Anlageprofis setzen bei Favoriten auf deutsche Aktien statt auf US-Tech
Quick Look
- Eine Analyse von über 50.000 Depots zeigt, dass deutsche Vermögensverwalter bei ihren Favoriten deutlich von Weltindizes abweichen und stärker auf deutsche Aktien setzen statt auf US-Technologiekonzerne.
- Dabei werden Microsoft, Allianz, Amazon, Alphabet, Munich Re, SAP, Siemens, Deutsche Telekom, Berkshire Hathaway und Novo Nordisk als Top-Ten-Titel genannt, mit detaillierten Analystenbewertungen, Kurszielen und Finanzkennzahlen.
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Why It Matters
Die Analyse basiert auf der Auswertung von über 50.000 Depots von 190 unabhängigen Vermögensverwaltern, die bei der V-Bank verwahrt werden, durchgeführt vom Institut für Vermögensaufbau (IVA) zusammen mit dem Datenanbieter Qplix.
Die Auswertung von 50.000 Depots zeigt, dass Anlageprofis bei ihren Favoriten deutlich von Weltindizes abweichen. Statt auf Tech-Aktien setzen sie unter anderem auf fünf deutsche Konzerne.
Die Favoriten von Anlageprofis: Deutsche Vermögensverwalter setzen auf Alternativen zu Tech-Aktien aus den USA. Foto: Getty Images (3), HB/Flux2 [M]
Düsseldorf. Die Aktienauswahl deutscher Anleger überrascht manchen: Ihre Top Ten zeigt deutliche Unterschiede zur Zusammensetzung von Weltindizes, die fast vollständig von Technologiekonzernen aus den USA dominiert werden.
Das ergibt eine Untersuchung des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) zusammen mit dem Datenanbieter Qplix. Die Experten analysierten, welche Aktien zum Halbjahreswechsel in den Depots der deutschen Anleger lagen. Ausgewertet wurden über 50.000 Depots von 190 unabhängigen Vermögensverwaltern, die bei der V-Bank verwahrt werden.
Demnach gehören nur drei amerikanische Tech-Konzerne zu den beliebtesten Titeln der Investmentprofis. Sie setzen stattdessen stärker auf deutsche Aktien. Wie Analysten die Auswahl einschätzen.
1. Microsoft
Microsoft ist mit seinem großen Software-Angebot bekannt und groß geworden. Mittlerweile ist der US-Konzern aber auch einer der weltweit größten Anbieter von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI). Diese Entwicklung ist maßgeblich für den Aktienkurs.
Die Geschäftsentwicklung im KI-Bereich überzeugte die Analysten zuletzt. Im Geschäftsjahr 2026, das Ende Juni endete, überraschte Microsoft mit einem starken Wachstum.
Der Umsatz in der Cloud-Sparte Azure stieg um 43 Prozent auf erstmals mehr als 100 Milliarden Euro. Die kostenpflichtige Variante des KI-Assistenten Copilot nutzen inzwischen mehr als 30 Millionen Anwender. Analyst Tal Liani von der Bank of America sagt daher: „Die Ergebnisse von Microsoft haben die KI-Strategie des Unternehmens erneut bestätigt.“
Die KI-Investitionen steigen zwar ebenfalls rasant – im abgelaufenen Geschäftsjahr um 65 Prozent auf 145 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn vor Steuern legte aber dennoch um 34 Prozent zu auf knapp 166 Milliarden Dollar. Gemessen am Eigenkapital ist Microsoft nur mit 9,1 Prozent verschuldet und zählt damit zu den am besten finanzierten Tech-Konzernen weltweit.
