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Back|Chinas Exportoffensive nach Europa: Rekordimporte und steigender Handelsdruck
Chinas Exportoffensive nach Europa: Rekordimporte und steigender Handelsdruck
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Handelsblatt·1 hour ago·Business·4 min read·🇩🇪Germany·

Chinas Exportoffensive nach Europa: Rekordimporte und steigender Handelsdruck

Chinesische Unternehmen drängen mit Kampfpreisen in den EU-Markt, während die EU-Kommission über Schutzzölle berät.

Quick Look

  • Chinas Exporte in die EU erreichen mit 352 Milliarden Euro einen Rekordwert.
  • Besonders in den Sektoren Automobil, Chemie und Maschinenbau steigen die Importe massiv.
  • Die EU-Kommission prüft als Reaktion auf Preisdumping und Subventionen mögliche Schutzzölle.

AI-generated summary

Why It Matters

Chinas Binnenwirtschaft schwächelt, was Unternehmen dazu zwingt, verstärkt in Auslandsmärkte wie Europa zu exportieren. Gleichzeitig fördern staatliche Subventionen die Überkapazitäten.

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Düsseldorf, Shanghai, Brüssel. Weil die Wirtschaft im Heimatland schwächelt, exportiert China mehr und mehr nach Europa. So sind die chinesischen Einfuhren in die EU von Januar bis Juli um weitere sieben Prozent gestiegen. In mehreren Segmenten verläuft der Aufwärtstrend sogar zweistellig.

Schon im Jahr 2025 waren die Importe in die EU aus China kräftig gestiegen, jetzt erreichen sie mit 352 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Die Daten unterstreichen: Lieferprobleme infolge des Irankriegs haben Chinas Industrie kaum und nur vorübergehend zurückgeworfen.

Chinesische Chemieunternehmen verschifften im Juni und Juli wieder deutlich mehr Waren nach Europa. Ganz ähnlich verlief die Entwicklung im Maschinenbau. Die Lieferungen von Autos nach Europa waren über den gesamten Zeitraum von Januar bis Juli rund 50 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Der Trend, dass die chinesischen Exporte massiv steigen, setzte sich auch im August fort, wie aktuelle Konjunkturdaten aus China belegen.

Dabei dringen chinesische Unternehmen in vielen Branchen mit sogenannten Kampfpreisen nach Europa vor. Deutsche und europäische Hersteller werfen den Konkurrenten vor, Preisdumping zu betreiben und subventionierte Exporte nach Europa einzuführen. Der Druck auf die EU für die anstehenden Handelsgespräche mit Peking wächst. Bereits im Oktober werden Ergebnisse erwartet.

So setzen die Verantwortlichen der EU-Kommission zwar weiterhin auf Verhandlungen mit Peking. Im Hintergrund aber werden gleichzeitig Schutzzölle gegen Hybridautos und Chemikalien aus China vorbereitet, heißt es in Kommissionskreisen.

Die angeschlagene deutsche Chemieindustrie erlebte ab März eine starke Erholungsphase. So berichteten Topmanager von BASF, Evonik und Covestro noch im Mai übereinstimmend, dass der Importdruck durch chinesische Konkurrenten deutlich gesunken sei. Zuvor hatte China vor allem in der Basischemie die europäischen Märkte mit seinen Produkten geflutet.

Die Entwicklung aus dem Frühjahr des laufenden Jahres belegen auch Zahlen über EU-Chemie-Importe aus China. Aus ihnen geht hervor, dass vor allem im März und April die Volumina im Vergleich zu den Vorjahresmonaten deutlich gesunken waren. Aus Sorge vor Lieferengpässen, verursacht durch den Irankrieg, hatten viele Kunden verstärkt auf europäische Firmen gesetzt. Die Chinesen hingegen hatten enorm verteuerte Transportkosten nach Europa einkalkulieren müssen.

Die Entlastung für Europas Chemiebranche sollte aber nicht lange währen, es zeigt sich lediglich eine kurze Atempause. Denn schon im Juni lagen die Importe um 22 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch im Juli waren es noch 20 Prozent. In Europa fürchtet die Branche nun, dass die Verkaufspreise durch den Druck aus China wieder sinken werden. Vor allem die deutsche Chemie ist von den Importen aus China stark betroffen, wie die Daten aufzeigen.

Erschüttert von den chinesischen Einfuhren ist auch der deutsche Maschinenbau, eine weitere Traditionsbranche: Die Konkurrenz aus China steigt rasant. Wie in der Chemie hatte es auch dort eine kurze Atempause im Mai gegeben, was die Eurostat-Zahlen belegen. Doch schon im Juni wuchsen die Einfuhren im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres um 15 Prozent. Im Juli wurden dann zehn Prozent mehr Maschinen in die EU geliefert.

Chinas Maschinenbauer sind technologisch besser geworden und in einigen Bereichen inzwischen auf Augenhöhe mit der europäischen Konkurrenz. Doch die deutschen Maschinenhersteller beklagen Wettbewerbsverzerrungen und fordern Gegenmaßnahmen seitens der EU. Bertram Kawlath, Präsident des Maschinenbauverbands VDMA, sagt: „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir zum Spielball von Subventionen, Dumping und Währungsmanipulation werden.“

Neben dem Maschinenbau legten zwischen Januar und Juli vor allem die Importe von Edelmetallen aus China in die EU kräftig zu. Doch die größten Zuwächse verzeichnete die Automobilwirtschaft.

