Basketball-Nationalspielerin Alexandra Wilke im Interview vor der Heim-WM
Im Auftaktspiel trifft Deutschland auf Spanien. Nationalspielerin Alexandra Wilke spricht über Vorfreude, fehlende Leistungsträgerinnen und ihre parallele Karriere als Lehrerin.
Quick Look
Basketball-Nationalspielerin Alexandra Wilke spricht vor dem WM-Auftakt gegen Spanien über die Vorfreude auf das Turnier in Berlin, die Integration von WNBA-Spielerinnen und ihre parallele Laufbahn als Sport- und Mathematiklehrerin.
AI-generated summary
Why It Matters
Die Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen beginnt am Freitagabend mit dem Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Spanien in Berlin.
Alexandra Wilke, 29, ist Guard bei den Rutronik Stars Keltern. 2026 wurde sie zur besten Spielerin der Bundesliga gewählt. Vor Kurzem hat Wilke ihr Referendariat beendet, nach der WM wird sie an einem Karlsruher Gymnasium Sport und Mathe unterrichten. Am Freitagabend beginnt für sie die WM mit dem Auftaktspiel gegen Spanien (17.45 Uhr, live auf MagentaSport und ProSieben).
DIE ZEIT: Frau Wilke, sind Sie so kurz vor der Heim-WM angespannt, oder spüren Sie mehr Vorfreude?
Alexandra Wilke: Ich glaube, dass manche im Team bestimmt auch viel Anspannung spüren. Die WM ist ja ein riesiges Ereignis, und wir haben natürlich auch Ansprüche an uns selbst, die wir erfüllen wollen. Aber bei mir überwiegt definitiv die Vorfreude. Als Kind war ich oft in der Max-Schmeling-Halle bei Alba Berlin, da habe ich immer gesagt: In so einer großen Halle will ich auch mal spielen. Das war mein Traum. Und jetzt spiele ich in dieser Halle eine WM.
ZEIT: Einige der wichtigsten deutschen Spielerinnen – Leonie Fiebich und Frieda Bühner – sind erst kurz vor Turnierbeginn aus der nordamerikanischen WNBA gestoßen. Wie bereitet man sich vor, wenn entscheidende Spielerinnen fehlen?
Wilke: Vor Olympia war das auch schon so. In der Vorbereitung spielt ein komplett anderes Team. Das heißt auch, dass viele während der WM ganz andere Rollen einnehmen werden als bei den Testspielen. Aber das geht den anderen Topteams genauso. Und unsere Spielerinnen, die in den USA aktiv sind, haben ein so hohes Level, die werden nicht lange brauchen, um reinzufinden und unser Team besser zu machen.
ZEIT: Wird sich auch Ihre Rolle ändern?
Wilke: Auf jeden Fall. Leo Fiebich wird auf meiner Position spielen – und Leo ist unsere beste Spielerin. Aber das ist okay, ich hatte auch in den Testspielen unterschiedliche Rollen.
ZEIT: Fiebich wurde mit New York Liberty 2024 WNBA‑Champion. Was macht sie so gut?
Wilke: Leo zeichnet aus, dass sie einfach alles kann. Sie kann von den Positionen eins bis vier alle verteidigen, wahrscheinlich sogar die größte, die Centerposition. Offensiv kann sie auch alles. Sie kann aufposten, also mit dem Rücken zum Korb punkten. Sie ist aber auch unsere beste Werferin. Und sie hat einen richtig hohen Spiel-IQ. Ich wüsste nicht, was sie nicht kann.
ZEIT: Die drei Testspiele gegen Ungarn, die Türkei und Spanien, Ihren ersten Gruppeneggner, haben Sie alle knapp verloren. Macht Ihnen das Sorgen?
Wilke: Es ist nicht so, als würde das in unseren Köpfen gar keine Rolle spielen. Wir müssen das nicht beschönigen, wir hätten schon gerne mal ein Spiel gewonnen. Aber wir haben jetzt keine Angst vor Spanien, weil wir einmal gegen die verloren haben. Wir wissen, dass wir Schritte nach vorn gemacht haben, und in Testspielen wird viel ausprobiert. Deshalb darf man das auch nicht überbewerten.
ZEIT: Auffällig war, dass viele Gegnerinnen früh Druck aufbauten und über das ganze Feld aggressiv verteidigten. Damit kam die Mannschaft nicht gut klar. Haben Sie dafür eine Lösung gefunden?
Wilke: Gerade gegen die Türkei war das auffällig. Da wussten wir nicht so recht, wer wo hinläuft. Weil wir davon ausgehen, dass uns jetzt alle Teams so unter Druck setzen wollen, haben wir uns damit die letzten Tage intensiv beschäftigt. Im Training haben wir uns verschiedene Möglichkeiten angeschaut, wie wir die ballführende Spielerin nicht allein lassen, sondern als Team den Ball nach vorne bringen.
ZEIT: Wie viel Nyara Sabally spielen kann, ist noch unklar. Ihre Schwester Satou, eine der besten deutschen Spielerinnen, kann wegen einer Gehirnerschütterung definitiv nicht dabei sein. Was fehlt dem Team ohne sie?
Wilke: Satou ist unfassbar talentiert, eine unserer besten Offensivspielerinnen. Sie wäre eine weitere Scoringgefahr neben Leo Fiebich gewesen. Solche Spielerinnen muss man extrem hart verteidigen, das schafft Räume für uns andere. Die müssen wir nun anders kreieren.
ZEIT: Was ist denn die schwerere Aufgabe für Sie – den Kindern am Gymnasium Mathe beizubringen oder am Freitag beim Auftaktspiel vor 14.000 Fans die Ruhe zu bewahren?
Wilke: Boah, gute Frage. Beides kann schon herausfordernd sein, aber der Spaß an der Sache überwiegt.
ZEIT: Sie haben vor Kurzem Ihr Referendariat abgeschlossen, fangen im neuen Schuljahr an einem Gymnasium an. Wie bringen Sie die beiden Jobs unter einen Hut?
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Auftaktspiel der Heim-WM gegen Spanien am Freitagabend
Very likely · Within days
Open Questions
- Wie wird sich die deutsche Mannschaft ohne Satou Sabally im Turnier schlagen?
- Wie gut kann Alexandra Wilke ihre Lehrerlaufbahn mit dem Profisport vereinbaren?

