Bundeswehr: Zulassung von Helsing-Kampfdrohne verzögert sich offenbar
Die Rüstungsfirma Helsing hat eine Fristverlängerung zur Qualifizierung ihrer HX-2-Drohne erhalten, um Anforderungen der Bundeswehr zu erfüllen.
Quick Look
- Die Bundeswehr hat dem Rüstungsunternehmen Helsing eine Fristverlängerung bis Ende Oktober für die Qualifizierung der HX-2-Kampfdrohne gewährt.
- Das Verteidigungsministerium begründete die Verzögerung mit externen Faktoren, nicht mit Fehlern des Auftragnehmers.
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Why It Matters
Die Bundeswehr beschafft erstmals Loitering Munition für die Panzerbrigade 45 in Litauen. Die Verträge mit Helsing, Stark Defense und Rheinmetall umfassen jeweils rund 300 Millionen Euro.
Die Bundeswehr beschafft erstmals sogenannte Kamikazedrohnen. Nach Handelsblatt-Informationen hat jetzt Helsing mehr Zeit erhalten, um seine HX-2 für den Einsatz in Litauen zu qualifizieren.
Die Rüstungsfirma Helsing hat mehr Zeit erhalten, um die HX-2-Kampfdrohne für den Einsatz in Litauen zu qualifizieren.
Das Verteidigungsministerium bestätigte eine verzögerte Meilenstein-Erfüllung, nannte aber weder Helsing noch den Mitbewerber Stark Defense konkret als betroffenes Unternehmen.
Die Kampfdrohnen sollen ab dem kommenden Jahr der Panzerbrigade 45 in Litauen zur Verfügung gestellt werden.
Helsing hatte in einer Finanzierungsrunde im Frühsommer 1,8 Milliarden Dollar von Investoren erhalten und entwickelt auch eine Jagdbomberdrohne, deren Jungfernflug für die erste Jahreshälfte 2027 geplant ist.
Berlin. Düsseldorf. Die Rüstungsfirma Helsing hat Insidern zufolge mehr Zeit für die Zulassung ihrer Kampfdrohne durch die Bundeswehr erhalten. Bisher erfülle die HX-2-Drohne von Helsing nicht alle notwendigen Anforderungen, sagten vier mit den Angelegenheiten vertraute Personen dem Handelsblatt. Nun habe die Firma bis Ende Oktober Zeit erhalten, um notwendige Änderungen vorzunehmen.
Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte auf Anfrage, einem Unternehmen sei zusätzliche Zeit zur Erfüllung eines Meilensteins gewährt worden, da die Verzögerung nicht durch den Auftragnehmer selbst verursacht worden sei. Ob es sich um Helsing oder den Mitbewerber Stark Defense handelte, wollte das Ministerium nicht mitteilen.
Sollte Helsing innerhalb des neuen Zeitrahmens alle Anforderungen erfüllen, dürfte die Verzögerung keine Konsequenzen für den gesamten Auftrag nach sich ziehen. „Die Kriterien für einen Abbruch waren nach den Vorgaben aus dem Vertrag nicht erfüllt“, teilte das Ministerium weiter mit.
Unklar ist, was genau der Meilenstein umfasst. Mit Verweis auf Geheimhaltungspflichten wollte sich das Ministerium dazu nicht äußern, versicherte jedoch, es handele sich nur noch um Restarbeiten: „Die Gesamqualifikation steht kurz vor dem Abschluss.“ Offenbar geht es um Munitionssicherheit.
Anfang des Jahres hatte die Bundeswehr Helsing sowie den Berliner Konkurrenten Stark mit der Produktion sogenannter Loitering Munition, umgangssprachlich auch Kamikazedrohnen genannt, beauftragt. Die Verträge im Umfang von zunächst jeweils rund 300 Millionen Euro enthalten Ziele, die von den Unternehmen erreicht werden müssen. Ende März erhielt dann noch Rheinmetall den Auftrag, ebenfalls Kampfdrohnen zu bauen.