Im ersten Halbjahr 2026 hat sich der Trend, dass chinesische Autohersteller nach Europa drängen, extrem verstärkt. Lagen die Einfuhren von Straßenfahrzeugen noch im Januar um zehn Prozent über dem Vorjahresmonat, schnellten die Importwerte in den Folgemonaten steil aufwärts auf 50 Prozent: Im Juni waren es 52 Prozent, im Juli 53 Prozent.

Rund 780.000 Neuwagen chinesischer Marken wurden in den ersten sieben Monaten auf europäischen Straßen zugelassen. Das sind fast so viele wie im gesamten Jahr 2025.

Die Chinesen gewinnen mehr und mehr Marktanteile, wie eine weitere Datenanalyse des Handelsblatts zeigt. Von Januar bis Juli entfielen 8,7 Prozent der Neuzulassungen auf chinesische Marken. Noch im Jahr 2021 waren es lediglich 0,6 Prozent gewesen. Nicht zuletzt fokussieren sich Chinas Autobauer derzeit auf den Export, weil sie im Heimatmarkt in einem ruinösen Preiswettbewerb stecken. Das forciert die Entwicklung.

So sorgen sich auch die deutschen Automanager, dass die Importe aus China die Verkaufspreise in Europa weiter unter Druck setzen – und damit die Renditen der ohnehin angeschlagenen heimischen Hersteller.

Die Situation auf dem Automobilmarkt ist beispielhaft für die Situation, in der Chinas Wirtschaft steckt. Denn der heimische Konsum und damit die Binnenwirtschaft schwächeln. Zwar wuchs die chinesische Wirtschaft im ersten Halbjahr um 4,7 Prozent. Doch das Tempo lässt spürbar nach. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres wurde nur noch ein Wachstum von 4,3 Prozent erzielt.

Trotz allem zeigt sich, dass China die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts um den Iran und die Spannungen an der Straße von Hormus vergleichsweise gut weggesteckt hat, was das Ungleichgewicht verstärkt: Immer mehr wird produziert, was im Inland nicht ausreichend Abnehmer findet. So sind chinesische Unternehmen auf der Suche nach margenstärkeren Auslandsmärkten für Elektro- und Hybridfahrzeuge, für Batterien und für Produkte aus den Branchen Maschinenbau sowie Solarenergie. Und Europa gilt dabei als gerne gewähltes Ziel.

Peter Jin, Berater für chinesische Unternehmen, die auf Auslandsmärkte streben, erklärt dem Handelsblatt in Shanghai, dass für chinesische Unternehmen vor allem zwei Aspekte in Europa interessant seien. „Höhere Margen und weniger Wettbewerb“, sagt er. Denn die US-Märkte seien chinesischen Anbietern zunehmend verschlossen.

Hinzu kommt Pekings Industriepolitik: Der Staat und die Regionen fördern gezielt technologische Aufrüstung und industrielle Kapazitäten. Dabei konkurrieren nicht nur die Provinzen miteinander um die Ansiedlung und Fertigungskapazitäten der Firmen, sondern auch Städte und sogar einzelne Stadtdistrikte. Derart wird das Volumen produzierter Güter weiter nach oben getrieben.

Darüber hinaus bietet der unterbewertete Yuan einen Preisvorteil. So ist die chinesische Währung laut einer Schätzung des US-Thinktanks Brookings um mehr als 20 Prozent unterbewertet gegenüber dem US-Dollar, was chinesische Produkte vergünstigt. Andere Schätzungen gehen ebenfalls von einer Unterbewertung von 16 bis rund 20 Prozent aus. Allerdings sind die Zahlen nicht unumstritten.

Im Gegenzug könnte die EU bei bestehenden Maßnahmen, etwa den Ausgleichszöllen auf chinesische Elektroautos, Zugeständnisse machen, berichten EU-Diplomaten dem Handelsblatt. Doch hinter den Kulissen bereiten sich die Verhandler auch darauf vor, mit ihren Anliegen zu scheitern. Als Reaktion darauf könnte die EU in mehreren Sektoren Schutzzölle verhängen.

Bereits Anfang Oktober will Handelskommissar Maros Sefcovic nach Peking reisen, um mit seinem Kollegen Wang Wentao eine Bilanz der Verhandlungen zu ziehen. Falls es bis dahin keine Fortschritte gibt, will die EU-Kommission nach Angaben mehrerer hochrangiger EU-Beamter und Diplomaten neue Schutzzölle verhängen. Die politische Rückendeckung dafür könnte auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am 15. und 16. Oktober in Brüssel erteilt werden.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • EU-Kommission entscheidet über neue Schutzzölle gegen chinesische Importe.

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • ?Werden die EU-Staaten im Oktober tatsächlich Schutzzölle beschließen?
  • ?Wie reagiert Peking auf die angedrohten Handelsmaßnahmen?

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  • Chinas Exporte in die EU erreichen mit 352 Milliarden Euro einen Rekordwert.
  • Besonders in den Sektoren Automobil, Chemie und Maschinenbau steigen die Importe massiv.
  • Die EU-Kommission prüft als Reaktion auf Preisdumping und Subventionen mögliche Schutzzölle.

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