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Deutsch-Australische Sicherheitspartnerschaft: "Ghost Bat" als "Wingman" für die Bundeswehr?
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Handelsblatt6/21/2026Defense6 min readGermany

Deutsch-Australische Sicherheitspartnerschaft: "Ghost Bat" als "Wingman" für die Bundeswehr?

Quick Look

  • Australien wirbt mit der "Ghost Bat"-Kampfdrohne für die Bundeswehr.
  • Die deutsch-australische Sicherheitspartnerschaft könnte durch die Beschaffung der von Boeing Australia entwickelten Drohne vertieft werden.
  • Deutschland und Australien sehen sich angesichts globaler Spannungen und Chinas wachsender Militärmacht gefordert, ihre Verteidigungsfähigkeiten zu stärken.

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Why It Matters

Australien wirbt mit der "Ghost Bat"-Kampfdrohne für die Bundeswehr, um die deutsch-australische Sicherheitspartnerschaft zu vertiefen. Beide Länder sehen sich angesichts globaler Spannungen und Chinas wachsender Militärmacht gefordert.

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Berlin. Ein Projekt, das die deutsch-australische Sicherheitspartnerschaft auf eine neue Stufe heben könnte, ist kürzlich bei der Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin präsentiert worden: die Jagdbomberdrohne MQ-28 Ghost Bat. Die unbemannte „Geisterfledermaus“ ist von Boeing Australia für die australische Luftwaffe entwickelt worden und soll künftig gemeinsam mit bemannten Kampfjets operieren können.

genau solche „Wingman“-Drohnen will auch die Bundeswehr beschaffen – und Australiens Vizepremier und Verteidigungsminister Richard Marles wirbt für das Produkt aus heimischer Produktion: „Wir glauben, dass Ghost Bat tatsächlich eine der besten Kampfdrohnen der Welt ist“, sagt Marles im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die knapp 12 Meter lange Jagdbomberdrohne hatte schon bis Ende März mehr als 150 Flüge absolviert, auch mit Waffen oder entsprechenden Missionssystemen. Das Programm gilt als weit fortgeschritten. „Darin liegt eine ausgezeichnete Chance für Deutschland“, betont Marles.

Boeing Australia hat bereits eine Kooperation mit Rheinmetall geschlossen. Der Düsseldorfer Konzern will im Fall eines Zuschlags durch die Bundeswehr die Systemintegration übernehmen sowie beim Einsatz und bei der Logistik unterstützen. Allerdings wetteifert auch das deutsche Unternehmen Helsing mit seiner Jagdbomberdrohne CA-1 Europe um den Auftrag. Und als Dritte im Bunde machen sich Airbus Defense und das US-Unternehmen Kratos Hoffnungen, mit ihrer Valkyrie zum Zuge zu kommen.

Mit einem Zuschlag für Boeing Australia würden die bereits engen rüstungspolitischen Beziehungen beider Länder weiter vertieft. Davon ist der australische Verteidigungsminister überzeugt. So hat Rheinmetall in Australien eine bedeutende Präsenz aufgebaut und produziert dort Radpanzer des Typs Boxer. 100 der 123 sogenannten schweren Waffenträger auf Basis des Boxers, die die Bundeswehr geordert hat, werden in „Down Under“ gefertigt.

„Das ist der größte Rüstungsexport in der Geschichte Australiens“, sagt Verteidigungsminister Marles. Bei einem Besuch in Brisbane Ende März hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine Probefahrt im ersten für Deutschland bestimmten Boxer unternommen.

Die australische Regierung ihrerseits hat einen Auftrag zur Produktion von 155-Millimeter-Artilleriemunition vergeben, die ebenfalls im Land produziert wird. „Und wir sehen noch deutlich mehr Potenzial für eine engere Zusammenarbeit unserer Verteidigungsindustrien“, sagt der Vizepremier.

Deutschland gehöre zu „unseren strategischen Partnern ersten Ranges“, so Marles. Gemeinsam mit Außenministerin Penny Wong hatte er am 8. Juni Berlin besucht, wo die beiden Gespräche mit ihren deutschen Amtskollegen Pistorius und Johann Wadephul (CDU) führten.

