Deutsche Inflation steigt im August auf 2,9 Prozent – EZB-Zinserhöhung wahrscheinlicher
Quick Look
- Die deutsche Inflation stieg im August auf 2,9 Prozent, getrieben von hohen Energiepreisen aufgrund des Kriegs zwischen den USA und Israel gegen Iran und Niedrigwasser im Rhein.
- Lebensmittelpreise stagnierten.
- Experten sehen eine weitere EZB-Zinserhöhung im September als wahrscheinlich an.
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Why It Matters
Die Inflation in Deutschland lag im Juli bei 2,8 Prozent und ist nun auf 2,9 Prozent gestiegen. Die EZB hatte die Zinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren angehoben und im Juli pausiert. Die Kerninflation liegt bei 2,4 Prozent.
Die deutsche Inflation hat im August nach vorläufigen Daten erneut angezogen. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Juli hatte der Anstieg bei 2,8 Prozent gelegen. Die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, auch als Kerninflation bezeichnet, legten um 2,4 Prozent zu.
Vor allem die Energiepreise gingen zuletzt hoch. So ist der Ende Februar begonnene Krieg der USA und Israels gegen Iran in den vergangenen Wochen - nach ersten Entspannungssignalen - immer wieder aufgeflammt. Das hat vor allem die Ölpreise in die Höhe getrieben: Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee kostet heute 90,77 Dollar.
"Aber selbst wenn das Öl wieder ungehindert durch die Straße von Hormus flösse und sich Energie verbilligte, dürfte die Inflation noch lange deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent liegen", so die Einschätzung von Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Denn immer mehr Unternehmen sind gezwungen, den zurückliegenden Kostenschub bei der Energie an ihre Kunden weiterzugeben."
Tanken bleibt teuer
Verbraucher spüren die hohen Energiepreise nach wie vor an der Tankstelle. "Kraftstoffe und Heizöl verteuern sich wegen blockierter Transportwege und geringerer Raffineriekapazitäten noch stärker als das Rohöl selbst", sagte Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Super E10 kostete am Sonntag im bundesweiten Durchschnitt 2,153 Euro pro Liter, wie der ADAC errechnete. Der E10-Preis lag damit fünf Cent unter dem Rekordhoch von 2,203 Euro aus dem März 2022. Für Diesel mussten Autofahrer am Sonntag im Schnitt 2,202 Euro zahlen. Hier wurde der Höchstwert von 2,446 Euro im April 2026 erreicht.
Neben den hohen Ölpreisen treibt auch das Niedrigwasser im Rhein die Preise an den Tankstellen nach oben. Davon sind besonders Bundesländer entlang der Wasserstraße betroffen, etwa Nordrhein-Westfalen. Raffinerien werden häufig per Binnenschiff beliefert, wie das Bundeskartellamt erklärte. Durch das Rekord-Niedrigwasser des Rheins wurde die Schifffahrt auf Europas wichtigster Binnenwasserstraße erheblich beeinträchtigt.
Auch Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen wurden teurer - diese Preise stiegen um 2,8 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli. Ganz anders bei Lebensmitteln, ihre Preise stagnierten nahezu. Nahrungsmittel kosteten bundesweit durchschnittlich 0,1 Prozent mehr.
Zinserhöhung wird wahrscheinlicher
Auch in anderen großen Euro-Ländern wie Frankreich und Spanien liegt die Inflation deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die zwei Prozent anstrebt. "Eine Zinserhöhung der EZB bei der nächsten Sitzung ist wahrscheinlich geworden", so Chefvolkswirt Heise. Die Währungshüter könnten also im September ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben - von 2,25 auf 2,50 Prozent.
"Zwar bleiben die Entscheidungen von der Datenlage abhängig, doch dürfte eine weitere Zinsanhebung notwendig sein, sofern sich die Inflationsaussichten nicht erheblich verbessern sollten", hieß es in den Protokollen zur Juli-Sitzung der EZB. Die Zentralbank hatte die Zinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren angehoben und im Juli pausiert.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Europäische Zentralbank wird bei ihrer nächsten Sitzung im September den Leitzins von 2,25 auf 2,50 Prozent erhöhen.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wie lange wird der Konflikt zwischen den USA und Israel gegen Iran andauern?
- Wann wird das Niedrigwasser im Rhein voraussichtlich endet?
- Wie werden die Verbraucher auf die anhaltend hohen Energiepreise reagieren?
- Wird die EZB tatsächlich im September die Zinsen erhöhen?







