
260 Arbeitsplätze sind in Gefahr, da der Konzern auf asiatischen Preisdruck und schwache Nachfrage in Europa reagiert.
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Covestro leidet unter weltweiten Überkapazitäten bei Standard-Polycarbonaten und schreibt am Standort Antwerpen seit 2022 Verluste.
Der Chemiekonzern plant das weitgehende Aus für sein Topprodukt Polycarbonat am belgischen Standort. 260 Stellen sind in Gefahr. Grund dafür ist nicht allein die teure Energie.
Covestro will die Polycarbonat-Produktion am Standort Antwerpen von vier auf eine Fertigungslinie reduzieren, und 260 Stellen sind davon betroffen.
Der Standort in Krefeld-Uerdingen bleibt von der Produktionskürzung unberührt und produziert Polycarbonat weiter für höherwertige Anwendungen.
Covestro führt die Einschränkung auf den Wettbewerbs- und Preisdruck asiatischer Hersteller sowie eine schwache Nachfrage in Europa zurück.
Das Unternehmen plant, die Polyurethan-Produktion in Antwerpen mit einer neuen Investition auszubauen.
Düsseldorf. Die Covestro AG will die Produktion eines ihrer wichtigsten Kunststoffe in Europa weitgehend zurückfahren. Die Fertigung von Standard-Polycarbonat am belgischen Standort Antwerpen soll von vier auf eine Linie gesenkt werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Von dem Schritt sind 260 Stellen betroffen.
Der transparente Kunststoff wird etwa für großvolumige Flaschen, für Autoscheinwerfer, Laptopgehäuse und im Bau verwendet. Covestro ist der führende Hersteller von Polycarbonat weltweit. Allerdings steht der Konzern unter zunehmendem Wettbewerbs- und Preisdruck durch Konkurrenten in Asien. Zugleich ist die Nachfrage in Europa schwach.
Damit begründet Covestro-Chef Markus Steilemann die Abbaupläne in Antwerpen. „Die europäische Chemieindustrie steht an einem Scheideweg. Die strukturellen Herausforderungen sind erheblich, und die Marktbedingungen haben sich grundlegend verändert“, sagte er. „Um die Zukunft unserer Produktion in Europa zu sichern, müssen wir unser Portfolio gezielt dort anpassen, wo wir langfristig wettbewerbsfähig sein können.“
In Antwerpen betreibt Covestro eine seiner zwei Großanlagen für Polycarbonat in Europa. Die zweite steht im nordrhein-westfälischen Krefeld-Uerdingen und ist von dem Umbau nicht betroffen.
Covestro werde dort in vollem Umfang weiterproduzieren, bestätigte ein Sprecher. In der Anlage wird der hergestellte Standardkunststoff für höherwertige Anwendungen, etwa in der Medizintechnik, veredelt. Umsatzzahlen zu dem Produkt nennt der Konzern nicht.
Die Ankündigung von Covestro ist ein weiterer Schlag für die europäische Chemieindustrie. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Hersteller Anlagen heruntergefahren oder komplett dichtgemacht.
In Deutschland zählen dazu Anlagen von BASF in Ludwigshafen und des US-Konzerns Dow im ostdeutschen Chemiedreieck Leuna. Bayer schließt die Fertigung eines Pflanzenschutzmittels in Frankfurt. Evonik hat vor wenigen Wochen das Aus für Anlagen im ostdeutschen Bitterfeld, in Hamburg und in Witten/NRW angekündigt.
Betroffen sind vor allem Basischemiegeschäfte, die unter besonderem Druck in Europa stehen. Sie werden mit starkem Energieeinsatz betrieben und leiden deshalb unter den hohen Gaspreisen. Daran allein liegt die Krise aber nicht.
In der Basischemie ist der Wettbewerb global, die Verkaufspreise sind niedrig, weil asiatische und vor allem chinesische Hersteller mit neuen Kapazitäten auf den Markt drängen. Sie können so günstig produzieren, dass sich der Transport nach Europa lohnt. Doch in nahezu allen Regionen halten sich die Kunden mit Bestellungen zurück.
Dieser Mix hat laut Covestro zu anhaltenden weltweiten Überkapazitäten bei Standard-Polycarbonaten geführt. Schon seit 2022 macht der Konzern nach eigenen Angaben am Standort Antwerpen zunehmende Verluste, weil die Anlagen nicht ausgelastet sind. Außerhalb Europas haben die Leverkusener große Polycarbonat-Fertigungen in China, Thailand und den USA.
Europas Chemie hat mit rasant wachsenden Einfuhren von Konkurrenten aus China zu kämpfen. Bei vielen Produkten werfen die heimischen Hersteller den Chinesen vor, mit Subventionen und Dumpingpreisen nach Europa zu drängen.
Die EU-Kommission und die nationalen Regierungen sind alarmiert. Vor dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine härtere EU-Handelspolitik angekündigt. Es werde „eine robuste europäische Antwort auf die wachsende Unfairness im Welthandel, auf wettbewerbsverzerrende Handelspraktiken anderer Staaten geben“, sagte der CDU-Vorsitzende am Mittwoch im Bundestag.
Covestro betreibt in Antwerpen auch andere Anlagen für sein zweites bedeutendes Produkt Polyurethan. Das sind Schaumstoffe, die in Autositzen, Möbeln und zur Isolierung von Häusern und Kühlgeräten verwendet werden. Diese Produktlinie will Covestro in Antwerpen mit einer neuen Investition ausbauen. Insgesamt beschäftigt der Konzern dort 970 Menschen.
Die am Donnerstag verkündeten Abbaupläne sind zunächst eine Ankündigung. Unternehmen sind in Belgien verpflichtet, vor konkreten Beschlüssen in Konsultationen mit Arbeitnehmervertretern zu gehen. Dabei können auch anderweitige Schritte zur Kostensenkung erarbeitet werden.
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Konsultationen zwischen Covestro und Arbeitnehmervertretern in Belgien
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