Analystenrating laut Datenanbieter LSEG: 56 Kaufen / 4 Halten / 0 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel für die nächsten zwölf Monate: 482,81 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des in den kommenden zwölf Monaten erwarteten Nettogewinns laut Finanznachrichtendienst Bloomberg: 24,6 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 27,0)
Dividendenrendite im aktuellen Jahr: 0,7 Prozent
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15.09.2026 Abspielen 28:23
2. Allianz
Die Allianz liefert seit Jahren zuverlässige Gewinne. Im ersten Halbjahr erzielte der Versicherer einen Rekord beim operativen Ergebnis. Analyst Thorsten Wenzel von der DZ Bank lobte: „Alle drei Segmente des Konzerns wachsen profitabel. Schwächephasen in einzelnen Einheiten fallen angesichts der breiten Diversifikation wenig ins Gewicht.“
Der Aktienkurs ist entsprechend stark gestiegen. Auf Sicht von fünf Jahren legten die Titel 120 Prozent zu. Hinzu kommt eine zuverlässige Dividende: Die Gewinnausschüttung stieg in den vergangenen zehn Jahren neunmal.
Auf dem aktuellen Kursniveau sind Analysten allerdings mittlerweile vorsichtiger: Die Bewertung ist inzwischen höher als beim Konkurrenten Axa. Bei den Industrieversicherungen bröckelten die Preise – und das zuletzt erfolgreiche Asset-Management mit den konzerneigenen Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors ist abhängig von der Kapitalmarktstimmung.
Analystenrating: 10 Kaufen / 8 Halten / 2 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 450,00 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 10,3)
Dividendenrendite: 3,90 Prozent
3. Amazon
Ähnlich wie Microsoft hat auch Amazon sein Geschäftsmodell erweitert. Der US-Konzern ist nicht nur der größte Onlinehändler der Welt, sondern ist mit seiner Cloudabteilung AWS auch der weltweit größte Cloudanbieter.
Das Cloudgeschäft ist mittlerweile für 60 Prozent des operativen Gewinns verantwortlich. Für die Analysten der britischen Bank Barclays steht Amazon daher „an der Spitze der KI-Hyperscaler“ – der großen Anbieter von Cloudinfrastruktur.
Auch Amazon investiert massiv in KI. Im Gegensatz zu Microsoft sind die Investitionen aber deutlich stärker schuldenfinanziert. Gemessen am Eigenkapital liegt die Verschuldungsquote von Amazon bei 24 Prozent.
Zudem belasten die Investitionen deutlich stärker die Bilanz. Der freie Cashflow, also die frei verfügbaren liquiden Mittel nach Abzug aller laufenden Kosten und notwendigen Investitionen, war im ersten Halbjahr denn auch negativ.
Trotzdem beurteilen Analysten die Aktie ausgesprochen positiv. Denn das Cloudgeschäft ist deutlich profitabler als der Onlinehandel. Da das Segment zudem schneller wächst, verbessert sich auch Amazons Marge insgesamt und die Bewertung sinkt.
Analystenrating: 62 Kaufen / 4 Halten / 0 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 281,46 Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 44,6)
Dividendenrendite: keine Dividende
4. Alphabet
Wie bei Microsoft und Amazon nimmt auch bei Alphabet KI einen immer größeren Teil des Geschäfts ein. Mittlerweile entwickelt die Google-Mutter sogar eigene Chips. Das Cloudgeschäft wuchs im ersten Halbjahr um 73 Prozent und macht mittlerweile knapp 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Alphabet investiert massiv, um diesen Bereich auszubauen. Denn perspektivisch könnten die Such- und Werbeerlöse sinken, weil sich das Suchverhalten von Verbrauchern durch KI-Sprachmodelle und KI-Agenten ändert.
Durch die hohen Investitionen war der freie Cashflow im ersten Halbjahr negativ. Allerdings geht Thomas Kurian, Chef von Google Cloud, davon aus, dass sich die KI-Server binnen zwei Jahren amortisieren, die Chips sogar in einem Jahr. In diesem Fall könnte sich die KI-Infrastruktur weitestgehend selbst finanzieren und der freie Cashflow würde schnell ins Plus drehen.
Was Anleger beachten sollten: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Alphabet ist aktuell nach unten verzerrt. Der Konzern ist an der Weltraumfirma SpaceX und dem KI-Entwickler Anthropic beteiligt. Beide Beteiligungen sind stark im Wert gestiegen, was den Nettogewinn von Alphabet treibt und die Bewertung senkt. Bei Amazon ist das durch die Beteiligung an Anthropic ähnlich.
