Ölmarkt bleibt vom Iran-Konflikt belastet – Venezuela-Deal könnte langfristig entlasten
Quick Look
- Der Ölpreis für Brent-Rohöl stieg auf 91 Dollar pro Barrel aufgrund erneuter Spannungen im Persischen Golf zwischen den USA und dem Iran.
- Experten sehen im kürzlich angekündigten Öl-Deal zwischen den USA und Venezuela ein potenzielles langfristiges Entlastungsszenario durch mögliche Erschließung von 65 Milliarden Barrel Reserven und einen möglichen OPEC-Austritt Venezuelas, der das Kartell schwächen könnte.
AI-generated summary
Why It Matters
Der Ölmarkt reagiert seit sechs Monaten empfindlich auf Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran am Persischen Golf. Nach einer Phase der Entspannung Anfang Juli haben erneute militärische Auseinandersetzungen die Ölpreise wieder nach oben getrieben.
Der Ölmarkt wird das Thema Iran nicht los. Seit nunmehr einem halben Jahr folgen die Notierungen den wechselhaften Nachrichten von dem Konflikt am Persischen Golf. Der neue Schlagabtausch in der Region hat die Preise schon am Sonntag angetrieben. Während das US-Militär Stellungen der iranischen Revolutionsgarden attackierte, feuerten diese Raketen auf US-Stützpunkte in der Region ab.
Heute ist der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent auf 91 Dollar geklettert, ein Plus von rund drei Prozent. Damit liegt die Notierung wieder fast 30 Prozent über dem Zwischentief Anfang Juli, als sich die Lage in dem Konflikt entspannt hatte.
Der jüngste Preisanstieg am Ölmarkt habe sich aber in Grenzen gehalten, hieß es in einer Einschätzung des Handelshauses Pepperstone. "Zum jetzigen Zeitpunkt scheint es wenig Neigung zu geben, den Rohölpreis signifikant nach oben zu treiben", schrieben die Experten.
Öl-Deal mit Venezuela: Langfristige Entlastung?
Experten machen auch einen Entlastungsfaktor für den Ölmarkt am Horizont aus. Der am Wochenende von US-Präsident Trump verkündete Öl-Deal mit Venezuela ist zwar nur in Umrissen erkennbar. In Zukunft könnte er aber eine Modernisierung der danieder liegenden Ölindustrie des Landes erleichtern - und damit ein spürbares Mehrangebot von Rohöl auf dem Weltmarkt bedeuten.
Nach Angaben der venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez umfasst die Vereinbarung die Erschließung von 17 Ölfeldern mit einem nachgewiesenen Reserven von 65 Milliarden Barrel Öl. Der weltweite Ölverbrauch wird derzeit auf knapp 40 Milliarden Barrel pro Jahr geschätzt.
Viele Fragen offen
Dabei bleiben eine Menge wesentlicher Fragen offen, insbesondere die, ob große US-Konzerne nun das Wagnis einer Großinvestition in die neuen Ölfelder eingehen wollen, und wann zusätzliches Öl aus dem Land fließen könnte. Schließlich ist unklar, ob das ungewöhnliche Abkommen, dessen Text nicht veröffentlicht wurde, künftige Administrationen in beiden Ländern überlebt.
Sollte das Abkommen aber wirklich die Ölförderung in Venezuela ankurbeln und die gewaltigen Reserven des Landes anzapfen, wäre dies nicht eine Angelegenheit von Monaten, sondern von Jahren. Von dieser Seite ist also keine unmittelbare Entlastung des Ölmarkts zu erwarten.
Hoffnung auf OPEC-Austritt
Ein Aspekt wirkt aber auf jeden Fall entlastend. Im Zusammenhang mit dem Öl-Deal erwägt Caracas laut der Nachrichtenagentur Bloomberg den Austritt aus der OPEC. Das würde das Ölkartell nach dem Ausstieg der Vereinigten Arabischen Emirate im Mai weiter schwächen und seine Preissetzungsmacht weiter einschränken. Venezuela war im Jahr 1960 eines der fünf Gründungsmitglieder des Kartells.
Für das südamerikanische Land würde der Schritt einen Wegfall von Förderquoten bedeuten, was ein Hochfahren der heimischen Produktion ebenfalls erleichtern würde. Zudem würden sich die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA weiter normalisieren und den Weg für einen vollständigen Wegfall der US-Sanktionen öffnen.
Ein OPEC-Austritt Venezuelas würde die Ölpreise also mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Druck setzen.
DAX schwächer
Die anziehenden Ölpreise nach den neuen Angriffen am Persischen Golf lasten zum Wochenstart auch auf dem deutschen Aktienmarkt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Venezuela wird langfristig mehr Öl auf den Weltmarkt bringen, wenn die Ölfelder erschlossen und produziert werden.
Possible · Within years
Ein OPEC-Austritt Venezuelas würde die Ölpreise mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Druck setzen.
Likely · Within months
Open Questions
- Werden große US-Konzerne in die venezolanischen Ölfelder investieren?
- Wann wird zusätzliches Öl aus Venezuela fließen?
- Überlebt das US-Venezuela-Ölabkommen zukünftige Regierungswechsel?
- Wird Venezuela tatsächlich aus der OPEC austreten?







