
Investoren reagieren mit massiven Verkäufen auf den unerwarteten Wahlausgang zugunsten des linken Staatschefs Lula da Silva.
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Brasilien ist die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas mit einer hohen Staatsverschuldung von 82,5 Prozent des BIP. Die Märkte hatten im Vorfeld auf einen Sieg von Bolsonaro spekuliert.
Die Märkte haben auf einen Wahlsieg von Bolsonaro gesetzt. Der Triumph des linken Staatschefs kommt für sie unerwartet. Rasante Kurs- und Wertgewinne lösen sich auf.
Brasilianische Flaggen in Sao Paulo: Ein überraschender Wahlsieg des Amtsinhabers bewegt die Märkte.
Düsseldorf. Der Ausgang der Präsidentschaftswahl in Brasilien zugunsten von Amtsinhaber Lula hat an den Finanzmärkten heftige Kursausschläge zur Folge. Investoren hatten mehrheitlich auf einen Sieg des Herausforderers Flávio Bolsonaro gesetzt und flüchten aus brasilianischen Aktien. Auch am Devisenmarkt gibt es eine deutliche Reaktion.
Brasiliens Leitindex Bovespa verlor im frühen Handel mehr als 17 Prozent. Es ist der stärkste Einbruch seit sechs Jahren. Der Börsenbetreiber B3 hat für den Montag seine Handelsgrenzen ausgeweitet, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch die in den USA notierten Titel brasilianischer Aktien gerieten stark unter Druck.
Der iShares MSCI Brazil ETF, ein bedeutender börsengehandelter Indexfonds (ETF), verlor rund 24 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit Januar. Vale, eines der größten Bergbauunternehmen weltweit, hat in dem ETF das größte Gewicht, gefolgt von der Nubank, Unibanco und dem Öl-Riesen Petrobas.
Der brasilianische Real geriet ebenso unter starken Verkaufsdruck. Die Devise verlor zum Dollar mehr als zwölf Prozent und erreichte den tiefsten Stand seit Sommer 2025.
BNP-Experte Stephan Kemper spricht von einem „Schock für die Märkte“. Die Reaktion der Investoren könne „etwas übertrieben sein“, sagt Volkar Baur, Experte der Commerzbank. „Allerdings könnte diese Übertreibung auch noch etwas anhalten.“
Lula gewinnt Präsidentschaftswahl in Brasilien – Bolsonaro erkennt Ergebnis nicht an
Der linke Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva, Lula, hat in der Nacht die Präsidentschaftswahl gewonnen. Er setzte sich in der Stichwahl gegen den rechten Kandidaten Bolsonaro durch. Dieser weigerte sich allerdings, das Ergebnis zu akzeptieren. Er werde „die Annullierung dieser Wahlen beantragen“, sagte Bolsonaro. Bei der ersten Wahlrunde hatte er noch vor dem Amtsinhaber gelegen.
Brasilien ist die größte Volkswirtschaft in Lateinamerika. Das Land zählt mehr als 200 Millionen Einwohner und kann auf große Rohstoff- und Energieressourcen zurückgreifen. Während Lulas dritter Amtszeit ist die Wirtschaft seit 2023 im Schnitt um rund drei Prozent pro Jahr gewachsen, die Arbeitslosenquote liegt auf einem historischen Tiefstand.
Allerdings ist die private und öffentliche Verschuldung zuletzt massiv gestiegen. Die Politik hat den Konsum – zentrale Stütze der Konjunktur – zuletzt vor allem mit staatlichen Zuschüssen angekurbelt. Das Haushaltsdefizit liegt bei etwa zehn Prozent der Wirtschaftsleistung, die Schuldenquote mit 82,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) höher als bei fast allen anderen großen Schwellenländern.
Parallel haben auch die Lebenshaltungskosten deutlich angezogen. Die Inflationsrate liegt zwar so eben noch im Toleranzbereich der Zentralbank, mit 4,58 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat aber auf einem Niveau, das viele Bürger und Unternehmen umtreibt. Der Leitzins liegt bei 13,75 Prozent. Da in Brasilien viele Anschaffungen des täglichen Bedarfs in Raten bezahlt werden, sind viele Bürger so hoch verschuldet wie nie zuvor.
Die Marktreaktion am Montag spiegelt die Sorge der Investoren wider, dass sich diese stark schuldengetriebene Politik fortsetzt. Das wichtigste Signal für die Märkte sei ein klares Bekenntnis zur Haushaltsdisziplin, sagt Graham Stock, Analyst bei RBC Bluebay Asset Management. Commerzbank-Experte Baur zufolge komme es jetzt darauf an, wie schnell Lula den Markt glaubhaft von kommenden Reformen überzeugen kann.
Der Präsident werde nicht umhinkommen, einzelne Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung zu ergreifen, sagt auch Thierry Larose, Portfoliomanager bei Vontobel. Er schränkt jedoch ein: „Die meisten Investoren bezweifeln jedoch, dass diese ausreichen werden, um die Schuldentragfähigkeit wieder auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen.“
Brasiliens Leitindex hatte zuletzt eine Reihe neuer Rekordstände markiert. Nach dem Sieg von Bolsonaro im ersten Wahlgang hatten die Aktienkurse noch einmal deutlich angezogen – auch, weil zahlreiche Analysten und Banken brasilianische Assets in Erwartung eines Bolsonaro-Siegs zum Kauf empfahlen. Die Anleiherenditen haben in der Folge hingegen das tiefste Niveau seit zwei Jahren erreicht. Auch der brasilianische Real hatte vor der Stichwahl spürbar an Wert gewonnen.
AI outlook — possibilities, not facts
Bolsonaro wird die Annullierung der Wahlen beantragen.
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