr in einen breiten Aktienindex wie den MSCI World anlegt, verliert mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 24 Prozent Kapital. Über 15 Jahre gab es beim MSCI World historisch keine Verlustperiode mehr. Je länger der Anlagehorizont, desto stärker sinkt das Verlustrisiko.
Was sollten Anleger noch über Risiko wissen?
Risiko ist die Wahrscheinlichkeit, in Zukunft Verluste zu erleiden. Wer mehr verdienen will als den risikolosen Zins, muss bereit sein, Kapitalmarktrisiken einzugehen. Entscheidend ist dabei, Risiken breit zu streuen und über lange Zeiträume hinweg auszuhalten.
Anleihen eignen sich gut zur Risikosenkung im Portfolio. Doch vielen Privatanlegern ist die Assetklasse fremd. Was würden Sie denen sagen?
Anleihen sind extrem unterschätzt. Der weltweite Anleihemarkt ist etwa doppelt so groß wie der globale Aktienmarkt. Auch mit Anleihen können Anleger attraktive Renditen erwirtschaften, wenn sie mehr Risiko eingehen. Die drei wesentlichen Risiken sind Zinsrisiko, Währungsrisiko und Ausfallrisiko.
Klassisch gibt es das 60/40-Portfolio: 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen. Raten Sie auch dazu?
Nein, das ist zu vereinfacht. Es kommt auf die individuelle Risikotoleranz und den Anlagehorizont an. Junge Menschen sollten einen möglichst großen Anteil in Aktien investieren, weil sie Schwankungen mit ihrem langen Anlagehorizont gut aushalten können. Wer wie ich schon Ende 50 ist, sollte sein Risiko absenken und mehr in Anleihen investieren.
Die alte Faustformel „100 minus Lebensalter gleich empfohlene Aktienquote“ taugt also noch.
Als Daumenregel ja. Der Anlagehorizont ist aber ebenso wichtig wie das Alter: Geld, das kurzfristig für den täglichen Lebensunterhalt benötigt wird, gehört nicht in Aktien oder andere risikobehaftete Anlagen.
Sollten Anleger lieber aktiv einzelne Titel auswählen oder passiv in einen breiten ETF auf den MSCI World investieren?
Anfängern rate ich, erst mal nur in ETFs zu investieren. Wer dann Freude am Analysieren einzelner Aktien entwickelt, darf sich weitere Werte ins Depot legen. Wichtig ist nur: langsam anfangen, sich nicht selbst überschätzen, Demut haben. Kapitalmärkte sind recht effizient. Es ist nicht leicht, Überrenditen zu erzielen. Und unbedingt gut diversifizieren – über verschiedene Aktien aus diversen Ländern, Regionen und Branchen. Wer nur auf KI-Profiteure setzt, und der Boom dreht sich, verliert sehr viel Geld.
Wie filtere ich unter den vielen Unternehmen auf der Welt die guten heraus?
Stellen Sie sich sechs einfache Fragen! Erstens: Bietet das Unternehmen begehrenswerte Produkte oder Dienstleistungen an? Zweitens: Schafft das Unternehmen Wert? Dafür muss die Kapitalrendite größer sein als die Kapitalkosten. Drittens: Hat das Management die Kosten im Griff? Gewinnmargen und vor allem die operative Marge sollten hoch genug sein. Viertens: Ist das Unternehmen stark verschuldet? Falls ja, kann es ausfallen. Fünftens: Sind die Umsätze hoch und weiter steigend? Sechstens: Hält sich das Unternehmen an ethische und moralische Grundsätze?
Anleger sollten nur in Unternehmen investieren, die sie verstehen. Wem Zeit und Kompetenz fehlen, der fährt mit ETFs oder aktiven Fonds besser.
Wann ist die Aktie eines guten Unternehmens trotzdem ein schlechter Kauf?
Wenn die Aktie zu hoch bewertet ist. Ein wundervolles Unternehmen allein reicht nicht – es braucht den richtigen Preis. Im Supermarkt schauen Sie ja auch, wie viel der Liter Milch oder das Pfund Butter kostet – und kaufen nicht das teuerste Stück. Dasselbe Prinzip gilt am Aktienmarkt: Wenn Sie eine Aktie zu teuer kaufen, zehrt der Aufschlag Ihre Rendite auf. Sie sollten also ungefähr wissen, was ein fairer Preis wäre.
In Ihrem Buch stellen Sie verschiedene Methoden der Unternehmensbewertung vor. Muss ich als normaler Anleger Discounted-Cash-Flow (DCF)-Modelle verstehen?
