
AI-generated summary
Seit drei Wochen demonstrieren Jugendliche in Frankreich gegen schlechte Unterrichtsbedingungen, Lehrermangel und Unterrichtsausfall. Die Proteste haben sich auf viele Städte ausgeweitet und wurden teilweise von Gewalt begleitet.
Die Proteste in Frankreich seien inzwischen mehr als ein Schulkonflikt, sagt Jugendforscher Simon Schnetzer. In Deutschland sieht er ähnliche Probleme. Können die Proteste überschwappen?
Jugendliche mit einer Tasche der Linken: Symphatien für politische Ränder. Foto: Jan Woitas/dpa
Berlin. Seit drei Wochen demonstrieren Jugendliche in Frankreich für bessere Unterrichtsbedingungen. Ob Straßburg, Lyon oder Paris: Am Dienstag gingen in vielen französischen Städten erneut Zehntausende Schüler und Studenten auf die Straße, um gegen schlechte Lernbedingungen, Lehrermangel und Unterrichtsausfall zu demonstrieren.
Die Proteste in Frankreich seien inzwischen mehr als ein Schulkonflikt, sagt der deutsche Jugendforscher Simon Schnetzer. „Sie sind ein Symbol dafür, dass der Staat junge Menschen nicht ausreichend auf die Zukunft vorbereitet“, sagte Schnetzer dem Handelsblatt.
In Deutschland sieht Schnetzer ähnliche Probleme. Er verweist darauf, dass sich nur eine Minderheit der Jugendlichen gut auf das Berufsleben vorbereitet fühle. Auch die marode Infrastruktur an Schulen und der Ausfall von Schulstunden werden laut Schnetzer regelmäßig in seinen Befragungen thematisiert.
Schnetzer ist Mitherausgeber der Trendstudie „Jugend in Deutschland“, für die 14- bis 29-Jährige in Deutschland befragt werden. Die Jugendstudie 2026 trägt die Überschrift: „Zwischen Leistungsbereitschaft und Abwanderung – Deutschlands Jugend verliert die Geduld.“ Schnetzer sieht drei zentrale Probleme, die Jugendliche zunehmend belasten:
ein Gefühl der Ohnmacht angesichts der vielen aktuellen Krisen,
ein hoher Leistungsdruck – häufig ohne gute Lernbedingungen,
höhe Schulden und gesellschaftliche Lasten in der Zukunft.
Junge Menschen sollten sich mit der Zukunft identifizieren, dürften aber nicht mitentscheiden, wie diese Zukunft aussehe. Viele junge Menschen prägten nicht nur Selbstzweifel, „sondern auch das Gefühl, dass über sie hinweg regiert wird“, sagt Schnetzer.
„Eine tickende Zeitbombe“
„Für viele Demonstranten geht es längst nicht mehr nur um bessere Schulen“, sagt der Jugendforscher mit Blick auf Frankreich. „Viele Jugendliche sind verunsichert, haben Angst vor unsicheren beruflichen Perspektiven und sozialem Abstieg.“ Diese Sorgen spielten eine große Rolle, in Deutschland genauso wie in Frankreich. „Am Horizont ist das eine tickende Zeitbombe.“
In Frankreich war es in den vergangenen Wochen zu teilweise schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Polizeiautos und Müllcontainer brannten, Einsatzkräfte wurden mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Aber auch das harte Vorgehen der Polizei steht in der Kritik, es gab schwer verletzte Jugendliche. Eine Polizeigranate riss einem 15‑Jährigen die Hand ab.
Ein als unverhältnismäßig empfundener Polizeieinsatz habe die Entwicklung in Frankreich verstärkt, sagt Schnetzer. „Viele sind überzeugt davon, dass der Staat ihnen nicht zuhört, sondern sie bekämpft. Das mobilisiert auch Menschen, die sich ganz allgemein vom politischen System ungerecht behandelt fühlen.“
Weniger Mobilisierungspotenzial in Deutschland
In Deutschland sieht der Jugendforscher bislang weniger Mobilisierungspotenzial. „Die Protestkultur in Deutschland ist nicht in demselben Maß ausgeprägt“, sagt er. Zudem puffere ein vergleichsweise hohes Wohlstandsniveau den Leidensdruck ab. In Frankreich hatten die Proteste vor allem in ärmeren Vierteln begonnen und von dort aus auch die wohlhabenderen Gebiete erfasst.
Zeitweise breiteten sich die Proteste auch nach Belgien aus. Schnetzer erklärt das mit der geografischen Nähe sowie sprachlichen und kulturellen Verbindungen, vor allem zum französischsprachigen Teil Belgiens. Jugendliche könnten dort leichter das Gefühl entwickeln, Teil derselben Bewegung zu sein.
Jugendforscher Simon Schnetzer: Sorgen von Jugendlichen wahrnehmen. Foto: Marc-Steffen Unger
Gewalt schrecke viele Jugendliche aber davon ab, sich einem Protest anzuschließen, sagt Schnetzer. Bei „Fridays for Future“ sei es anders gewesen. Der Klimabewegung hatten sich auch in Deutschland viele Schülerinnen und Schüler angeschlossen. „Der friedliche Charakter dieser Bewegung hat es Eltern und breiten Bevölkerungsschichten erleichtert, sich mit ihr zu solidarisieren.“
