GTA 6: Zwischen offiziellem Trailer und CyberLeek-Leaks
Rockstar Games veröffentlicht Gameplay-Material, während ein Hacker namens CyberLeek mit Leaks und Kryptowährungs-Betrug für Aufsehen sorgt.
Quick Look
- Nach 13 Jahren Entwicklungszeit veröffentlicht Rockstar Games 26 Minuten Gameplay für GTA 6.
- Parallel dazu veröffentlicht ein Hacker namens CyberLeek geleaktes Material und nutzt die Aufmerksamkeit für Kryptowährungs-Aktionen und Kritik an Publishern.
AI-generated summary
Why It Matters
GTA 6 befindet sich seit 13 Jahren in der Entwicklung. Die Reihe ist für ihre medienkritische Satire bekannt.
Nach 13 Jahren Entwicklungszeit, die angeblich zwei bis drei Milliarden Dollar oder sogar noch mehr verschlungen haben sollen, nach diversen Verschiebungen, nach Ankündigungen und einem Trailer und noch mehr Ankündigungen und einem weiteren Trailer – nun also ist es tatsächlich passiert. Nicht etwa die Veröffentlichung des Spiels. Aber immerhin: die Veröffentlichung von 26 Minuten Gameplay-Videomaterial.
Sechs Stunden lang war es exklusiv auf Netflix zu sehen, quasi mit rotem Internetteppich, obwohl es sich doch letztlich um ein Werbevideo handelt, inzwischen steht es auch auf frei zugänglichen Plattformen. Angeblich waren die Server von Netflix am Donnerstagabend, als es erschien, trotzdem zeitweise überlastet.
Das Spiel, das am 19. November erscheinen soll, schält sich innerhalb dieser 26 Minuten erst heraus aus etwas, das anfänglich wie eine animierte Zwischensequenz aussieht. Lucia und Jason, die beiden Hauptfiguren des Spiels, betreten ein mit Graffiti überzogenes Hochhaus, sie sollen hier etwas abholen. Schwarze Typen, tätowiert, Goldketten, warten drinnen auf sie. In den Töpfen kochen Drogen. Plötzlich bricht Aufregung aus, da sind Männer auf dem Dach, es wird geschossen, und jetzt erst taucht ein Fadenkreuz auf. Der Film ist ein Spiel, das wie ein Film aussieht und sich auch so anfühlt, genauso dicht, genauso glaubhaft, genauso dramatisch. Oft wurde das versprochen, selten so überzeugend wie hier.
Dann sind Bilder zu sehen, über die schon nach wenigen Minuten sämtliche relevanten Teile des Internets ausrasteten, Szenen aus dem kleinkriminellen und schwerbewaffneten Leben von Jason und Lucia. Die Jagd nach dem Geld führt sie durch die Welt des Spiels, eine an Miami angelehnte amerikanische Großstadt, die riesig ist und trotzdem voller Details, sogar mit streitenden Tauben, mit Speedbooten, Motorrädern, Fallschirmen. Es ist ein Spielplatz für Erwachsene, um einmal hemmungslos kriminell zu sein und dann zu Popsong (hier: „Devil Woman“ von Cliff Richards) vor dem Blaulicht davonzufahren ins goldene Abendlicht. Dieses aus den vorigen Teilen bekannte Gefühl, für das Millionen Menschen das Spiel kaufen werden, inszeniert der Trailer perfekt.
Aber Rockstar, das Studio hinter der seit 1997 existierenden Reihe, droht trotzdem, die Kontrolle darüber zu verlieren, wie das Spiel in der Fantasie der Fans lebt. Seit vergangener Woche veröffentlicht jemand – ein einzelner Hacker oder eine Gruppe – mit dem Pseudonym CyberLeek Videos aus dem Spiel, jeden Tag ein bisschen mehr. Zusammengenommen war es am Donnerstagabend etwa ebenso viel Material, wie in dem Gameplay-Trailer zu sehen ist.
CyberLeek erzählt eine andere Geschichte über „GTA 6“. Weniger mit den Bildern, als vielmehr mit über die Videos gelegten Botschaften. Eine Website enthält außerdem eine Art Manifest. Dort heißt es unter anderem: „(Playstation-Hersteller) Sony und Rockstar töten euer Recht, die Spiele zu besitzen.“ Weil die inzwischen digital erscheinen und nicht mehr auf physischen Datenträgern, erwirbt man beim Kauf nur noch ein Nutzungsrecht. Viele der großen Publisher verstehen Spiele als Dienste, als Plattformen, auf denen sie den Kunden idealerweise nach dem Kauf noch weiteres Geld aus der Tasche ziehen, für spezielle Gegenstände, Kleidung oder Vorteile innerhalb der Spielwelt zum Beispiel. In manchen Fällen werden irgendwann die Server abgeschaltet, über die man sich einwählen konnte, und dann ist das Spiel, für das man einmal bezahlt hatte, ganz einfach futsch.
CyberLeek inszeniert sich also als Rächer der entmachteten Gamer. Die Videos enthielten aber auch Aufforderungen per Texteinblendung, eine eigens aufgesetzte Cyberleek-Kryptowährung zu kaufen, um die Kosten dieser „Operation“ zu decken. Außerdem sollten, schrieb der Hacker einmal, zehn als Lauch (leek heißt auf Englisch Lauch) verkleidete Menschen vor den Büros von Rockstar auftauchen, dann gebe es neues Material. Tatsächlich filmte sich ein junger Mann vor der Firmenzentrale im schottischen Edinburgh, er brüllte „Es reicht! Hau die Strand-Leaks für all die Incels raus.“ Dann biss er in einen Lauch.
Die GTA-Fans hingegen, von denen es viele gibt, sehr viele, beschimpfen CyberLeek. Das Spiel sieht in den geleakten Szenen (Jason spielt Basketball, tankt, fängt eine Schießerei in einer Nudistenkolonie an) nicht so glänzend aus wie in dem Netflix-Trailer. Bemerkenswerterweise stört das die Gemeinschaft der andächtig Wartenden nicht erkennbar. Das kollektive Sehnen, 13 Jahre lang, scheint das Spiel so stark aufgeladen zu haben, dass es gar nicht mehr an der Realität scheitern kann, wie normale Hypes. Es erzeugt seine eigene Wirklichkeit.
Die überdrehte Welt von GTA war immer schon auch eine Mediensatire auf sich selbst. Die Geschichte um ihre quasisakrale Verkündung und den Cyberlauch, der sie sprengen will, würde perfekt in sie passen. CyberLeek scheint rund 250 000 Dollar aus seiner Kryptowährung abgezogen zu haben. Und jetzt: Vollgas mit Blaulicht im Rückspiegel? In der letzten Nachricht des Hackers steht: „Die Nacht, in der wir das Internet kaputt gemacht haben.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Veröffentlichung des Spiels am 19. November.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie hoch ist der tatsächliche finanzielle Schaden durch CyberLeek?
- Wird Rockstar rechtliche Schritte gegen den Hacker einleiten?