Niemand muss als Privatanleger ein eigenes DCF-Modell bauen oder eine komplexe Bilanzanalyse durchführen. Wer jedoch 10.000 Euro in eine einzelne Aktie investiert, sollte wissen, womit das Unternehmen Geld verdient, wie solide es finanziert ist und welche Risiken bestehen. Man kauft ja auch kein teures Smartphone oder Fahrrad, ohne sich vorher zu informieren.
Worauf sollte ich konkret schauen?
Auf die wichtigsten Bewertungskennzahlen: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis. Und auf die Risikokennzahlen: Volatilität, Beta, Sharpe Ratio.
Die Volatilität misst, wie stark eine Aktie schwankt. Das Beta zeigt, wie stark sie auf Marktbewegungen reagiert. Als Daumenregel: Bei einem Beta von 1,2 bewegt sie sich stärker als der Markt – fällt der Markt um zehn Prozent, fällt die Aktie im Schnitt um zwölf Prozent. Aktien mit höherem Beta sind also riskanter. Die Sharpe Ratio setzt die Rendite ins Verhältnis zum Risiko.
Im Buch bringe ich das Beispiel der US-Firma Stirling Homex, die in den 70er-Jahren Fertighäuser produzierte. Stirling Homex blähte seine Umsätze künstlich auf und verbuchte Erlöse, die so nicht erzielt wurden. Die Gewinne waren deutlich größer als die Cashflows – ein Warnzeichen. 1972 ging die Firma insolvent. Wenn Gewinne und Cashflows über längere Zeit stark auseinanderfallen, ist Vorsicht geboten. Das bedeutet nicht automatisch Betrug, kann aber ein Warnsignal sein.
Ist der Cashflow eines Unternehmens für Analysten daher so zentral?
Ja. Viele Analysten sagen: Cash is King. Gewinne kann man über Abschreibungen oder andere Bilanztricks leichter manipulieren. Cashflows sind schwerer zu frisieren.
Brauchen normale Anleger mehr als Aktien und Anleihen – also alternative Anlagen wie Gold, Private Equity oder Hedgefonds?
Bei einem Vermögen von weniger als einer Million Euro braucht es in der Regel keine komplexen alternativen Anlagen. Hedgefonds haben meist hohe Mindestanlagebeträge und bergen oft schwer verständliche strategiespezifische Risiken. Private Equity ist häufig illiquide und bindet Kapital über viele Jahre. Gold kann dagegen als Beimischung sinnvoll sein, weil es zur Diversifikation beiträgt und einen gewissen Schutz vor Geldentwertung bieten kann.
Wie viel sollte ich in Gold investieren?
Dafür gibt es eine Faustformel: zehn Prozent der Aktienquote. Wenn Sie 100 Prozent Ihres Vermögens in Aktien investieren, sollten Sie diese Quote reduzieren und zehn Prozent in Gold stecken. Wenn Sie 50 Prozent in Aktien halten, investieren Sie fünf Prozent in Gold.
Wie stehen Sie zu Kryptowährungen wie Bitcoin?
Für Kryptowährungen gibt es keine belastbaren Bewertungsmodelle wie bei Aktien oder Anleihen. Bitcoin generiert keine Cashflows, zahlt keine Zinsen oder Dividenden; ein innerer Wert lässt sich daher nicht ableiten. Zugleich ist die Volatilität extrem hoch, ebenso das Risiko massiver Verluste bis zum Totalverlust. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist das keine geeignete Grundlage.
Lassen Sie uns Ihre Grundsätze auf die aktuelle Marktlage anwenden. Die Bewertung vor allem von US-Aktien ist historisch hoch. Wie attraktiv sind Aktien noch?
Das Shiller-KGV für den US-Aktienmarkt liegt derzeit bei etwa 40 – ein sehr hoher Wert. Kurzfristig taugt die Bewertung aber kaum als Renditekompass: Teure Aktien können noch teurer werden, billige noch billiger. Über längere Zeiträume wirkt das Bewertungsniveau eher – wenn Märkte sehr teuer sind, fallen die Renditen tendenziell niedriger aus. Über die nächsten zehn Jahre dürfte die Überrendite von Aktien geringer sein – vielleicht nicht mehr sechs, sondern eher drei Prozent.
Die Märkte werden derzeit stark von Tech- und KI-Werten getrieben. Ist die KI-Rally fundamental gerechtfertigt?
