Bundespräsident Steinmeier gesteht auf der Gamescom ein, kein Gamer zu sein – sieht aber demokratischen Wert in Videospielen
Quick Look
- Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier räumte bei seinem ersten Besuch auf der Gamescom ein, kein Gamer zu sein, betonte jedoch den kulturellen und demokratischen Wert von Videospielen.
- Deutschland verpasst trotz großer Marktchancen wirtschaftliches Potenzial aufgrund bürokratischer Hürden und fehlender steuerlicher Anreize, während andere Länder die Gamingbranche als Innovationstreiber fördern.
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Why It Matters
Deutschland ist einer der größten Gaming-Märkte weltweit und Austragungsort der weltgrößten Videospielmesse Gamescom, doch nur fünf Prozent der Umsätze fließen in in Deutschland entwickelte Spiele. Andere Länder wie Frankreich, Kanada und Großbritannien bieten steuerliche Anreize und Planungssicherheit, während Deutschland lediglich ein Förderbudget von 125 Millionen Euro für 2026 bereitstellt, von dem bisher 85 Millionen Euro ungenutzt geblieben sind.
Er sei kein Gamer, gab Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem ersten Besuch auf der Gamescom freimütig zu, auch auf die Gefahr hin, wie ein „Boomer“ zu klingen. Gleichwohl seien Videospiele ein „fester Bestandteil unseres kulturellen Lebens“ und im Guten wie im Schlechten „relevant für unsere Demokratie“. Im Guten wie im Schlechten – die „German Angst“ um die Gamingbranche ist damit hinlänglich beschrieben.
Während Deutschland sich jahrelang mit der Killerspieldebatte aufhielt, wurde in Paris, Quebec, London und anderswo das Potential der Branche als Innovationstreiber und Wirtschaftsfaktor erkannt und wurden die Voraussetzungen für die Ansiedlung großer Entwicklerstudios geschaffen. Während andere Länder steuerliche Anreize bieten und Planungssicherheit für die Entwickler schaffen, gibt es in Deutschland nur ein – immerhin nun deutlich aufgestocktes – Förderbudget von 125 Millionen Euro für 2026. Etwa 85 Millionen Euro blieben in diesem Jahr bisher ungenutzt, ein Grund könnten bürokratische Hürden sein.
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Und noch mal der „Teenager, der mit Junkfood in der Bude hockt“
Die Folge der stiefmütterlichen Behandlung: Deutschland gehört zu den größten Gaming-Märkten weltweit, die weltgrößte Videospielmesse findet hierzulande statt, bei der Wertschöpfung spielt man aber kaum eine Rolle. Nur fünf Prozent der Umsätze fließen in Spiele Made in Germany. Zwar hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag Steuererleichterungen vereinbart, aber auf einen konkreten Zeitplan will sich Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) bei der Gamescom nicht festlegen – wegen der angespannten Haushaltslage. „Wir wollen etwas hinbekommen, auch gemeinsam mit den Ländern“, mehr als diese lose Zusage bekommt die Branche vorerst nicht.
Bevormundende Zuckersteuer: Ja bitte. Ermäßigte Zockersteuer: Schauen wir mal. Wenn das mal nicht kurzsichtig ist. Kurzfristig würden dem Staat zwar Einnahmen entgehen, langfristig aber könnten viele neue Arbeitsplätze, höhere Investitionen und die Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit diesen Verzicht mehr als wettmachen und höhere Steuereinnahmen bringen. Der Verband der deutschen Games-Branche hat bereits 2025 ein Konzept dafür vorgelegt.
Gaming ist ein Milliardengeschäft, das Zusammenspiel von Videospielentwicklung und Künstlicher Intelligenz wird Synergieeffekte schaffen – Nvidia lässt grüßen. Aber auf der Gamescom diskutiert man lieber über den demokratischen Wert von Videospielen als kulturelles Gut und räumt noch mal sicherheitshalber auf mit dem Bild vom „nerdigen Teenager, der mit Junkfood in der Bude hockt“, wie es Steinmeier formuliert. Als wäre das Gaming für uns alle Neuland und als sprächen 350.000 Besucher bei der Gamescom und mehr als 40 Millionen Zocker in Deutschland nicht für sich.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Bundesregierung wird aufgrund des Drucks von Verbänden und ersten ungenutzten Mitteln konkrete Steuererleichterungen für die Gamingbranche vorlegen.
Likely · Within months
Die Nutzung des bestehenden Förderbudgets wird steigen, sobald bürokratische Hürden abgebaut werden.
Possible · Within months
Open Questions
- Wann genau plant die Bundesregierung die vereinbarten Steuererleichterungen für die Gamingbranche umzusetzen?
- Wie hoch sind die tatsächlichen wirtschaftlichen Verluste für Deutschland durch die fehlende Wertschöpfung im Gamingsektor?
- Welche konkreten bürokratischen Hürden verhindern die Nutzung des vorhandenen Förderbudgets?
- Wie plant die Bundesregierung, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Gamingbranche zu steigern?







