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Audi: VW stößt Untersuchung zu Döllners Auftritt mit Trump auf Wahlkampfbühne an
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Handelsblatt21 minutes agoBusiness4 min readGermanyView translation

Audi: VW stößt Untersuchung zu Döllners Auftritt mit Trump auf Wahlkampfbühne an

Untersuchung zu möglichem Fehlverhalten von Audi-Chef Gernot Döllner und Aufsichtsratschef Manfred Döss nach Wahlkampfauftritt mit Donald Trump.

Quick Look

  • Volkswagen leitet eine Untersuchung zu möglichen Regelverstößen bei Audis US-Fabrikplänen ein.
  • Im Fokus stehen Audi-Chef Gernot Döllner und Aufsichtsratschef Manfred Döss nach einem umstrittenen Wahlkampfauftritt mit Donald Trump in Georgia.

AI-generated summary

Why It Matters

Audi plant den Bau eines US-Werks in Georgia. Ein gemeinsamer Auftritt von Audi-Chef Döllner mit Donald Trump löste interne Compliance-Prüfungen aus.

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VW bereitet eine Untersuchung zu möglichen Regelverstößen bei Audis US-Werk vor, die auch das Verhalten von Audi-Chef Gernot Döllner und Aufsichtsratschef Manfred Döss prüft.

Die Untersuchung soll klären, ob Döllner und Döss die zuständigen Gremien über das Investitionsprojekt ausreichend informiert haben und ob eine Ausnahme von internen Regeln für den Wahlkampfauftritt mit Trump gerechtfertigt war.

Döss ist zugleich für Integrität und Recht im Volkswagen-Vorstand verantwortlich, was die Untersuchung der Vorgänge besonders brisant macht.

Audi kann laut Verträgen den Bau der Fabrik noch zurückziehen, hält sich aber auch eine mögliche Erweiterung mit zusätzlichen Investitionen und Arbeitsplätzen offen.

Düsseldorf. Der gemeinsame Auftritt mit US-Präsident Donald Trump sollte für Audi den Weg zur ersten eigenen US-Fabrik ebnen. Jetzt beschäftigt er die Kontrolleure des VW-Konzerns. Audi ist eine hundertprozentige Tochter des zweitgrößten Autobauers der Welt.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen ist eine Untersuchung zu möglichen Regelverstößen im Zusammenhang mit Audis US-Plänen in Vorbereitung. Dabei dürfte auch das Vorgehen von Audi-Chef Gernot Döllner und Audis Aufsichtsratsvorsitzendem Manfred Döss in den Blick geraten.

Zu klären ist unter anderem, ob Döllner und Döss die zuständigen Gremien vor der Reise ausreichend über die Verhandlungen informiert haben und ob der Audi-Chef das Werk ohne deren Zustimmung in dieser Form ankündigen durfte.

Nach Angaben eines Insiders sind im Hinweisgebersystem des Konzerns mehrere Meldungen zu dem Vorgang eingegangen. Eine erste Plausibilitätsprüfung hat demnach bereits stattgefunden. Für die weitere Aufklärung sollen externe Fachleute hinzugezogen werden. Ob eine Kanzlei bereits beauftragt ist und mit der Untersuchung begonnen hat, ist bislang nicht bekannt.

In der kommenden Woche soll eine Aufsichtsratssitzung zu dem Thema einberufen werden. Eine Einladung dazu steht noch aus. Auch könnte der Termin noch einmal verschoben werden.

Treiber der Untersuchung soll nach Angaben aus Konzernkreisen die Arbeitnehmerseite sein. Ein Sprecher des Aufsichtsrats bei VW und eine Sprecherin von Audi lehnten eine Stellungnahme ab. Auch ein Sprecher des Konzernbetriebsrats wollte sich nicht äußern.

Zuständig wäre der Prüfungsausschuss des obersten Kontrollgremiums von Europas mächtigstem Autokonzern, den die familiennahe österreichische Managerin Marianne Heiß führt. Die anvisierte Untersuchung reicht über den Streit über einen politisch umstrittenen Auftritt hinaus. Es geht darum, ob die Audi-Spitze interne Regeln eingehalten und die zuständigen Kontrollgremien ausreichend eingebunden hat.

Döllner hatte am 24. Oktober gemeinsam mit US-Präsident Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia Pläne für Audis erstes US-Werk vorgestellt. Die Fabrik soll Anfang der 2030er-Jahre eröffnen. Doch weder die Finanzierung des Vorhabens noch die dafür entscheidenden Zollerleichterungen sind abschließend gesichert.

Über die milliardenschwere Investition muss der Aufsichtsrat von Volkswagen entscheiden. Das Gesamtgremium ist nach Handelsblatt-Informationen bislang nicht offiziell über die US-Pläne unterrichtet worden. Lediglich das achtköpfige Präsidium erhielt am 23. Oktober, zwei Tage vor Döllners Auftritt, bei einem informellen Treffen einen ersten, rudimentären Überblick.

Der genaue Umfang der bevorstehenden Untersuchung steht nach Angaben aus Konzernkreisen noch nicht fest. Diese kann auch zu dem Ergebnis kommen, dass Döllner und Döss regelkonform gehandelt haben. Bei dem Wahlkampftermin anwesend waren neben Döllner und Döss auch Audis Produktionschef Gerd Walker sowie Marco Schubert, neuer Nordamerika-Chef des Konzerns, der zuvor den Vertrieb von Audi geleitet hat.