Seit dem Durchbruch der Large-Language-Modelle steigt die Nachfrage nach KI-Infrastruktur wie Speicherchips, Rechenleistung und Datenzentren massiv, befeuert von den hohen Investitionsausgaben der Hyperscaler um Alphabet und Amazon. Davon profitieren bislang weniger die Firmen, die KI schon anwenden, als jene, die die Infrastruktur bereitstellen – Halbleiterwerte, Stromversorger.
Wird dieser Infrastruktur-Trend mittelfristig anhalten?
Davon gehe ich stark aus. Die Gewinne und Umsätze vieler Unternehmen, gerade im Halbleiterbereich, steigen rasant, weil ihre Produkte so stark nachgefragt werden. Sicher stellt sich die Frage, wie stabil dieses extrem hohe Wachstum ist. Aber der KI-Umbruch ist gigantisch. Bei der Anwendung von KI in Unternehmen – Stichwort agentische KI – stehen wir noch ganz am Anfang. Das wird Geschäftsmodelle verändern, von Softwareunternehmen bis zu Banken.
Sie fürchten keine Dotcom-Blase wie 2000 bei den Internetaktien der New Economy?
Die Situation war damals eine andere. Viele Bewertungen stiegen enorm, ohne dass Gewinne und Umsätze Schritt hielten. Man legte sich Kennzahlen wie „Klicks“ zurecht und bewertete Unternehmen nach Seitenabrufen, weil klassische Maßstäbe fehlten.
Nutzen Sie selbst KI zur Aktienanalyse?
Sicher. Mit richtig eingesetzter KI kann ein kleines, erfahrenes Team heute mehr leisten als früher eine große Analystenabteilung. Entscheidend ist nicht die Zahl der Analysten, sondern, wie gut Daten, Modelle und Investmenterfahrung miteinander verbunden werden.
Im April ist Ihr Buch erschienen. Im Mai haben Sie Oddo BHF nach sieben Jahren als Chief Investment Officer verlassen, um sich selbstständig zu machen. Künftig wollen Sie zwei Mischfonds anbieten. War das zeitlich so geplant?
Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich Philippe Oddo gefragt, ob ich eigene Fonds verwalten darf. Für seine Offenheit und Unterstützung bin ich ihm sehr dankbar. Nun ist das Buch erschienen, und zugleich ist die Infrastruktur für die Fonds aufgebaut. Deshalb ist jetzt für mich ein guter Zeitpunkt, ein eigenes Unternehmen aufzubauen.
Wie trennen Sie Finanzbildung im Buch von eigenem Geschäftsinteresse, wenn Sie jetzt Fonds auflegen?
Das trenne ich komplett. Das Buch habe ich geschrieben, um Finanzbildung zu vermitteln. Dieses Wissen müsste eigentlich in der Schule gelehrt werden. Wie wollen Sie in Aktien investieren, wenn Sie nicht wissen, was eine Bilanz oder Gewinn-und-Verlust-Rechnung ist? Wie Anleihen kaufen, wenn Sie den Begriff der Duration nicht kennen? Ich will Bildungslücken schließen.
Was sollte ein Leser unbedingt aus Ihrem Buch mitnehmen, selbst wenn er nie ein Produkt von Ihnen kauft?
Zentral ist der Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko: Wer sein Geld langfristig investiert, sollte einen großen Teil in Aktien stecken, weil die Risikoprämie für Aktien sehr hoch ist. Wer dagegen älter ist und das Kapital bald braucht, sollte mehr Anleihen beimischen, um das Risiko des Portfolios zu senken.
After the VW Supervisory Board announced stricter austerity measures, IG Metall, citing the future collective agreement of December 2024, is calling for negotiations with management to ensure compliance with the agreed conditions.

The US inflation rate remained at 3.4 percent in August. Given the data and robust labor market numbers, market expectations for an interest rate hike by the Federal Reserve rose to almost 90 percent.

Although the obligation to retain receipts applies, there are 16 situations in which taxpayers should submit receipts directly to avoid questions from the tax office and to speed up reimbursement. This includes, among other things, foreign income, crypto profits and severance payments.

After more stringent austerity measures at Volkswagen, the works council and IG Metall called on management to hold a review meeting. They are using a clause from the future collective agreement of 2024 to demand compliance with the employment guarantees.

The federal government is planning a legal obligation for retailers and restaurateurs to accept cashless payments. The aim is to fulfill customer requests for digital payment options in everyday life and to increase acceptance of cashless payments.
Saxony has presented a new model for its economy until 2040. The goal is to be among the top 3 in terms of GDP growth. The focus is on technology leadership, reducing bureaucracy and investing in company successions instead of inheritance tax.