
Oberbürgermeister Hanno Benz setzt die Planungen für das umstrittene Bauprojekt vorerst aus, um das Konzept grundlegend zu prüfen.
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Die Mathildenhöhe ist ein historisches Ensemble und Weltkulturerbe. Seit zehn Jahren gibt es Pläne für ein Besucherzentrum, die bisher auf breite politische Zustimmung stießen, aber von Aktivisten scharf kritisiert wurden.
Nach den Sommerferien beginnt die Stadtpolitik in Darmstadt mit einem Paukenschlag. Für die Arbeiten am Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe wird ein Baustopp erlassen. So hat es der SPD-Oberbürgermeister Hanno Benz am Montag verkündet. Das Ensemble historischer Bauten ist der größte Schatz der Stadt, die Mathildenhöhe gehört zu den wichtigsten Beispielen der ganzen Welt für den Baustil der Jugendstilzeit. Seit zehn Jahren wird ein Besucherzentrum geplant, weil die Stadt sich eine Anlaufstelle wünscht, um Schüler und Kulturtouristen gebührend zu empfangen.
Davon rückt der Oberbürgermeister auch nicht völlig ab. Benz spricht sich nicht grundsätzlich gegen einen Neubau aus. Nach seiner Auffassung muss aber zuerst geklärt werden, was genau dort passieren soll, wie man die Mathildenhöhe erklären will. Erst dann könne entschieden werden, ob ein neues Gebäude gebraucht werde und wie groß es werden solle, so argumentiert der Rathauschef.
Die bisherigen Pläne für ein Besucherzentrum wurden von einer breiten Mehrheit des Stadtparlaments befürwortet. Dennoch ist das Vorhaben umstritten. Gegner wollten die Vorarbeiten, das Roden von Bäumen auf dem Osthang der Mathildenhöhe, verhindern und besetzten den Bauplatz, harrten dort im Winter monatelang aus. Die Stadt ließ schließlich den Bauplatz von der Polizei räumen und fällte Bäume. Das wäre nicht nötig gewesen, hätte man sich früher für den Baustopp entschieden. Mit der Entscheidung, vorerst nicht zu bauen, gibt Benz den Kritikern, die seit der Räumung das Vorhaben in sozialen Medien hartnäckig kritisieren, in Teilen recht.
Dass der Entschluss gerade jetzt fällt, liegt daran, dass es dem Oberbürgermeister während der vergangenen Wochen gelungen ist, vier Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung für ein Bündnis unter seiner Führung zu gewinnen, wenn auch diese Gruppe nicht über die Mehrheit der Sitze verfügt. Damit ändert sich die Lage in der Stadtpolitik, denn bis zur Wahl im März stand Benz eine Koalition unter Führung der Grünen gegenüber, die aber ebenfalls keine Mehrheit hatte.
Nun kann Benz Politik machen. Und dafür hat er sich gleich das wichtigste Thema der Stadtpolitik herausgegriffen. Die Entscheidungen über die Mathildenhöhe werden für Jahrzehnte prägend sein.
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