
BASF plant neues Angebot für Evonik, während Preisvorstellungen beider Unternehmen weit auseinanderliegen.
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BASF verfolgt eine neue Strategie zur Effizienzsteigerung und will das Kerngeschäft durch Zukäufe ausbauen. Evonik plant derzeit den Verkauf von Unternehmensteilen wie Syneqt.
Düsseldorf. Investoren und Aktionärsvertreter rechnen mit einem neuen Vorstoß von BASF zum Kauf des Konkurrenten Evonik in den nächsten Wochen. „Ich bin überzeugt, dass die BASF das jetzt durchziehen wird“, sagte Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Handelsblatt. Hintergrund ist die jüngste Entwicklung in dem Übernahmepoker.
Die RAG-Stiftung, Hauptaktionärin von Evonik, hatte sich am Wochenende weder für noch gegen die vorliegende Offerte von BASF ausgesprochen. Sie sieht die Entscheidung zunächst bei den Unternehmen, also bei möglichen Gesprächen zwischen den Vorständen.
BASF dränge jetzt auf den Austausch mit der Evonik-Führung und stelle eine höhere Offerte sowie Beschäftigungszusagen in Aussicht, heißt es in Kreisen, die an dem Projekt beteiligt sind.
Investoren und Analysten gehen davon aus, dass es zu Gesprächen kommen wird und im Laufe des Prozesses der Kaufpreis die Marke von 25 Euro pro Evonik-Aktie erreichen könnte. Das ergaben Umfragen des Handelsblatts. BASF hat im ersten Vorstoß 22,15 Euro pro Aktie geboten. Evonik hatte die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen.
BASF will sich gezielt auch an die Arbeitnehmerseite des Essener Konzerns wenden. Den Kreisen zufolge tritt das Management dem Eindruck entgegen, mögliche Kürzungen bei einer Fusion würden allein zulasten von Evonik gehen. Man wolle „das Beste aus beiden Unternehmen zusammenbringen“. Synergien bei den Kosten würden auch die BASF-Seite betreffen. Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern für alle Standorte weltweit.
„Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung sind auf beiden Seiten gelebte Praxis, und das wird auch so bleiben“, heißt es in BASF-Kreisen. Bestehende Verträge für die Sicherung von Beschäftigung und Standorten würden bei einem Zusammengehen „vollumfänglich eingehalten“.
BASF würde sich Insidern zufolge auch die Pläne von Evonik zur Trennung von weiteren Unternehmensteilen noch einmal genau anschauen. Evonik plant den Verkauf der Basischemiesparte namens Oxeno und des neu gegründeten Chemieparkbetreibers Syneqt. Das soll den Essenern Milliardenbeträge in die Kasse spülen.
Für das in Syneqt gebündelte Dienstleistungsgeschäft mit dem Betrieb der Chemieparks in Wesseling und Marl sucht Evonik einen neuen Eigentümer. Rund 3500 Mitarbeiter des Konzerns sind davon betroffen. Bei einer Fusion könnte BASF aber Syneqt weiterführen, sagt ein Insider. Der Konzern betreibt über eine Infrastrukturtochter etwa den Industriepark Lausitz nahe Dresden.
Das im September vorgelegte erste Angebot von BASF bewertet Evonik mit rund 10,3 Milliarden Euro. Der Unternehmenswert inklusive Schulden liegt bei 14 Milliarden Euro. In BASF-Kreisen heißt es, die Offerte von 22,15 Euro je Aktie enthalte gemessen an der bisherigen Kursentwicklung bereits eine hohe Prämie und sei gut durchgerechnet. Grundlage sei eine Betrachtung von Evonik von außen.
Eine höhere Offerte sei möglich, wenn „gemeinsam weitere Potenziale für eine Wertsteigerung erarbeitet werden“, hieß es in den Kreisen. Das sei aber nur durch Gespräche mit dem Evonik-Management möglich. Aktuell gibt es keinen Austausch zwischen beiden Unternehmen.
