
Anstehende Inflationsdaten in Deutschland und den USA locken Anleger zur Wochenmitte aus der Reserve. Der Dax legt zu, verzeichnet im September jedoch Verluste.
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Der Dax erreichte vor etwa vier Wochen einen Rekord von 26.618,74 Punkten, verlor im September jedoch zahlreiche Zähler durch Unwägbarkeiten des Nahost-Konflikts.
Düsseldorf. Anstehende Inflationsdaten locken die Anleger zur Wochenmitte aus ihrer Reserve. Der Dax startet am heutigen Mittwoch mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 25.560 Punkten. An den bisherigen Handelstagen diese Woche gab es kaum Bewegung am deutschen Aktienmarkt.
Trotz der jüngsten Zukäufe hat der Dax im September zahlreiche Zähler verloren. Vor etwa vier Wochen erreichte der Leitindex noch einen Rekord von 26.618,74 Punkten. Unwägbarkeiten durch den Nahost-Konflikt haben die Märkte allerdings nachhaltig belastet.
Das zeigt sich auch an der 200-Tage-Linie. Diese bildet den Durchschnitt des Zeitraums und stellt den langfristigen Trend dar. Derzeit verläuft die Linie bei 25.634 Punkten. Der Leitindex pendelt derzeit auch um die Punktzahl. Sollte er darüber steigen, deutet sich ein übergeordneter Aufwärtstrend an.
„Anleger tun sich aktuell schwer damit, sich auf der einen oder anderen Seite zu positionieren. Die Angst, die falsche Seite zu wählen, ist für die meisten aktuell eine hohe Hürde“, ordnet Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Markets, ein.
Relevant werden dürften Inflationsdaten an diesem Mittwoch. So legt das Statistische Bundesamt neue Daten zur Teuerung im September vor. Infolge des Irankriegs und der hohen Spritpreise könnte die Inflationsrate in Deutschland demnach über die Marke von drei Prozent steigen – und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2023. Für August hatte die Behörde eine Rate von 2,9 Prozent errechnet.
„Jede negative Überraschung könnte neuen Verkaufsdruck erzeugen. Umgekehrt könnte eine positive Überraschung zu einer Erleichterungsrally führen“, sagt Altmann im Vorfeld der Daten.
In den USA veröffentlicht das US-Handelsministerium den Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE). Dieser ist das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Die Kernrate klammert die volatileren Preise für Lebensmittel und Energie aus.
Der Index misst, wie viel private Haushalte in den USA tatsächlich für Waren und Dienstleistungen ausgeben – und wie sich diese Preise verändern. Anders als der Verbraucherpreisindex (CPI), der als offizielle US-Inflationsrate gilt, berücksichtigt der PCE auch Ausgaben, die nicht direkt von den Haushalten bezahlt werden, etwa Krankenversicherungsleistungen des Arbeitgebers.
Die Inflation – sowohl in den USA als auch hierzulande – wird von den hohen Rohölpreisen getrieben. Diese steigen nach kurzzeitiger Entspannung im Nahost-Konflikt wieder. Die Nordseesorte Brent verteuert sich zur Lieferung im November um gut ein Prozent auf knapp 104 Dollar je Barrel, US-Leichtöl WTI zur Lieferung im November legt ein halbes Prozent auf etwa 90 Dollar je Barrel zu.
US-Präsident Donald Trump widerspricht einem Bericht des Nachrichtenportals Axios. Demnach wollte er im Gegenzug für konkrete Schritte des Iran beim Atomprogramm Sanktionen lockern und eingefrorene Gelder freigeben. Am Vortag waren die Preise noch gefallen, weil sich das Rohölangebot aus dem Nahen Osten erholt hatte.
Die Inflationsdaten treiben erneut Zinsspekulationen. Steigt die Inflation, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Notenbanken die Leitzinsen erhöhen. Sie wollen damit das Kreditwachstum bremsen und die Nachfrage dämpfen, weil Konsum und Investitionen bei teureren Krediten sinken.
Sinkt die Inflation dagegen, bekommen Notenbanken Spielraum für Zinssenkungen. Anleger verfolgen deshalb jede neue Inflationszahl genau: Sie zeigt an, wie wahrscheinlich die nächste Zinsentscheidung der Notenbank ausfällt.
Anfang September hatte die Fed den Leitzins bereits um einen Viertelprozentpunkt angehoben und weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im September die Zinsen erhöht. Ein Großteil der Marktteilnehmer preist eine weitere Zinserhöhung der Fed bei ihrer nächsten Zinssitzung ein, bei der EZB glauben weniger als die Hälfte an eine.
Diese Zinserwartungen schlagen sich längst in den Anleihemärkten nieder. So erreichten die Renditen am US-Anleihemarkt Stände wie seit fast 25 Jahren nicht mehr: 30-jährige US-Staatsanleihen notierten am Dienstag mit bis zu 5,62 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 2002, zehnjährige Papiere nähern sich diesem Wert und liegen aktuell auf dem Niveau von 2007.
Sorgen um die Staatsfinanzen, ein hohes Angebot an Neuemissionen und eine steigende Inflation infolge hoher Energiekosten treiben die Renditen an. Da die Zehnjahresrendite als Referenzwert für Hypotheken-, Auto- und teils Kreditkartenzinsen dient, verteuert sich damit auch die Finanzierung für US-Verbraucher.
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