Betriebsräte der deutschen Windkraftindustrie warnen vor Branchenschrumpfung
IG Metall-Umfrage zeigt drastisch verschlechterte Erwartungen für die kommenden Jahre
Quick Look
- Betriebsräte der deutschen Windkraftindustrie blicken pessimistisch in die Zukunft.
- Laut einer IG Metall-Umfrage unter 34 Betrieben fürchten Beschäftigte einen massiven Auftragsrückgang und den Verlust industrieller Wertschöpfung an China und das Ausland.
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Why It Matters
Die Branche leidet unter den Folgen der früheren Strompreisbremse und sieht sich nun mit internationalem Wettbewerbsdruck konfrontiert.
Die Betriebsräte der deutschen Windkraftindustrie fürchten eine deutliche Schrumpfung der Branche. Das ergab die aktuelle Betriebsrätebefragung der IG Metall Küste in 34 Betrieben mit rund 27.700 Beschäftigten. Die Branche stehe vor der Situation, „dass die Auftragsbücher vieler Unternehmen derzeit noch gut gefüllt sind, sich die Erwartungen für die kommenden Jahre jedoch drastisch verschlechtern“.
Die durchschnittliche Auslastung der befragten Betriebe liege aktuell zwar bei fast 95 Prozent, teilt die IG Metall mit. Jedoch erwarten nur noch 18 Prozent (Vorjahr: 59 Prozent) der Betriebsräte eine Verbesserung der Auftragslage in den kommenden zwei Jahren. 25 Prozent (Vorjahr: 23 Prozent) rechnen mit rückläufigen Aufträgen, weitere 25 Prozent können die Entwicklung derzeit nicht einschätzen. Die Erwartungen sind damit so schlecht wie seit 2018 nicht mehr. Im zurückliegenden Jahrzehnt hatte sich die vom früheren Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) initiierte „Strompreisbremse“ speziell beim Ausbau der Offshore-Windkraft wachstumshemmend auf die Branche ausgewirkt.
„Die Betriebe sind heute noch gut ausgelastet. Aber die Beschäftigten schauen mit großer Sorge auf die kommenden Jahre“, sagte Melanie Frerichs, Branchenbeauftragte Windindustrie der IG Metall. „Wenn die Politik jetzt nicht handelt, droht Deutschland, industrielle Wertschöpfung an China und andere europäische Länder zu verlieren.“
Besonders kritisch bewerten die Betriebsräte die Perspektiven für den Standort Deutschland. Während die Entwicklung der Windindustrie in Asien mehrheitlich positiv eingeschätzt wird, überwiegen für Deutschland die negativen Erwartungen deutlich. Für die Onshore-Windindustrie erwarten 55 Prozent der Befragten eine negative Entwicklung, für die deutsche Windindustrie insgesamt sind es 54 Prozent (Vorjahr: 23 Prozent). Nur 21 Prozent schätzen die Perspektive positiv ein (Vorjahr: 59 Prozent).
Als Ursachen für die pessimistische Einschätzung nennen die Betriebsräte vor allem den wachsenden Wettbewerbsdruck durch China, politische Unsicherheit, fehlende Netzanschlüsse sowie mangelnde industriepolitische Unterstützung. Die befragten Betriebsräte forderten von der Bundesregierung deutlich mehr industriepolitische Aufmerksamkeit für die Windkraftindustrie. 92 Prozent halten soziale Kriterien bei der Auftragsvergabe für ein geeignetes Instrument zur Stärkung der Branche in Deutschland. „Wer den Ausbau der Windenergie will, muss auch dafür sorgen, dass die Anlagen, Komponenten und Dienstleistungen aus Deutschland kommen“, fordert Friedrich. „Öffentliche Aufträge und politische Rahmenbedingungen müssen Beschäftigung, Tarifbindung und Wertschöpfung vor Ort stärken. Die Energiewende darf nicht zur Importstrategie werden.“
Open Questions
- Welche konkreten industriepolitischen Maßnahmen plant die Bundesregierung?
- Wie reagieren die Unternehmen auf den Wettbewerbsdruck?



