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Deutsche Rüstungsindustrie sieht sich zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt
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Deutsche Rüstungsindustrie sieht sich zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt

Quick Look

  • Die deutsche Rüstungsindustrie berichtet von wachsenden Bedrohungen durch Sabotage, Anschläge und Spionage.
  • Unternehmen wie Rohde & Schwarz, Helsing, Hensoldt und KNDS sowie Führungskräfte wie Armin Papperger und Stefan Thumann sind Ziel von Gefährderhinweisen und Angriffen.
  • Der BDI und bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger fordern verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und staatlichen Schutz.

AI-generated summary

Why It Matters

Die deutsche Rüstungsindustrie sieht sich zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt, darunter Sabotage, Anschläge und Spionage. Unternehmen in München und Umgebung, insbesondere im Verteidigungssektor, melden wachsende Gefährdungen. Der BDI und staatliche Behörden bestätigen eine verschärfte Bedrohungslage.

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Die deutsche Rüstungsindustrie will die Sicherheit des Landes gewährleisten. Zunehmend scheint sie jedoch zur Selbstverteidigung gezwungen, weil sie selbst ins Fadenkreuz von Sabotage, Bedrohungen und sogar Anschlägen gerät. Jüngstes Beispiel aus München: Am Donnerstag teilte das Landeskriminalamt Bayern mit, dass in der Nacht Brandsätze aus einem Auto heraus auf einen Gebäudekomplex im Stadtteil Berg am Laim geworfen worden waren. Betroffen war die Firma Rohde & Schwarz, ein führender Technologiehersteller, dessen Produkte in der Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Sicherheit verbaut werden. Auch Europas wertvollstes Rüstungs-Start-up Helsing sitzt in der Nachbarschaft.

Gegen zwei Bulgaren wurden am Freitag Haftbefehle erlassen. Nennenswerter Schaden ist nicht entstanden, und doch verstärkt sich der Eindruck, dass die Bedrohung wächst. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) untermauert das Szenario. Es sei nicht das erste Mal, dass Technologieunternehmen mit einer Nähe zur Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ins Visier gerieten, sagte der Politiker und kündigte „weitere kostenintensive Sicherheitsvorkehrungen“ an.

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Der Großraum München steht besonders im Fokus. Nirgendwo sonst haben sich in den letzten Jahren so viele junge Rüstungsunternehmen herausgebildet wie in der bayerischen Landeshauptstadt. Viele dieser Start-ups bauen derzeit im Umland eigene Produktionen für Drohnen oder Landfahrzeuge auf. Auf den Fabriken prangen meist keine großen Firmenschilder, Anonymität ist erwünscht. Dazu kommen traditionelle Branchenvertreter, die hier schon angesiedelt sind. Sie alle wirksam gegen neue Bedrohungen zu schützen, ist eine gigantische Herausforderung.

Beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin ist man schon lange alarmiert. „Die Sicherheitsbehörden weisen seit Längerem auf eine verschärfte Bedrohungslage hin und stehen hierzu in engem Austausch mit den betroffenen Unternehmen“, heißt es. „Besonders die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gerät zunehmend in den Fokus.“ Der Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig und die klare Attribution durch die Bundesregierung verdeutlichten den Ernst der Lage. Der BDI unterstütze den engen Austausch zwischen Unternehmen, Ressorts und Sicherheitsbehörden. „Als Gründungspartner der Initiative Wirtschaftsschutz bringen wir die Perspektive der Wirtschaft in diesen Austausch ein und informieren unsere Mitglieder über aktuelle Entwicklungen.“ In konkreten Gefährdungslagen erfolge die Ansprache betroffener Unternehmen direkt durch die zuständigen Sicherheitsbehörden. Ohne den Staat, so der BDI, könnten sich die Unternehmen aber nicht wirksam schützen.

Naturgemäß werden die Betroffenen bei dem Thema nicht gerne konkret. „Grundsätzlich sehen wir, dass sich die Sicherheitslage für Unternehmen der Verteidigungsindustrie in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat“, heißt es vom Technologiespezialisten Hensoldt aus Taufkirchen bei München. Neben klassischen Risiken gewinnen demnach hybride Bedrohungen wie Sabotage, Cyberangriffe, Spionage und gezielte Störaktionen an Bedeutung. Hensoldts entschlossene Antwort: „Wir lassen uns von solchen Vorfällen nicht einschüchtern. Unsere Aufgabe ist es, einen Beitrag zur Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und seiner Bündnispartner zu leisten – und dieser Aufgabe kommen wir weiterhin konzentriert und verantwortungsvoll nach.“

Spionage und Drohnen beim Panzerhersteller KNDS

Auch der Panzerbauer KNDS nimmt die wachsende Bedrohung wahr. „Als Rüstungsunternehmen verfolgen wir bereits große Anstrengungen zum Schutz unserer Vermögenswerte, doch die Zahl der Vorfälle – von Drohnen bis hin zu Spionageakten – steigt, weshalb wir unsere Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich verstärken.“ Ein Sprecher von Airbus Defence, das in Taufkirchen neben Hensoldt sitzt, berichtet von einem engen Austausch mit den Behörden.

