
AI-generated summary
Die deutsche Autoindustrie investiert seit Jahren in Ungarn aufgrund niedrigerer Löhne, Steuern und Energiekosten. BMW baute dort ein Werk für die Produktion des iX3 und später der „Neuen Klasse“. Der Fachkräftemangel macht die Qualifizierung lokaler Arbeiter und den Einsatz deutscher Mitarbeiter notwendig.
Die deutsche Autoindustrie hat in den vergangenen Jahren viele Milliarden in Ungarn investiert. Nun stößt die Branche dort auf Probleme. BMW greift zu einer ungewöhnlichen Lösung.
BMW-Produktion in Debrecen: Deutsche Hilfe im ungarischen Werk. Foto: BMW Group
BMW fliegt seit Monaten Mitarbeiter aus deutschen Werken nach Debrecen, Ungarn, um vor Ort Arbeiter für die Produktion des Elektro-SUV iX3 zu qualifizieren und Personalmangel auszugleichen.
Die Produktion im ungarischen Werk läuft im Dreischichtbetrieb, mit einer Kapazität von 150.000 Autos jährlich; das Werk hat im Hochlauf drei Schichten in neun Monaten eingeführt.
BMW plant bis Ende nächsten Jahres den Abbau von bis zu 8000 Jobs in Deutschland, während in Ungarn die Produktion ausgebaut wird.
Debrecen beschäftigt inzwischen mehr als 5000 Mitarbeiter, doch Fachkräftemangel bleibt ein Problem, weshalb BMW auch ungarische Bewerber ohne Vorkenntnisse einstellt und intensiv schult.
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Düsseldorf. Die Passagiere des Lufthansa-Flugs Nummer 1600 mussten sich am vergangenen Montag gedulden. Mehr als eine Stunde später als geplant verließ der Flieger den Flughafen München und machte sich auf den Weg Richtung Debrecen. Mit an Bord: Mitarbeiter des heimischen Autobauers BMW.
Der Konzern schickt seit Monaten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seiner deutschen Standorte mehrmals in der Woche nach Ungarn und wieder zurück. Das berichten Konzerninsider dem Handelsblatt. „Unsere Leute aus München, anderen bayerischen Werken und Leipzig fliegen dorthin“, sagt ein Arbeitnehmervertreter.
Ein Grund: Ohne die deutschen Mitarbeiter kann BMW aktuell die Produktion in seinem Vorzeigewerk im ungarischen Debrecen, nahe der rumänischen Grenze, nicht hochfahren. In dem Werk baut BMW das beliebte Elektro-SUV iX3. Die Münchener finden vor Ort nicht genügend ausgebildete Fachkräfte.
Die deutschen Kolleginnen und Kollegen werden unter anderem dazu eingeflogen, die Werker vor Ort zu qualifizieren. Einige Insider sprechen von einem noch höheren Anteil von Deutschen in Ungarn. „Das sind viel mehr, als in ein Flugzeug passen“, heißt es von einem Entscheider.
Die Maschinen, die aus München Richtung Ungarn abheben, sind deswegen in letzter Zeit gut gefüllt, vor allem zu Wochenbeginn. Montags sind die Flüge meist ausgebucht. In den Maschinen des Modells Airbus 321 haben laut der Lufthansa bis zu 200 Passagiere Platz. Zu den Kosten, die dafür anfallen, macht BMW gegenüber dem Handelsblatt keine Angaben. Teuer dürfte es für den Konzern allenfalls sein.
Wahlheimat Ungarn
Die deutsche Autoindustrie hat in den vergangenen Monaten osteuropäische Standorte als neue Wahlheimat auserkoren. Während Volkswagen, Mercedes und BMW hierzulande Stellen streichen, haben die Konzerne in den vergangenen Jahren massiv in Ungarn investiert.
Die Kosten sind einer der wichtigsten Gründe, warum die deutsche Autoindustrie Kapazitäten in Ungarn hochgezogen hat. Das Land lockte die Konzerne mit deutlich niedrigeren Steuern, Abgaben, Löhnen und Energiekosten als in Deutschland. Laut Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist die Arbeitsstunde in Deutschland knapp dreimal so teuer wie in Ungarn.
