Deutsche Industrie verzeichnet im Juli überraschendes Auftragsplus
Staatsinvestitionen in Verteidigung sorgen für Sonderkonjunktur, während die Autoindustrie schwächelt
Quick Look
- Im Juli stiegen die Industrieaufträge in Deutschland saison- und kalenderbereinigt überraschend um 2,5 Prozent zum Vormonat.
- Haupttreiber waren staatliche Verteidigungsinvestitionen im sonstigen Fahrzeugbau, während die Autoindustrie einen Rückgang verzeichnete.
AI-generated summary
Why It Matters
Die deutsche Wirtschaft befand sich in den Vorjahren in einer längeren Schwächephase und schrumpfte zweijährig in Folge.
Im Juli hat die deutsche Industrie mehr Aufträge erhalten als erwartet. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Bestellungen saison- und kalenderbereinigt laut dem Statistischen Bundesamt um 2,5 Prozent an. Das überstieg deutlich die Erwartungen von Ökonomen. Im Vergleich zum Juli 2025 stiegen die Aufträge kalenderbereinigt sogar um 13 Prozent.
Der Anstieg geht fast ausschließlich auf den sogenannten sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) zurück, wo die staatlichen Investitionen in Verteidigung zu einer Sonderkonjunktur führten. Wegen außergewöhnlich vieler Großaufträge steigerte sich in diesem Bereich mit einem Plus von 124 Prozent der Auftragseingang um mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vormonat. In der Autoindustrie wirkte sich ein Auftragsrückgang von 12,5 Prozent dagegen negativ aus.
Führende Institute hatten ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft zuletzt angehoben. Für 2026 erwartet das ifo Institut jetzt ein Wachstum um 1,4 Prozent. 2025 hatte das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,2 Prozent zugenommen. In den beiden Jahren davor war die Wirtschaft geschrumpft.
Ökonom rechnet mit weiteren Stellenverlusten
Ökonomen fordern allerdings weitere Maßnahmen, um die Wirtschaft zu stabilisieren. »Solange die Bundesregierung die geschundene Standortqualität nicht durch tiefgreifende Reformen verbessert, fassen die Unternehmen kein Vertrauen und erhöhen hierzulande ihre Investitionen nicht«, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. »Die deutsche Wirtschaft ist wie ein Auto, das mit einem kaputten Zylinder fährt.«
So glänzend, wie es auf den ersten Blick aussehe, sei das Gesamtbild im Juli nicht, sagte auch Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank LBBW. Ohne Großaufträge wäre das Neugeschäft insgesamt um 1,4 Prozent geschrumpft. »Dennoch zeigt sich auch mit diesen Zahlen, dass das Konjunkturtief zunächst überwunden ist. Es ist schon eine ganze Weile her, dass die deutsche Konjunktur so viele positive Schlagzeilen schrieb.«
»Der starke Anstieg der Auftragseingänge in der Industrie ist ein weiteres Indiz, dass sich die deutsche Industrie langsam aus der langen Schwächephase herausarbeitet«, sagte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Zentrale Probleme wie etwa Konkurrenz aus China und US-Zölle blieben jedoch ungelöst. »Es dürften deshalb weiter Stellen in der Industrie verloren gehen.«, sagte Dullien.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Weitere Stellenverluste in der Industrie
Likely · Within months
Open Questions
- Wie entwickeln sich die Aufträge ohne staatliche Rüstungsaufträge in den kommenden Monaten?
- Werden die Reformforderungen der Ökonomen von der Regierung umgesetzt?