Für alle Firmen gilt der Auftrag als Prestigeobjekt. Es ist das erste Mal, dass die Bundeswehr Loitering Munition beschafft. Dabei handelt es sich um KI-gesteuerte Drohnen, die in der Luft „herumlungern“ (to loiter), bis sie sich auf ihre Ziele stürzen und diese mit ihren Gefechtsköpfen zerstören.
Haushälter wurden Ende August informiert
Im Ukrainekrieg werden Kampfdrohnen inzwischen großflächig eingesetzt. Helsing wie auch Stark Defence haben mit ihren Produkten HX-2 und Virtus Erfahrungen im Kriegsgebiet gesammelt – und entwickeln sie auf dieser Basis ständig weiter.
Stark soll den Insidern zufolge mit seiner Virtus bisher alle Zertifizierungsanforderungen erfolgreich bewältigt haben. Herausforderung soll es in diesem Fall Insidern zufolge nur bei der Langzeitlagerung der Munition gegeben haben. Diese soll auch Helsing gehabt haben.
Den Vorlagen des Haushaltsausschusses zufolge ist die Erreichung der Meilensteine eine Bedingung dafür, dass die Verträge mit der Bundeswehr fortgeführt und ausgebaut werden. Insidern zufolge hatte das Bundesverteidigungsministerium Ende August in einem Sachstandsbericht an die Berichterstatter des Haushaltsausschusses noch versichert, die Qualifikation der Systeme aller drei Beteiligten befinde sich „aktuell im Zeitplan“.
Der Rahmenvertrag über derzeit jeweils 300 Millionen Euro kann im Falle des Erfolgs auf je eine Milliarde Euro erweitert werden. Geplant ist, die Kampfdrohnen ab dem kommenden Jahr der in Litauen stationierten Panzerbrigade 45 zur Verfügung zu stellen. Laut dem Verteidigungsministerium ist geplant, die ersten Systeme bereits im November auszuliefern, damit Soldaten damit üben können.
Helsing wollte keine Stellung nehmen. Stark wollte ebenfalls nicht kommentieren. Auch Rheinmetall äußerte sich auf Anfrage nicht. Der Düsseldorfer Konzern soll mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge wegen des später erfolgten Auftrags noch bis zum ersten Quartal 2027 Zeit für die Zertifizierung haben. Netto hätte Rheinmetall damit die gleiche Zeit wie die Konkurrenz.
Nach der Beschaffung der Kampfdrohnen Anfang des Jahres stemmten Helsing wie auch Stark im Frühsommer riesige Finanzierungsrunden. Helsing erhielt von Investoren 1,8 Milliarden Dollar, wird seither mit 18 Milliarden Dollar bewertet und stieg erneut zum wertvollsten Start-up Deutschlands und dem wertvollsten Rüstungs-Start-up Europas auf. Inzwischen entwickelt die Firma auch eine Jagdbomberdrohne, deren Jungfernflug für die erste Jahreshälfte 2027 ansteht. Stark sammelte bei Investoren eine halbe Milliarde Dollar ein.
Herausforderungen bei den Tests
Bereits vor der erstmaligen Anschaffung waren die Tests der Kampfdrohnen im vergangenen Herbst und Winter durchwachsen verlaufen. Es gab Berichte über mangelnde Effektivität und verloren gegangene Drohnen.
Die HX-2 von Helsing hat eine Reichweite von bis zu 64 Kilometern, kann 2,5 Kilogramm Nutzlast tragen und bis zu 54 Minuten in der Luft bleiben, heißt es in der Vorlage des Verteidigungsministeriums für den Ausschuss. Die Virtus-Drohne trägt laut Stark Defence bis zu fünf Kilogramm schwere Gefechtsköpfe und fliegt ebenfalls rund eine Stunde. Beide Drohnen werden elektrisch angetrieben und sind durch die KI-Steuerung wenig anfällig für elektronische Störmanöver.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Helsing muss bis Ende Oktober technische Änderungen an der HX-2 vornehmen.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Welche spezifischen technischen Änderungen sind an der HX-2 erforderlich?
- Wird die Auslieferung im November trotz der Fristverlängerung eingehalten?