» Lesen Sie auch: „Osteuropa ist in allen Dimensionen attraktiver“ – Auch Premium-Autohersteller verlagern die Produktion
Mercedes verdoppelt deswegen seine Kapazität in Kecskemét von 200.000 auf 400.000 Einheiten. Damit wird es das größte europäische Werk der Stuttgarter. Mercedes-Chef Ola Källenius, mitten im Sparkampf mit den Arbeitnehmervertretern, weist regelmäßig auf die niedrigeren Kosten vor Ort hin.
BMW hat dort vor gut einem Jahr sein jüngstes und innovativstes Autowerk feierlich in Betrieb genommen. Ex-BMW-Chef Oliver Zipse, der den ersten BMW-Standort in Osteuropa eröffnet hat, fand zur Einweihung lobende Worte.
Bis vor einigen Jahren hatten vor allem Volumenmarken wie Volkswagen Osteuropa erschlossen. Nun setzen auch Premiummarken wie BMW und Mercedes auf die Niedriglohnländer. Mercedes spricht von insgesamt 70 Prozent niedrigeren Produktionskosten in Ungarn als in Deutschland. Konzernchef Ola Källenius sagte: „Es ist in allen Dimensionen attraktiver, in Osteuropa als in Westeuropa zu investieren.“ Das Land hat industrielle Kapazitäten angezogen wie kaum ein anderes in Europa.
Werksgelände in Debrecen: Wichtiger Standort. Foto: BMW
Wie wichtig der Standort Ungarn den Autokonzernen ist, zeigt auch die Terminierung von wichtigen Aufsichtsratssitzungen. Sowohl BMW als auch Mercedes haben in den vergangenen Monaten Treffen der jeweiligen Gremien in ihren ungarischen Werken veranstaltet.
Fachkräfteproblem zeichnete sich ab
Schwierig ist allerdings für die Konzerne, ausreichend geeignete Fachkräfte zu finden. Die Autokonzerne müssen – wie im Falle von BMW – mitunter viel Geld in die Hand nehmen, um die personelle Grundlage für ihre Produktion zu schaffen. Auch bei Mercedes schulen hochqualifizierte Fach- oder Führungskräfte aus dem Stammland, sogenannte Expats, die neuen Mitarbeiter aus Ungarn.
Dass zahlreiche BMWler nach Debrecen geflogen werden, ist schon seit mindestens zwei Jahren so. Beim Bau des Werks brauchte der Konzern die geballte Ingenieurskompetenz aus der Heimat. Schon damals zeichnete sich ab: Wenn das Werk fertiggestellt ist, dürften ausgerechnet Arbeitskräfte knapp werden.
Bereits 2024 war am Arbeitsmarkt in Debrecen kaum qualifiziertes Personal zu finden. Außerdem fielen wegen des Kriegs in der benachbarten Ukraine deren Staatsbürger als Fachkräfte weg. Arbeiter aus dem nicht weit entfernten Rumänien waren politisch nicht gerne gesehen. Für die Regierung steht die ungarische Arbeiterschaft an erster Stelle, „weshalb das Parlament ein strengeres Einwanderungsgesetz als je zuvor verabschiedet hat“, erklärt István Joó, Chef der staatlichen Investmentbehörde HIPA.
Produktion in Debrecen: Modernstes BMW-Fahrzeugwerk. Foto: BMW
Wie das Handelsblatt damals berichtete, schickte BMW einen Bewerberbus durch das ganze Land. Der Konzern stellte auch Ungarn ohne große Vorkenntnisse ein. Ihnen muss der Hersteller beibringen, wie man Autos baut. Das erste fertige Gebäude am Werksgelände war das Trainingszentrum der Lehrlinge.
Und der Kampf um die qualifizierten Ungarn dürfte sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen. Denn angesichts der drohenden Zölle siedeln sich zunehmend chinesische Automobilhersteller in Ungarn an. Das Werk von BYD, dem größten Hersteller aus der Volksrepublik, im Südosten des Landes soll noch in diesem Jahr mit der Produktion starten. Bis zum Ende des Jahrzehnts will der Konzern in Europa rund 40.000 Beschäftigte zählen.
Die für die Autoindustrie zuständige Gewerkschaft IG Metall kritisiert die zunehmende Verlagerung der deutschen Konzerne in den Osten Europas. Die Fachkräftedichte sei eben doch ein wichtiges Argument für den Autostandort Deutschland, sagt ein Gewerkschafter.