Australien zählt trotz der enormen Entfernung auch zu den zuverlässigen Unterstützern der Ukraine. So hat es schon für mehr als 1,7 Milliarden Australische Dollar (gut eine Milliarde Euro) Militärhilfe geleistet und unter anderem Abrams-Kampfpanzer, geschützte Fahrzeuge und Artillerie geliefert. Australische Soldaten helfen in Polen bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten.

„Wir beobachten weltweit, dass die regelbasierte Ordnung unter Druck gerät“, begründet Marles das Engagement. Das lasse sich in der Ukraine beobachten, aber auch im Indopazifik, wo China immer selbstbewusster auftritt und auch militärisch die Muskeln spielen lässt. Die Volksrepublik werde aus dem, was sie in der Ukraine beobachte, auch Lehren für den Indopazifik ziehen, ist Marles überzeugt. „Aus australischer Sicht stehen wir vor dem komplexesten und bedrohlichsten Umfeld seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Die Regierung in Canberra hatte deshalb erst im April die nationale Verteidigungsstrategie überprüft und aktualisiert. Auch steht Australien vor der „größten Erhöhung der Verteidigungsausgaben in der Geschichte unseres Landes“, wie Marles betont. Bis 2033 sollen sie von aktuell rund zwei Prozent auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen.

Der australische Verteidigungsminister verhehlt nicht, dass das auch mit China zu tun hat. „China ist unser größter Handelspartner und tief in die Weltwirtschaft integriert“, sagt Marles. Deshalb wolle seine Regierung das „bestmögliche Verhältnis“ zur Volksrepublik. Doch baue diese ihre konventionellen militärischen Fähigkeiten massiv aus. „Deshalb müssen die Länder der indopazifischen Region ihre militärischen Fähigkeiten stärken, damit sie selbst zu Stabilität und Abschreckung beitragen können“, sagt Marles.

Für Australien gehört zu dieser Abschreckungsfähigkeit vor allem das im Jahr 2021 geschlossene trilaterale Sicherheitsbündnis AUKUS mit den USA und Großbritannien. Kern des Abkommens ist die Beschaffung und der Bau atomgetriebener, konventionell bewaffneter U-Boote, aber auch eine enge Zusammenarbeit bei innovativen Verteidigungstechnologien wie beispielsweise Unterwasserdrohnen, Künstliche Intelligenz oder Quantentechnologie.

Australien will langfristig seine bisherige U-Boot-Flotte von sechs U-Booten der Collins-Klasse durch bis zu acht U-Boote mit Atomreaktor ersetzen. Zwei Boote der Virginia-Klasse sollen in den 2030er-Jahren aus US-Beständen kommen, ein drittes für Australien neu gebaut werden. In den 2040-er und 2050er-Jahren will das Land dann fünf weitere Boote der noch in der Entwicklung befindlichen SSN-AUKUS-Klasse erwerben, die auf einem britischen Entwurf beruhen.

Doch mit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump stand das Abkommen zeitweise in Frage. Inzwischen sei aber klar, dass es fortgeführt werde, betont Marles: „AUKUS ist ein Generationenprojekt“, das sei von vornherein klar gewesen. Seit das Abkommen 2021 vereinbart wurde, habe es in allen drei Ländern Regierungswechsel oder politische Verschiebungen gegeben. „Dass AUKUS dennoch fortgeführt wird, ist wichtig für die Zukunft, denn es zeigt, dass dieses Abkommen über einzelne Regierungen hinaus Bestand hat.“

Ursprünglich hatte Australien geplant, französische U-Boote zu kaufen, war dann aber auf die amerikanisch-britische Lösung umgeschwenkt, was zu diplomatischen Verstimmungen mit Paris führte. Die Entscheidung für atomgetriebene U-Boote habe aber gute Gründe, betont der australische Verteidigungsminister. „Wir müssen U-Boote betreiben, die weite Strecken zurücklegen können, lange im Einsatz bleiben und schwer zu entdecken sind.“

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die Bundeswehr wird eine Entscheidung über die Beschaffung von "Wingman"-Drohnen treffen.

    Likely · Within months

  • Die deutsch-australische Rüstungskooperation wird sich weiter intensivieren.

    Very likely · Within years

Open Questions

  • Wird die Bundeswehr die "Ghost Bat" beschaffen?
  • Welche Rolle spielt die Konkurrenz durch Helsing und Airbus/Kratos?
  • Wie wird sich Chinas Verhalten im Indopazifik weiterentwickeln?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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