BASF muss aber nicht nur bei Evonik und der Gewerkschaft für eine Evonik-Offerte werben, sondern auch bei Investoren und Analysten. Dort sind die Meinungen gemischt. „Wir sehen den Vorstoß von BASF grundsätzlich positiv, weil der Konsolidierungsdruck in der Chemie groß ist“, sagt der Vertreter eines deutschen Fonds.
Man fürchte aber auch Risiken für die Finanzkraft von BASF sowie wegen der Komplexität des Deals, hieß es weiter. Hinzu kommt der Europafokus beider Unternehmen: Dort erwirtschaften sie jeweils 40 bis 50 Prozent ihrer Umsätze.
Die Kreditanalysten von Bloomberg halten dies vor dem Hintergrund hoher Energiepreise und anhaltender Nachfrageschwäche in Europa für problematisch. Die Investmentbank JP Morgan geht davon aus, dass BASF mit anderen Übernahmen höhere Erträge bei geringeren Ausführungsrisiken erzielen könnte.
BASF sieht in dem Zusammengehen eine „große Chance, damit die deutsche Chemieindustrie auf dem Weltmarkt an der Spitze bleiben kann“, sagt ein Manager. Die Branche sei zu fragmentiert, und viele einzelne Player seien zu klein für die neuen Herausforderungen des Weltmarkts, wo man mit starken Unternehmen aus Asien und dem Nahen Osten konkurriere.
Nicht nur damit will BASF bei Evonik weiter um ein Zusammengehen werben: Beide Unternehmen könnten vom gemeinsamen Energie- und Rohstoffeinkauf profitieren, ebenso von größeren Ressourcen in der Forschung und Entwicklung.
Mit dem Übernahmevorstoß folgt BASF seiner im September 2024 vorgestellten Strategie. Sie sieht im ersten Schritt die Abtrennung mehrerer Geschäfte vor. Die Farbensparte wurde bereits verkauft, 2027 soll die Agrareinheit an die Börse gehen. Das neu zugeschnittene Kerngeschäft wird derzeit auf Effizienz getrimmt, rund 20 Prozent der Kosten werden gestrichen. Bis 2028 will BASF-Chef Markus Kamieth dieses Kerngeschäft durch eine Übernahme ausbauen.
Evonik würde die Präsenz des Konzerns vor allem bei Inhaltsstoffen für Reiniger, Körperpflege, Arzneien und Tiernahrung sowie bei Zusatzstoffen für die Industrie stärken. In Unternehmenskreisen wird betont, dass BASF aber nicht auf ein Zusammengehen angewiesen sei, um diese Geschäfte weiterzuentwickeln.
Die Ludwigshafener wollen beim möglichen Kaufpreis rational vorgehen. In BASF-Kreisen heißt es, eine Übernahme gehe nicht zulasten der finanziellen Ziele. Das gelte für den versprochenen Schuldenabbau ebenso wie für die angepeilten Ausschüttungen an die Aktionäre. Das Projekt sei finanziell so strukturiert, dass das starke Rating von BASF im Investmentgrade-Bereich nicht gefährdet werde.
DSW-Aktionärsvertreter Hocker hält das erste Angebot von BASF für zu niedrig. Bei einem Unternehmenswert von 14 Milliarden Euro entspricht es dem Sechs- bis Siebenfachen des für 2027 erwarteten operativen Gewinns von Evonik.
Analyst Sebastian Bray von der Berenberg Bank vermutet, dass BASF bereit sein könnte, zwischen 24 und 25 Euro pro Aktie zu zahlen. Das würde dem Achtfachen des erwarteten Gewinns entsprechen. Der Kaufpreis würde dann 11,6 Milliarden Euro erreichen.
Für die Evonik-Führung könnte aber auch das zu wenig sein. Die Essener argumentieren mit den sonst bei Übernahmen in der Spezialchemie üblichen Multiples. Die lagen in der Vergangenheit bei anderen Übernahmen zwischen dem Elf- bis Zwölffachen des Gewinns. Somit liegen die Vorstellungen über den Preis weit auseinander.
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