Bei Audi musste Döllner die Vorgänge bereits in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung erläutern. Brisant ist dabei auch die Rolle von Manfred Döss. Der Audi-Aufsichtsratschef ist zugleich im Volkswagen-Vorstand für Integrität und Recht zuständig. Damit steht ausgerechnet das Vorgehen jenes Managers zur Debatte, der auf Konzernebene über die Einhaltung der Regeln wachen soll.

Im Zentrum der Kritik steht Audis „Booklet of Policies“. Darin verpflichtet sich das Unternehmen zur Neutralität im Umgang mit Parteien und Interessenvertretungen. In den letzten drei Monaten vor einer Wahl sind öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Parteien oder Politikern sowie das Sponsoring entsprechender Veranstaltungen untersagt.

Döllner trat dagegen gut eine Woche vor den US-Zwischenwahlen an Trumps Seite auf. Um die Teilnahme zu ermöglichen, soll sich der Audi-Chef zuvor die Zustimmung seiner Vorstandskollegen zu einer Ausnahme eingeholt haben. In Audi-Kreisen wird dieses Vorgehen verteidigt: Von unternehmensinternen Regeln könne grundsätzlich abgewichen werden, solange dabei nicht gegen geltendes Recht verstoßen werde.

Fraglich ist jedoch, wer eine solche Ausnahme genehmigen darf – und welche Kontrollgremien davon erfahren müssen. „Das ist auch für die Zukunft entscheidend“, sagt ein Entscheider. So soll mit der Untersuchung geklärt werden, ob die Verantwortlichen im Unternehmensinteresse und innerhalb ihrer Befugnisse gehandelt haben.

Wie verbindlich Audis US-Pläne bislang sind, zeigen Vertragsunterlagen, über die das Handelsblatt berichtet hat. Demnach könnte der Autobauer auch nach Unterzeichnung des Ansiedlungsvertrags noch aussteigen, wenn die Prüfung des Grundstücks aus seiner Sicht unbefriedigend ausfällt. Dieses Recht gilt bis zum Vollzug des Geschäfts, den die Parteien für Mitte 2027 anstreben.

Zugleich sichert sich Audi Spielraum für einen Ausbau: Bis Ende 2033 kann das Unternehmen eine zweite Phase mit weiteren drei Milliarden Dollar Investitionen und 3000 zusätzlichen Arbeitsplätzen aktivieren. Die Unterlagen beschreiben damit sowohl einen möglichen Rückzug als auch eine deutlich größere Fabrik. Ob und in welchem Umfang Audi die Pläne umsetzt, bleibt offen. Ungewöhnlich ist ein solches Vorgehen nicht. Auch an anderen Standorten sind Erweiterungsoptionen vertraglich festgehalten.

Nach den bisherigen Plänen sollen nahe der Stadt Macon jährlich 200.000 Geländewagen entstehen und 4500 Menschen arbeiten. Audi wollte sich zu den vertraglichen Details des Deals nicht äußern und verwies auf die Vertraulichkeit der Vereinbarung und der Gespräche mit der US-Regierung.

Insgesamt veranschlagt Audi für das Werk in seiner ersten Ausbaustufe vier Milliarden Dollar. Georgia fördert das Vorhaben mit knapp einer Milliarde, dazu kommen Bundesmittel in unbekannter Höhe und möglicherweise Zollerleichterungen für Audi. „Ohne Zollerleichterungen wird Audi kein Werk in den USA bauen“, sagt ein Insider.

Nach Handelsblatt-Informationen erhielt Audi von US-Handelsminister Howard Lutnick eine mündliche Zusage für Entlastungen im Falle einer Investition. Voraussetzung dafür soll gewesen sein, dass Döllner das Werk gemeinsam mit Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung vorstellt.

Nach Handelsblatt-Informationen drängte Audi auf eine Halbierung des Zollsatzes für EU-Importe von 15 auf 7,5 Prozent. Erwartet werde eine Einigung auf etwa zehn Prozent. „Unter einen zweistelligen Wert will Trump nicht gehen“, sagte ein Insider kurz nach den Gesprächen. Welche Modelle und Konzernmarken von einer solchen Regelung profitieren könnten und unter welchen Bedingungen, ist weiter offen.

Nach den Zwischenwahlen hat sich die politische Ausgangslage verändert. In Georgia verteidigte der Demokrat Jon Ossoff seinen Senatssitz. Mit Keisha Lance Bottoms gewannen die Demokraten auch das Gouverneursamt.

Auch Bottoms dürfte Interesse an einer milliardenschweren Fabrik und Tausenden Arbeitsplätzen haben. Über die entscheidenden Zollerleichterungen befindet allerdings die Bundesregierung in Washington.

Offen ist, ob und wann Trump die in Aussicht gestellten Entlastungen verbindlich umsetzt – und welche Rolle dabei der Wahlausgang in Georgia spielt. Eine Antwort des Weißen Hauses auf eine Anfrage des Handelsblatts steht noch aus.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Einberufung einer Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche.

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Wird eine externe Kanzlei die Untersuchung leiten?
  • Wie reagiert der VW-Aufsichtsrat offiziell?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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