Ungarn ist gemessen an der Einwohnerzahl kleiner als die Heimatländer von BMW und Mercedes. Dort leben knapp unter zehn Millionen Menschen. In Bayern sind es rund 13 Millionen, in Baden-Württemberg rund elf.
Hohe Investments
Mercedes hat in den vergangenen vier Jahren eine Milliarde Euro in das ungarische Werk investiert, die Münchener mehr als zwei Milliarden Euro. Erstmals in der Konzerngeschichte rollen die Fabrikate des Herstellers in Ungarn vom Band. Die Fabrik ist für den Erfolg des Konzerns essenziell. Und sie arbeitet am Limit.
Denn dort laufen die stark nachgefragten ersten Modelle von BMWs neuer Elektroplattform „Neue Klasse“ im Rahmen der größten Modelloffensive der Unternehmensgeschichte vom Band.
Das Werk in Debrecen produziert seit Anfang des Jahres das erste „Neue Klasse“-Modell des Herstellers, den iX3. Das Modell ist beliebt: Mehr als 100.000-mal haben Kundinnen und Kunden das Auto bereits vorbestellt, mehr als 30.000 Einheiten hat BMW bereits ausgeliefert. Eine solche Nachfrage ist für ein Werk im Hochlauf kein leichtes Unterfangen. Aus dem Konzernumfeld heißt es, dass selbst in München einige von der starken Nachfrage „überrascht“ gewesen seien.
» Lesen Sie auch: Diese beiden SUVs entscheiden die Aufholjagd von BMW und Mercedes – einer liegt deutlich vorne
Mit der „Neuen Klasse“ will der Konzern aus der Krise kommen. Die von Grund auf neu gedachte Elektroplattform und die damit verbundenen Technologien sind die Basis für die kommenden Autos. Gleichzeitig baut BMW in Deutschland Konzernkreisen zufolge bis zum Ende des nächsten Jahres bis zu 8000 Jobs ab. Davon sind aber ausschließlich „indirekte Bereiche“ betroffen, also nicht die Autoproduktion.
Drei Schichten in Rekordzeit
Die Serienproduktion des Modells startete vor rund einem Jahr. Innerhalb von neun Monaten hat BMW drei Schichten eingeführt, Rekord für ein neues BMW‑Werk. Im Dreischichtbetrieb wird rund um die Uhr gearbeitet, um die Modelle für die europäische Kundschaft zu montieren. 150.000 Autos kann das Werk laut dem Konzern pro Jahr fertigen. Eine Erweiterung in Debrecen wäre zumindest räumlich machbar. Auf der Fläche des Werks könnte eine insgesamt doppelt so große Produktion entstehen. Das dürfte aber auch von der Personalsituation abhängen.
BMW verweist darauf, dass der temporäre Einsatz internationaler Mitarbeiter beim Hochlauf neuer Werke oder Produkte ohnehin eingeplant ist. Das sei schon beim Aufbau und Hochlauf der Werke in Mexiko und China der Fall gewesen. Damit verfolgt das Unternehmen zwei übergeordnete Ziele: die Qualifizierung und Befähigung der Belegschaft vor Ort und auch den Wissenstransfer zurück in das Produktionsnetzwerk. Die Intensität variiert laut dem Hersteller dabei nach Reife des Standorts.
Dabei ist das Werk in Ungarn von besonders hoher Relevanz für den Konzern. Der Konzern spricht von einer „Pionierrolle“. Denn erstmals baut BMW dort auf der neuen Elektroarchitektur der „Neuen Klasse“ ein Auto. Mitarbeiter aus anderen Autofabriken sind temporär in Ungarn tätig, um sich mit den neuen Produktionssystemen und Anlagen vertraut zu machen.
„In Summe profitiert das Werk Debrecen also vom Wissen des weltweiten Produktionsnetzwerks und liefert gleichzeitig wichtige Erkenntnisse für die Einführung der Neuen Klasse an weiteren Produktionsstandorten“, teilt BMW mit. Angesichts des schnellen und global parallelen Hochlaufs der Neuen Klasse sei der Transfer enorm wichtig.
Inzwischen sind laut BMW am Standort Debrecen mehr als 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Zu „tiefergehenden Mitarbeiterdaten“ macht der Dax-Konzern keine Angaben.
