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Deutsche Wirtschaft ignoriert den Aufruf zum De-Risking in China
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FAZ1 hour agoBusiness3 min readGermanyView translation

Deutsche Wirtschaft ignoriert den Aufruf zum De-Risking in China

Trotz politischer Appelle haben deutsche Unternehmen ihre China-Investitionen gesteigert, während Alternativen in Südostasien und Indien schwerer als erwartet zu erschließen sind.

Quick Look

  • Trotz politischer Aufrufe zum De-Risking haben deutsche Unternehmen ihre Investitionen in China im ersten Halbjahr gesteigert.
  • Alternativen in Südostasien und Indien erweisen sich für die deutsche Autoindustrie und den Maschinenbau als schwierig.

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Why It Matters

Seit dem Ukrainekrieg fordert die Bundesregierung eine Reduzierung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China.

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Anfang September las Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) der deutschen Wirtschaft die Leviten. Drei Jahre ist es her, dass die Bundesregierung dazu aufgerufen hat, die Abhängigkeit von China zu reduzieren und neue Fabriken ab sofort im Süden des asiatischen Kontinents zu bauen. Doch die Unternehmen waren unfolgsam.

Ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum hat Deutschland in der ersten Jahreshälfte in China investiert. Dabei verkaufen die Deutschen dort weniger, während die Chinesen in Deutschland gewinnen. Das Verhältnis zum Reich der Mitte werde „immer unausgewogener“, hielt Wadephul beim Wirtschaftstag der Botschafterkonferenz den nach Berlin gereisten Managern vor. Von „entschlossenem De-Risking“ keine Spur.

Seit dem Ukrainekrieg ist De-Risking ein Kernanliegen der Union

Der Ärger ist verständlich, ist das Drängen auf wirtschaftliche Sicherheit seit dem Beginn des Ukrainekriegs doch ein Kernanliegen der Union. Vor allem Jens Spahn (CDU) hatte in der Bundestagsfraktion südostasiatische Länder wie das 280 Millionen Einwohner zählende Indonesien als Alternative zu China ins Spiel gebracht – frei nach der Formel, bei vielen Menschen und hohem Wirtschaftswachstum sei Gewinn garantiert.

Allerdings nicht unbedingt den Deutschen. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Ende Oktober auf dem Weg zur Asien-Pazifik-Konferenz einen Zwischenstopp in Südostasien einlegt, landet er in einer der dynamischsten Regionen der Erde. Doch die wichtigste deutsche Industrie spielt dort kaum eine Rolle. In keinem der zehn Länder ist Volkswagen unter den zehn absatzstärksten Marken. Nur im reichen Singapur und im kleinen Malaysia halten Mercedes und BMW mit Japanern und Chinesen mit.

Südostasien wird von China überrannt, den Deutschen bleiben Nischen

Zulieferer wie Bosch und ZF stehen in der Region besser da, zumindest wenn es um Technik für Autos mit herkömmlichem Verbrennungsmotor geht. Die Herstellung von Batterien ist fest in asiatischer Hand. In ein paar Nischen ist für Hightech aus Deutschland noch Platz. Doch sie werden kleiner.

Während die Deutschen den Rest Asiens früher anderen überlassen haben, weil es in China ja lief, sind es heute die schnell schmelzenden Gewinne in der Volksrepublik, die sie vom De-Risking abhalten: Den technologischen Anschluss an die immer stärkeren chinesischen Konkurrenten zu verpassen, ist für die Unternehmen ein höheres Risiko als die Gefahr, dass China Taiwan angreift.

Ihr neues Werk errichten die Maschinenbauer immer öfter in Vietnam

Nun heißt das nicht, dass es überhaupt keine Diversifizierung gibt. Das zweite oder dritte Werk in Asien errichten deutsche Maschinenbauer inzwischen oft nicht mehr in China, sondern in Vietnam, wo es gut ausgebildete und vor allem günstige Arbeitskräfte gibt. Auch das Netz an Zulieferern wächst im Nachbarland. Die sind selbst dort nicht selten in der Hand von Chinesen, die ihren Kunden über die Grenze nachgezogen sind.

Das verringert die China-Abhängigkeit der Deutschen nicht. In Indien legt sie gar noch zu. Im drittgrößten Automarkt der Welt, vom Kanzler im Frühjahr zum „Traumpartner“ der deutschen Wirtschaft verklärt, ist Deutschlands größter Autobauer auf dem Weg zum Juniorpartner. Fast 20 Jahre ist es her, da tönte Volkswagen, es wolle auf dem Subkontinent ein Zehntel des Markts. Heute steht sein Anteil wie zementiert bei zwei Prozent.

Im drittgrößten Automarkt Indien könnte VW bald Juniorpartner sein

Weil sie das Geld brauchen, um ihr Geschäft in China zu retten, streben die Wolfsburger in Indien ein Joint Venture mit einem Stahlhersteller an. Einfach die Werke dichtmachen will VW nicht, doch viel glaubt das Unternehmen nicht mehr zu holen in dem Land, in dem die Deutschen in einem Jahr so viel verkaufen wie in China in drei Wochen.

Dabei ist Indien wegen seiner Größe und seines Wachstumstempos der einzige Markt, der China ersetzen kann. Trotzdem geben deutsche Unternehmen an, in der Milliardennation erst in fünf Jahren investieren zu wollen. Dabei wird deutsche Technik schon heute im indischen Aufstieg gebraucht. Zumal Technik aus dem verfeindeten China von den Indern bisher nur begrenzt zugelassen wird. Das Freihandelsabkommen mit der EU steht hingegen kurz vor der Abstimmung.

Doch die Mängelliste, die die Deutschen ihrem Handelspartner Nummer 22 ausstellen, ist lang: Klagen über Bürokratie gesellen sich zu Vorwürfen über Korruption. Kritik an schlechter Infrastruktur folgt Unmut über schlechte Hygiene. Statt sich über die „gemeinsamen Werte“ mit der indischen Demokratie zu freuen, monieren die Deutschen, Kastensystem und Hindu-Nationalismus hielten den Fortschritt auf. Die indischen Einkommen stiegen zu langsam. Das Land sei nicht reich genug für deutsche Produkte.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Bundeskanzler Friedrich Merz legt Zwischenstopp in Südostasien ein

    Very likely · Within days

Open Questions

  • Wie will die Bundesregierung de facto das De-Risking durchsetzen?
  • Wann investieren deutsche Firmen stärker in Indien?

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This article was originally published by FAZ.

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