Analystenrating: 54 Kaufen / 6 Halten / 0 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 379,66 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,6 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 20,8)
Dividendenrendite: 0,30 Prozent
5. Munich Re
Munich Re versichert als Rückversicherer Risiken anderer Versicherungsunternehmen und erhält dafür Prämien, mit denen es Erträge aus Kapitalanlagen erwirtschaftet. Bekannt ist das Unternehmen für seine zuverlässige Dividende, die in den vergangenen 20 Jahren immer mindestens konstant blieb.
Auch der Kurs stieg in den Jahren 2022 bis 2025 dynamisch, steht seitdem aber unter Druck. Denn die Preise im Rückversicherungsgeschäft fallen. Munich Re gelang es zuletzt nicht mehr, höhere Preise durchzusetzen, während Großschäden, Naturkatastrophen, Klimarisiken und die Volatilität an den Kapitalmärkten relevante Risiken bleiben.
Dementsprechend wurden auch Analysten zuletzt vorsichtiger. Zu den Optimisten gehört Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler. Er erwartet, dass die Gewinne spätestens 2028 wieder steigen werden, und verweist auf Chancen durch KI: „Wir sind der Ansicht, dass KI eine Chance zur Effizienzsteigerung bietet.“
Analystenrating: 9 Kaufen / 9 Halten / 4 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 555,00 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 9,9 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 11,0)
Dividendenrendite: 4,80 Prozent
6. SAP
Die Aktie des deutschen Softwarekonzerns SAP hat eine deutliche Korrektur hinter sich. Auslöser war die Debatte, ob KI klassische Software überflüssig machen könnte. Die Aktie sackte infolgedessen um mehr als 50 Prozent ab.
Die Mehrzahl der Analysten hält die Debatte allerdings für verfehlt. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS um Michael Briest verweisen darauf, dass die hohe Komplexität der von SAP-Kunden über Jahre aufgebauten Systemlandschaften ein Wettbewerbsvorteil sei. Diese schafft ihrer Ansicht nach einen wirtschaftlichen „Burggraben“, weil ein Anbieterwechsel mit hohen Kosten und Risiken verbunden wäre.
Durch überzeugende Quartalszahlen gelang es SAP, auch die Stimmung an der Börse zu drehen. Fast 60 Prozent der Umsätze stammen aus dem Cloud-Geschäft und sind damit potenziell wiederkehrende Einnahmen. Der Konzern ist zudem schuldenfrei, finanziell sehr solide. Die Bewertung hat aber wieder ihren Durchschnittswert erreicht.
Analystenrating: 26 Kaufen / 7 Halten / 1 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 203,00 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 23,4 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 23,7)
Dividendenrendite: 1,40 Prozent
7. Siemens
Siemens hat sich zum Technologiekonzern gewandelt, der Lösungen für Industrieautomation, industrielle Software, intelligente Gebäude, Energieinfrastruktur und Mobilität anbietet. Dadurch profitiert das Unternehmen von Megatrends wie der Elektrifizierung, dem Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren, Automatisierung und industrieller Software.
Allerdings ist die Aktie bereits deutlich gestiegen. Zwischenzeitlich löste Siemens sogar SAP als wertvollsten Dax-Konzern ab. Abzulesen ist das an der Bewertung, die mittlerweile deutlich über ihrem Durchschnittswert liegt.
Analysten bewerten die Aktie im Schnitt weiter positiv. Stephan Bauer vom Bankhaus Metzler erklärt: „Obwohl sich die positiven Trends bei Auftragseingang, Umsatz und Margen bereits teilweise im Aktienkurs widerspiegeln und weitere positive Gewinnüberraschungen immer unwahrscheinlicher werden, glauben wir, dass die Aktie weiterhin Aufwärtspotenzial bietet.“ Dafür müsse Siemens die erwarteten Verbesserungen, insbesondere in den Bereichen „Digital Industries“ und „Smart Infrastructure“, konsequent umsetzen.