Produktion des 50.000. iX3 in Ungarn: Das Modell verkauft sich gut. Foto: BMW
Laut den Plänen des Flughafens München geht der Montagsbetrieb noch weiter bis Mitte März. Wie gewohnt um 6.30 Uhr und 11.30 Uhr heben die Maschinen gen Osten ab. Auch die restlichen Flüge aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Debrecen werden weiterhin betrieben. Derzeit landen an beinahe jedem Tag der Woche BMW-Mitarbeiterinnen und ‑Mitarbeiter am Flughafen Debrecen.
Damit bleibt die Taktung hoch. Laut den Plänen der Airports der drei Städte und Daten des Portals Flightradar 24 wurde Debrecen alleine in der Woche vom fünften Oktober sechsmal von München und Leipzig aus angeflogen.
Umbau, Hochlauf und neue Modelle in Deutschland
Parallel zum Hochlauf in Ostungarn produziert BMW derzeit in einigen deutschen Werken weniger. Das liegt aber nicht nur an einer niedrigeren Nachfrage nach manchen Modellen.
Verwandte Themen
BMWUngarnDeutschlandOla KälleniusLufthansa
Das Münchener Werk fährt gerade die Produktion der neuen Elektrolimousine der „Neuen Klasse“, des i3, hoch. Das hatten damals auch die Arbeitnehmer gefordert. Weil in Ungarn die Arbeitsstunde deutlich weniger kostet als in München, sollte das Stammwerk wenigstens technisch konkurrenzfähig bleiben.
Dingolfing hat den Zuschlag für dessen Verbrennerpendant, den 3er, erhalten, um eine gute Auslastung zu sichern. Für die Kapazitäten des neuen 3ers hat der Autobauer eigenen Angaben zufolge gut zwei Milliarden Euro investiert. Das Werk in Leipzig ging im Sommer für wenige Wochen in die Sommerpause, um es für die Produktion der „Neuen Klasse“ vorzubereiten. Dort dürfte künftig die vollelektrische Variante des 1ers vom Band laufen.
Mehr: Zu viele Zugriffe: BMW-Portal bricht nach Veröffentlichung von Abfindungsangeboten zusammen
Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.
Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige
remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
AI outlook — possibilities, not facts
BMW wird die Produktion des iX3 im Werk Debrecen bis Ende nächsten Jahres auf volle Kapazität von 150.000 Autos jährlich steigern.
Likely · Within months
Der Fachkräftemangel in Debrecen wird sich in den kommenden Jahren verschärfen aufgrund der Ansiedlung weiterer Automobilhersteller wie BYD.
Likely · Within years
BMW wird den Abbau von bis zu 8000 Jobs in Deutschland bis Ende nächsten Jahres weitgehend umsetzen, hauptsächlich in indirekten Bereichen.
Very likely · Within months

Volkswagen is preparing a further recall of several thousand ID family electric cars in Germany after internal quality tests found faulty high-voltage battery cells in certain models between 2023 and 2025. Those affected include the ID.3, ID.4, ID.7 and ID. Buzz and the Cupra Born. As an immediate measure, charging will be limited to a maximum of 80 percent, and affected customers will be informed in writing.
VW is preparing to recall several thousand vehicles from the ID. family in Germany after internal quality tests discovered faulty high-voltage battery cells due to production errors at suppliers. In rare cases, this could lead to increased thermal stress and, in extreme cases, fire. As an immediate measure, charging will be limited to 80 percent. Recalls are already underway in Great Britain and the USA, with over 22,000 ID.4s affected in the USA. The recall follows a million-dollar recall at the end of September due to a corrosion-prone screw on the steering.
Germany and France have agreed on a common position that envisages a further relaxation of the ban on internal combustion engines by 2035 and includes Great Britain in the definition of "made in Europe".

Tesla is planning to expand its factory in Grünheide with a new production hall. The goal is to double production capacity to one million vehicles annually and to hire a total of 3,500 new employees.

In the draft budget for 2027, the federal government is planning a drastic cut in e-bus funding from around 403 to around 130 million euros. Transport associations warn of the failure of European climate targets and damage to German manufacturers.

The use of emergency call boxes on German motorways is declining sharply due to widespread mobile phone use. Autobahn GmbH is therefore examining the continued existence of the system in order to reduce costs while maintaining traffic safety. There are still around 17,000 columns nationwide, the maintenance of which cost 4.5 million euros in 2025.