Ausverkauf an den Anleihemärkten: US-Rendite knackt Fünf-Prozent-Marke
Weltweiter Ausverkauf staatlicher Anleihen beschleunigt sich. Zehnjährige US-Anleihen erreichen Renditen von über fünf Prozent – Höchststand seit 2007.
Quick Look
- Weltweit fallen staatliche Anleihenkurse rapide, während US-Renditen auf über 5 Prozent steigen – den höchsten Wert seit der Finanzkrise 2007.
- Inflations- und Zinssorgen sowie steigende US-Schulden treiben die Zinsen, was auch Baufinanzierungen verteuert.
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Why It Matters
Steigende Inflation und geopolitische Konflikte belasten die globalen Finanzmärkte und führen zu geldpolitischen Straffungen.
Weltweit fallen die Kurse staatlicher Anleihen weiter. Zuletzt hat sich der Ausverkauf deutlich beschleunigt. Im Gegenzug kletterte die Rendite zehnjähriger US-Anleihen heute bis auf 5,025 Prozent. Das ist der höchste Stand seit der Finanzkrise von 2007. Seit Beginn des Iran-Krieges ist die Rendite schon um mehr als einen Prozentpunkt gestiegen.
Auch am deutschen Anleihemarkt herrscht Krisenstimmung. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte mit 3,57 Prozent ein Mehrjahreshoch. Ende Februar lag diese noch bei 2,6 Prozent.
Da die Staatsanleihen einen festen Zins bieten, ergibt sich aus den fallenden Anleihekursen für die Käuferinnen und Käufer eine höhere Rendite der Papiere.
Inflations- und Zinssorgen verfestigt
Hinter dem Ausverkauf am Anleihemarkt stehen die zuletzt wieder verstärkten Inflationssorgen infolge des Iran-Krieges. Mit den steigenden Ölpreisen ziehen die Verbraucherpreise an, und Ökonomen erwarten mittlerweile eine höhere und länger anhaltende Teuerung sowie steigende Leitzinsen der Zentralbanken. Während die Europäische Zentralbank ihren Leitzins vergangene Woche erhöht hat, um die Inflation einzudämmen, erwarten die Märkte für morgen eine Zinsanhebung der US-Notenbank Federal Reserve.
Zwangsläufig steigen mit den Inflationserwartungen auch die Zinsen am "langen Ende", also am Anleihemarkt. Liegt die Inflation wie derzeit bei rund drei Prozent, erwarten die Käuferinnen und Käufer von Anleihen höhere Renditen, um ihren Kaufkraftverlust auszugleichen.
Ein weiterer Grund für den heftigen Renditeanstieg sind die Sorgen um die wachsende Verschuldung in einigen Industriestaaten, allen voran in den USA. Der Schuldenberg dort hat jüngst die Marke von 40 Billionen Dollar überstiegen. Auch für das damit zunehmende Ausfallrisiko wollen die Gläubiger, also die Anleihekäufer, mit höheren Renditen entschädigt werden.
An den Finanzmärkten hat sich damit die Erwartung dauerhaft höherer Zinsen verfestigt.
Bauzinsen ziehen deutlich an
Die veränderte Zinslandschaft hat weitreichende Folgen. Für die Finanzministerinnen und Finanzminister sind die steigenden Renditen ein erhebliches Problem, da sie die Neuaufnahme von Schulden stark verteuern.
Und während Anleihekäufer und Sparer mit höheren Erträgen rechnen können - vor Abzug der Inflation, versteht sich - schlagen die höheren Renditen direkt auf Immobilienkäufer und Bauherren durch. Denn die Bauzinsen orientieren sich an den zehnjährigen Bundesanleihen.
Zuletzt haben die Zinsen für Baufinanzierungen mit zehn Jahren Zinsbindung laut der Analysefirma Barkow Consulting rund 4,25 Prozent erreicht - Tendenz weiter steigend. "Wir nähern uns bei den Bauzinsen langsam den möglichen 4,5 Prozent", meint Max Herbst, Gründer der Frankfurter FMH-Finanzberatung.
DAX macht Verluste nahezu wett
Angesichts der Entwicklung am Anleihemarkt hält sich der Aktienmarkt noch recht stabil. Nach Verlusten von bis zu einem Prozent hat sich der DAX bis zum frühen Nachmittag wieder erholt und fast das Vortagesniveau erreicht.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Zinsanhebung der US-Notenbank Federal Reserve
Very likely · Within days
Open Questions
- Wie reagiert die Fed bei der Zinssitzung?
- Wie stark steigen die Bauzinsen weiter?







