
Italien leidet unter der vierten Hitzewelle des Jahres. Winzer reagieren mit früherer Lese, während Forscher von einer hohen Übersterblichkeit ausgehen.
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Italien erlebt in diesem Sommer die vierte und besonders intensive Hitzewelle des Jahres.
Seit Wochen erlebt Italien eine beispiellose Hitze: In der Innenstadt von Neapel wurde in der vergangenen Woche eine Bodentemperatur von 48 Grad gemessen. Vor allem die Städte heizten sich extrem auf. Nach der insgesamt vierten Hitzewelle des Jahres ziehen nun Gewitter mit Regen über das Land und versprechen Abkühlung.
Davon aber sei noch nichts zu spüren, sagt ARD-Korrespondent Tilman Kleinjung. Die Hitze dauere an, die Luftfeuchtigkeit in großen Städten wie Rom sei enorm hoch. "Da lebt man wie in einer Sauna", so Kleinjung. Auch nachts gebe es in den aufgeheizten Städten keine Abkühlung.
Doch auch auf dem Land sei die andauernde Hitze und Trockenheit zu spüren. Am längsten Fluss Italiens, dem Po, messen Behörden deutlich niedrigere Wasserstände als gewöhnlich. Der Lago Maggiore in Oberitalien, nach dem Gardasee Italiens zweitgrößter See, nähert sich nach Medienberichten einem historischen Tiefststand. Im nördlichen Teil der Adria wiederum wurden für das Mittelmeer Temperaturen von mehr als 30 Grad gemessen.
Winzer reagieren mit früherer Lese
Auch Italiens Winzer versuchen zu retten, was zu retten ist. In der Weinregion Franciacorta in Norditalien haben die Winzer rund zehn Tage früher als sonst mit der Lese begonnen, da wochenlange Sommertemperaturen zwischen 37 und 38 Grad Celsius die Trauben früher als je zuvor zur Reife gebracht hatten. Der Klimawandel verkürzt das Zeitfenster für das Ernten und zwingt die Winzer zu schnellen Entscheidungen, da schon wenige Tage den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Jahrgang ausmachen können.
"Dies sind heikle, hektische Momente, und alles muss perfekt laufen. Wir hatten weder mit einer so frühen Lese noch mit einer derart beschleunigten Reifung gerechnet", sagt etwa Arturo Ziliani vom Weingut Berlucchi.
Um die Trauben noch rechtzeitig vor ihrer Überhitzung zu den Pressen zu bringen, begann das Weingut bereits um 4 Uhr morgens mit der Lese - unter grellem Flutlicht.
Hitze extremer als sonst
Auch wenn die Hitze in diesem Sommer extremer sei als zuvor: Italien habe gegenüber Ländern wie Deutschland einen Vorsprung, weil man extreme Hitze kenne, sagt ARD-Korrespondent Kleinjung bei tagesschau24 - wenn auch nicht in dieser Intensität und dieser Länge.
Wegen der anhaltenden Hitzewelle galt Anfang des Monats in 27 italienischen Großstädten, die unter Beobachtung des Gesundheitsministeriums stehen, die höchste Warnstufe für Hitzealarm. Alarmstufe Rot wird von der Regierung in Rom erlassen, wenn es extreme Hitze verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit gibt. Das bedeutet akute Gesundheitsgefahren nicht nur für ältere Menschen und andere Risikogruppen, sondern auch für Gesunde und sportlich Aktive.
Zu Hitzetote gebe es bisher nur Schätzungen, keine genauen Zahlen. Forscher gehen von einer Übersterblichkeit von 8.000 Toten aus. In den Notaufnahmen sei den Behörden zufolge jedoch nichts von einer Übersterblichkeit zu spüren. "Da sieht man, Italienerinnen und Italiener sind die Hitze gewohnt", so Kleinjung. Auch die Ausstattung mit Klimaanlagen sei weitaus üblicher als etwa in Deutschland.
Auch Städte seien, zumindest teilweise, auf heiße Tage vorbereitet - so gebe es etwa in Rom Wasserstationen, die kaltes Wasser bereitstellen. Doch es bleibe auch viel zu tun: Städte müssten grüner werden, fordern Umweltverbände, um weniger Hitze zu speichern. Es brauche mehr Bepflanzung, gerade in Städten wie Rom, Neapel, Bologna oder Mailand.
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Städte müssen nach Forderung von Umweltverbänden grüner werden.
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