
Bundeskanzler Friedrich Merz ist zum zweiten Mal als Kanzler heimlich nach Kiew gereist, um die Unterstützung der Ukraine zu bekräftigen und gleichzeitig die Bereitschaft zu Verhandlungen zu signalisieren, während Russland weiterhin zivile Ziele in Kiew angreift und die ukrainische Luftabwehr unter Druck steht.
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Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew ist Teil einer diplomatischen Strategie der Bundesregierung, die sowohl die Unterstützung der Ukraine bekräftigen als auch die Bereitschaft zu Verhandlungen mit Russland signalisieren soll. Dabei werden auch Gespräche mit westlichen Partnern wie den USA, Frankreich und Großbritannien geführt.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntagmorgen zu einem Besuch in Kiew eingetroffen. Es ist das zweite Mal, dass er als Kanzler in die ukrainische Hauptstadt reist. Wegen der schwierigen Sicherheitslage werden solche Besuche stets geheim gehalten. Merz ist mit einem Sonderzug angereist, zuletzt jedoch hatten die russischen Angreifer vermehrt auch die ukrainische Schieneninfrastruktur angegriffen. Auch die genauen Programmpunkte des Tages werden erst offiziell bekanntgegeben, nachdem sie stattgefunden haben.
Der Besuch ist ein entscheidendes Puzzlestück einer diplomatischen Choreografie der Bundesregierung in den vergangenen Wochen. Mit dieser wollte Berlin auf der einen Seite die anhaltende Unterstützung der Ukraine deutlich machen, sowohl gegenüber Russland als auch gegenüber den Partnern. Auf der anderen Seite sollte aber auch die Bereitschaft bewiesen werden, auf einen Weg der Verhandlungen einzuschwenken. Auch wenn Russland weiterhin dazu nicht bereit scheint.
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Gespräche mit Witkoff und Kushner
In der Bundesregierung sieht man die Not der Ukraine, sich vor allem vor dem nahenden Winter gegen die heftigen russischen Luftangriffe zur Wehr zu setzen – während Russland an der Front seit Monaten deutlich größere Verluste hinnehmen muss, bis zu 40.000 Mann im Monat sollen es sein. Neben der Sicherung der finanziellen Unterstützung der Ukraine, versucht Berlin unter anderem mit der Kooperation bei der Drohnenentwicklung und der weltweiten Beschaffung von Flugabwehrraketen für die Patriot-Systeme zu helfen.
Zu dieser Choreografie gehörten etwa Gespräche des außenpolitischen Beraters des Kanzlers Günter Sautter und den Sicherheitsberatern aus Paris und London mit den amerikanischen Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner Anfang September in Kiew nach deren Besuch in Moskau. Diese Sicherheitsberater der sogenannten E3 kamen dann auch bei der UN-Generalversammlung in New York wieder mit der amerikanischen und ukrainischen Seite zusammen.
Kanzler verteidigt Ukraine-Politik
Schließlich kam es in New York zum ersten Mal seit vier Jahren zu einem Gespräch der Außenminister aus Deutschland und Russland. Johann Wadephul hatte das sowohl grundsätzlich schon länger mit dem Kanzler abgewogen, und dann auch kurzfristig abgesprochen. Es bewies nicht nur, dass die russische Seite nicht bereit ist einzulenken. Durch dieses Gespräch wurde auch die Möglichkeit eröffnet, auf anderen Ebenen künftig Kontakt zur russischen Seite aufzunehmen, sollte dies nötig sein.
Vergangene Woche telefonierte Merz dann nicht nur mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er hielt vor allem am Donnerstag zur Verleihung des Westfälischen Friedenspreises eine außenpolitische Grundsatzrede, in der er vor der Gefahr aus Russland warnte und die Unterstützung der Ukraine auch gegenüber Kritik aus dem Inland verteidigte: „Wir wollen vor allem, dass Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine beendet und zur europäischen Friedensordnung zurückkehrt“, sagte er. Dazu sei Russland heute nicht bereit. Deutschland und Europa dürften daher nicht wanken, sondern müssten „fest bleiben“, sagte Merz.
Deutschland werde sich nicht spalten lassen, „nicht durch hybride Angriffe, nicht durch von Moskauer Bots gesteuerte Hetze in den sozialen Medien und auch nicht durch die Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner“. Merz sagte, es sei richtig, die Ukraine mit aller Kraft zu unterstützen. Falls es nicht gelinge, „Moskau Einhalt zu gebieten“, werde sich „die russische Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns, gegen die Nato selbst richten“.
Russland attackiert vor allem zivile Ziele
Merz kommt zu einem Zeitpunkt nach Kiew, in dem die ukrainische Hauptstadt mehr als je zuvor in diesem Krieg im Zentrum russischer Luftangriffe steht. Mit neuen Drohnen mit Strahlantrieb greift Russland Kiew in den vergangenen Wochen ohne Unterlass an. Angesichts ausgedünnter Vorräte an Flugabwehrraketen kann die Ukraine auch Ballistik immer schwerer abwehren. Nachts feuert Russland ballistische Raketen vor allem mit mobilen Startgeräten aus den Grenzgebieten Brjansk oder Kursk ab.
Die Luftangriffe auf Kiew gelten primär der ukrainischen Wirtschaft. Der permanente sorgt für Verkehrschaos und Geschäftsschließungen. Getroffen werden Warenlager und Sortierzentren im Umland, inzwischen aber auch Einkaufszentren und Tankstellen in der Stadt. Im August kamen in Kiew mehr Zivilisten ums Leben als in allen anderen Gebieten, obwohl viele deutlich näher an der Front liegen.
Auch das Zentrum der Hauptstadt ist nicht mehr sicher, vor wenigen Wochen schlug eine Drohne in das Hauptgebäude des Inlandsgeheimdiensts SBU ein. In der vergangenen Woche traf eine Drohne die Nationale Akademie für Wissenschaften, die nur rund 300 Meter von der deutschen Botschaft entfernt liegt.
Schwierige Abwehr neuer Drohnen
Die Ukraine hat Schwierigkeiten, sich gegen die neuen Drohnen mit Strahlantrieb zur Wehr zu setzen. Sie fliegen weitaus schneller und auch höher als frühere Modelle mit Propellerantrieb. Bislang greifen die Ukrainer zur Abwehr entweder auf bodengestützte Systeme zurück, deren Munition knapp und teuer ist, oder auf Kampfflugzeuge. Mit Hochdruck arbeiten die Ukrainer deshalb an preiswerten Lösungen. Selenskyj zufolge entwickeln mehrere Firmen derzeit Abfangdrohnen, die schnell genug fliegen sollen.
Die ukrainische Wirtschaft steht unter Druck. Exporte sind durch die russische Blockade der Häfen von Odessa erschwert und die größten Stahlfabriken haben nach Raketenangriffen ihre Produktion eingestellt. All das führt zu finanziellen Verwerfungen. Die ukrainische Regierung bringt immer wieder neue Finanzierungslücken zur Sprache.
An der Front hingegen sieht es für die Verteidiger gerade nicht schlecht aus. In den vergangenen Monaten konnte die ukrainische Armee im Zuge ihrer sogenannten „Operation Vivaldi“ Gelände zurückgewinnen und dadurch den russischen Vormarsch auf die letzten verbliebenen Festungen im Donbass zurückwerfen.
AI outlook — possibilities, not facts
Deutschland wird die finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine fortsetzen oder erhöhen.
Likely · Within months
Russland wird seine Luftangriffe auf zivile Ziele in der Ukraine fortsetzen oder intensivieren.
Very likely · Within weeks
Die Ukraine wird weiterhin Schwierigkeiten haben, sich gegen schnelle und hohe Drohnen zu verteidigen, bis preiswerte Abfangdrohnen entwickelt sind.
Likely · Within months