Analystenrating: 21 Kaufen / 5 Halten / 2 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 312,50 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 15,4)
Dividendenrendite: 2,00 Prozent
8. Deutsche Telekom
Die Aktie der Deutschen Telekom hat sich zuletzt deutlich von ihrem Jahreshoch entfernt. Der Kursabschlag beträgt aktuell gut 15 Prozent. Dafür gibt es zwei Gründe: die Sorge vor Satelliten-Konkurrenz durch die Raumfahrtfirma SpaceX und die Skepsis bezüglich eines möglichen Zusammenschlusses mit der US-Tochter T-Mobile US.
Auftrieb erhielt die Aktie zuletzt durch den Einstieg des aktivistischen US-Investors Elliott Management. Dieser stellte sich gegen eine Fusion mit T-Mobile US. Analyst Akhil Dattani von der US-Großbank JP Morgan erklärt, dass ein Zusammenschluss „eine hochkomplexe Transaktion ist, gegen die sich die meisten Investoren stellen“.
Grundsätzlich bewertet Dattani die Aktie allerdings wie fast alle anderen Analysten positiv. Sie sei „extrem günstig“, trotz eines attraktiven, prozentual zweistelligen Gewinnwachstums. Auch Aktienrückkäufe und die Dividende sprechen für die Aktie. Zwar ist die Telekom mit 132 Milliarden Euro so hoch verschuldet wie kein anderer Dax-Konzern. Dem stehen aber hohe, steigende Gewinne entgegen.
Analystenrating: 19 Kaufen / 1 Halten / 0 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 36,50 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,5 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 13,5)
Dividendenrendite: 3,50 Prozent
9. Berkshire Hathaway
Die Holding Berkshire Hathaway besteht aus einer Versicherungs-, einer Energie- und einer Industriesparte sowie aus Dutzenden kleinen und mittelständischen Unternehmen. Hinzu kommt ein rund 300 Milliarden Dollar schweres Aktienportfolio, dessen größte Position mit einem Gewicht von 22 Prozent der iPhone-Hersteller Apple ist.
Der US-Konzern gilt unter Anlegern als nahezu legendär: Er wurde 60 Jahre lang vom Starinvestor Warren Buffett geleitet, die Aktie ist mit einem Kurs von 770.000 Dollar die teuerste der Welt. Für Privatanleger ist daher de facto nur die B-Aktie erschwinglich, deren Stimmrechte deutlich niedriger sind.
Seitdem Buffett im Mai 2025 seinen Abschied angekündigt hat, hat die Aktie allerdings knapp fünf Prozent an Wert verloren. Der marktbreite US-Index S&P 500 stieg im selben Zeitraum um mehr als 30 Prozent.
In Krisenzeiten könnte die Aktie aber wieder gefragt sein. Das Konglomerat gilt als einer der stabilsten Konzerne der Welt, allein die Liquiditätsreserven belaufen sich auf 365 Milliarden Dollar.
Analystenrating: 1 Kaufen / 1 Halten / 1 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 458,13 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 24,8 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 22,1)
Dividendenrendite: keine Dividende
10. Novo Nordisk
Analysten haben ihre Kursziele innerhalb von zwei Jahren im Schnitt um 70 Prozent gesenkt. Die Kaufempfehlungsquote liegt nur noch bei 25 Prozent. Die Skepsis zeigt sich auch in der niedrigen Bewertung, die allerdings nun ebenso attraktiv wirkt wie die Dividendenrendite.
Analystenrating: 8 Kaufen / 21 Halten / 3 Verkaufen
Durchschnittliches Kursziel: 41,78 Euro
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,8 (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 22,8)
Dividendenrendite: 4,20 Prozent
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Erstpublikation: 15.09.2026, 14:47 Uhr.
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- Wie lange wird die Abweichung der Depotzusammensetzung von Weltindizes anhalten?
- Welche spezifischen Faktoren führen dazu, dass Vermögensverwalter stärker auf deutsche Aktien setzen?
- Wie werden sich die genannten Aktien langfristig entwickeln angesichts der erwähnten Risiken und Chancen?