Politische Mitte: Vertrauen verspielt
Insgesamt steigt Schnetzer zufolge der Druck auf die junge Generation. „Dauerkrisen, unsichere berufliche Perspektiven, Schulden und mentaler Stress prägen die Lebenslage vieler junger Menschen“, heißt es in der Jugendstudie. „Als Reaktion wenden sie sich den politischen Rändern zu oder denken sogar daran, Deutschland zu verlassen.“
Die jüngsten Landtagswahlen passen zu dieser Aussage. Laut Infratest Dimap haben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Anfang September 41 Prozent der unter 25-Jährigen die AfD gewählt. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin zwei Wochen später entschieden sich zwölf Prozent der unter 25-Jährigen für die AfD und 43 Prozent für die Linke.
Landtagswahl
Warum wählen so viele unter 25-Jährige AfD oder die Linken?
Die politische Mitte hat laut Schnetzer Vertrauen verspielt. „Vertrauen entsteht, wenn Dinge gut laufen“, sagt er. Wo es aus Sicht vieler Jugendlicher aber nicht gut lief, verdeutlicht Schnetzer an drei Beispielen.
Die Zuwanderung 2015, durch die globale Entwicklungen im Alltag vieler Menschen sichtbar wurden.
Die Erfahrung, dass politische Forderungen trotz breiter Unterstützung – etwa bei „Fridays for Future“ – nur begrenzt wirken.
Die Coronapandemie, in der politische Entscheidungen stark in das Leben junger Menschen eingegriffen haben.
Die politischen Ränder hätten einen entscheidenden Vorteil: Sie sprächen die Themen an, die junge Menschen beschäftigten, etwa Wohnraum oder Migration, sagt Schnetzer. Ob sie Lösungen anböten, sei zunächst zweitrangig. „Entscheidend ist das Gefühl, dass die eigenen Sorgen überhaupt wahrgenommen werden.“
Verwandte Themen
DeutschlandFrankreichAfDBerlinInternet
Bei Demonstrationen zum Israel-Gaza-Konflikt beobachtet Schnetzer, wie komplexe Konflikte zunehmend auf einfache Gegensätze reduziert werden. Soziale Medien verkürzten Geschichten stark auf Ja oder Nein. Für Zwischentöne und das Ausdiskutieren von Konflikten bleibe kaum Platz. „Die Folge ist eine härtere Streitkultur, in der politische Gegner schnell als Feinde wahrgenommen werden.“
Was die politische Mitte tun müsste? Schnetzer fordert vor allem zweierlei: zuhören und beteiligen. Es reiche nicht, von der jungen Generation Leistung, Anpassung und Verantwortungsübernahme zu verlangen. Junge Menschen müssten beteiligt werden „und erleben, dass Krisen gestaltbar sind“.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Proteste in Frankreich könnten sich auf benachbarte Länder wie Belgien und Deutschland ausweiten, wenn die zugrundeliegenden Sorgen nicht adressiert werden.
Possible · Within weeks
Der Anteil junger Wähler, die sich den politischen Rändern zuwenden, wird voraussichtlich weiter steigen, wenn die politische Mitte ihr Vertrauen nicht zurückgewinnt.
Likely · Within months

SPD leader Lars Klingbeil announced that he would run for party leadership again at a special party conference in Bremen in January and would stick to dual leadership. Boris Pistorius declined to run.
The CDU politician Norbert Lammert warns in the “Zeit” interview against abandoning the incompatibility decision with the Left Party and the AfD. This endangers the survival of the Union, especially as the AfD is becoming more and more radical.

After a short interruption due to a declaration of anti-Semitism, the Left, the Greens and the SPD are continuing their exploratory talks in Berlin. In terms of content, the positions on issues such as socialization, household and security remain difficult.

In the Democratic-leaning US state of Maine, Republican Susan Collins could triumph in the midterm elections and possibly save Donald Trump's party's majority in the Senate.

Brazil's presidential candidate Flavio Bolsonaro has received support from several parties and losing rivals ahead of the runoff election at the end of October. This would allow him to form a comfortable majority in Congress.

Investigators are searching the Bundestag office of SPD MP Adis Ahmetovic and three apartments. The Hanover public prosecutor's office confirms a connection with the tender for the former clinic site in Lehrte.