Nicht nur die Unternehmen, auch Einzelpersonen rücken in den Fokus. Armin Papperger, der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Rüstungskonzern Rheinmetall, lebt schon lange mit Auflagen. Er hat dasselbe Sicherheitslevel wie der Bundeskanzler. Dennoch konnten ihm im Frühjahr auf der Hannover-Messe Aktivisten während einer Podiumsdiskussion erstaunlich nahekommen. In diesem Falle stellte sich die Gruppe als harmlose Krakeeler heraus, deren Meinungsfreiheit Papperger versprach weiterhin zu verteidigen. Vor gut zwei Jahren wurden aber Anschlagspläne gegen den Manager bekannt. Westliche Geheimdienste hatten vor einer aus dem Ausland gesteuerten Aktion gewarnt.

Rüstungsmanager reden über persönliche Bedrohungen in der Regel nicht offen. Die Ausnahme heißt Stefan Thumann. Der 39 Jahre alte Bayer hatte vor rund sechs Jahren Donaustahl gegründet, das sich vom Anbieter für Sportschützenzubehör zum Drohnenlieferanten für die Ukraine entwickelt hat. Ende vergangenen Jahres überbrachten die Sicherheitsbehörden Thumann einen Gefährderhinweis, wie es im Amtsdeutsch heißt. Der Unternehmer verließ Familie und Haus umgehend, lebt seitdem an geheimen Orten. Mit der Außenwelt kommuniziert Thumann vor allem über die Plattform Linkedin, seine teils speziellen Posts haben dort Kultstatus.

Bekannt ist das alles, weil Thumann sich schon vor Monaten entschlossen hat, seine Situation über die Medien von Bertelsmann bekannt zu machen. Nach großen Auftritten in „Stern“ und RTL folgte noch der Podcast von „Bild“-Reporter Paul Ronzheimer. Das garantiert maximale Aufmerksamkeit. Thumann erzählt seine Version, wie er ins Visier des russischen Geheimdienstes geraten sei aufgrund seines Engagements mit der Ukraine, über Giftanschlagspläne und sein Leben im Untergrund. Besonders markant sind Aussagen wie die, dass er zu einer der größten Gefahren für das Putin-Regime geworden sei; dass Thumann keinen Millimeter weichen werde. Und seine direkte Ansage an Putin: „Das Spiel ist erst vorbei, wenn einer von uns beiden stirbt.“

Wenn Rüstungsmanager abtauchen müssen

Solche Kommentare stoßen selbst in der Branche auf ein geteiltes Echo. Unstrittig sind aber die Erfahrungen über die Belastung der Bedrohung und das Leben jenseits der Öffentlichkeit. „Wir zahlen einen hohen Preis“, sagt ein anderer Rüstungsmanager, dessen Bewegungsfreiheit ebenfalls eingeschränkt ist. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen.

Die Warnhinweise, die er von den Behörden bekommen hat, beschreibt er als wenig konkret. Er frage sich, wie ernst man das nehmen solle, wenn man nicht mal wisse, woher die Bedrohung angeblich kommt. Diese Information habe man ihm nämlich vorenthalten. „Es ist wie beim Arzt: Wenn eine Diagnose schlecht ist, dann will ich, dass der Arzt auch Tacheles redet.“ Polizeischutz für sich und sein Unternehmen gäbe es trotz wiederholter Nachfrage bislang nicht.

Zudem kritisiert er die teils langen Verfahren trotz offensichtlich ernsthafter Bedenken. Man habe ihm gesagt, dass es vier Wochen dauere, um zu prüfen, ob sein Mobilfunkgerät sicher sei. Auch das Durchleuchten neuer Mitarbeiter, das in der Verteidigungsindustrie nachvollziehbarerweise besonders streng ist, ziehe sich oft über Monate. Gerade bei schnell wachsenden jungen Unternehmen mit hohem Personalbedarf sei das ein echtes Problem, gute Leute machten das bisweilen nicht mit.

Die wachsenden Kosten für Personen- und Objektschutz würden gerade für junge Unternehmen zunehmend zur Belastung, moniert ein Vertreter eines anderen Start-ups. Man hört, dass an Standorten von Verteidigungsunternehmen der Markt für Personenschützer geradezu leer gefegt sei. Die Angriffe auf sein Unternehmen gingen über die ganze Bandbreite, sagt der Unternehmer. Von permanenten Cyberattacken bis hin zu klassischen Agentenmethoden, wie man sie noch aus dem Kalten Krieg kennt: Viele Mitarbeiter seien regelmäßig in der Ukraine für Tests und Zusammenarbeit.

Für die nötigen Visa müssen sie zum Konsulat in München. „Kurz nach dem Verlassen wurden einige schon von netten jungen Frauen kontaktiert mit sehr offensichtlichen Absichten“, sagt der Manager. Dagegen helfe nur offensive Aufklärung in der Belegschaft.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die Bundesregierung wird zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Rüstungsunternehmen ankündigen.

    Likely · Within weeks

  • Junge Rüstungsunternehmen werden verstärkt in privaten Objektschutz investieren.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wer steht genau hinter den Anschlägen und Bedrohungen?
  • Wie effektiv sind die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen der Unternehmen?
  • Welche konkreten Schritte plant die Bundesregierung zur Verbesserung des Schutzes?
  • Wie beeinflussen die Bedrohungen die Innovationskraft und das Wachstum junger Rüstungsunternehmen?

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This article was originally published by FAZ.

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