The Russian House on Berlin's Friedrichstrasse is open despite sanctions against Russia. Visitors will find a quiet atmosphere, in the canteen Russian dumplings are only offered for cash payment, and Russian literature is sold next door.
Chancellor Friedrich Merz has arrived in Ukraine to promise an aid package of one billion euros in military aid and 350 million euros for energy sector repairs. The joint production of drones and standoff weapons is to be started. Merz emphasized that Germany's support also serves its own security.

During his visit to Kiev, Chancellor Friedrich Merz announced new military aid for Ukraine worth one billion euros, including interception systems against jet drones and long-range weapons with a range of up to 1,000 kilometers. In addition, 350 million euros will be made available for the repair of energy systems. Merz emphasized that support for Ukraine also affects the security of Germany and Europe, despite Russian warnings against such visits.
Chancellor Friedrich Merz arrived in Kiev on a special train to promise further military aid to Ukraine, including thousands of interceptor drones and long-range weapons worth a total of 1.35 billion euros. He stressed that the support was necessary in view of Russian drone attacks and the deteriorating security situation. Moscow had previously warned foreign visitors not to stay in Kyiv. Merz is the fourth Chancellor to visit Ukraine since the start of the war.

The Russian Defense Ministry is threatening to intensify attacks on Kiev if foreign citizens remain in the Ukrainian capital despite warnings. It justifies this with alleged terrorist acts by the Ukrainian armed forces against civilians. Russia had already issued a similar warning in May. Attacks on Kiev have recently intensified, using drones, ballistic and other missiles, resulting in deaths, injuries and property damage, including a Dnipro bridge being hit. At the same time, Ukraine is expanding its attacks on Russian targets, including oil refineries and ships in the Black Sea, with both sides denying allegations of targeting civilians.

Holocaust survivor Irene Butter has died in the USA at the age of 93. She survived the Bergen-Belsen concentration camp, met Anne Frank there and worked as a contemporary witness for decades, especially to school students in the USA and Germany. In 2024 she received the Federal Cross of Merit for her commitment.