Die gefährliche Symbiose von Prognosemärkten und Sport
Kritik an der Sexualisierung von Sportlerinnen in der Werbung für Wettplattformen
Quick Look
- Die Schauspielerin Sydney Sweeney bewirbt die Wettplattform Novig, was eine Welle der Kritik von Sportlerinnen auslöst.
- Die Kampagne wird als sexualisierend kritisiert, während Prognosemärkte als gefährliche, kaum regulierte Glücksspielform für junge Männer gelten.
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Why It Matters
Seit der Liberalisierung der Wettmärkte 2018 in den USA ist eine Suchtwelle bei jungen Männern zu beobachten. Prognosemärkte kombinieren Glücksspielmechanismen mit Aktienhandel.
Die Symbiose aus Prognosemärkten und Sport ist brandgefährlich und rätselhaft zugleich. Kaum einer versteht, wie die Plattformen eigentlich funktionieren. Die meisten sind sich einig, dass sie großen Schaden anrichten können. Aber alle machen mit: Lionel Messi, LeBron James, Giannis Antetokounmpo. Und jetzt auch Sydney Sweeney. Sie alle verdienen mit am Boom der sogenannten Prediction Markets, auf denen sich unter dem Anschein des Finanztradings wetten lässt: auf Messis Tore, auf James’ Punkte, auf Bomben in Kriegsgebieten.
„Just sports“, verspricht der US-Anbieter Novig nun, oder besser gesagt: Schauspielerin Sweeney, die sich in dessen neuestem Werbespot (halb)nackt wahlweise mit Football („dieser Sport“), Tennisschläger („oder dieser Sport“) oder mit Fußballschuhen („dieser Sport auch“) räkelt. Kein Krieg, keine Politik, nur Sport eben.
Mit Sport aber hat das, was sie da zeigt, nichts zu tun. Man frage nach bei denen, die es wissen müssen: „Sydney Sweeney, so sehen Sportlerinnen aus“, sagte die Sprinterin und vierfache Europameisterin Amy Hunt am Sonntag in einem Interview der BBC, „Blut, Schweiß, Tränen.“
Zahlreiche Sportlerinnen taten es ihr mit Clips von sich in den sozialen Netzwerken gleich. Die australische Wasserball-Spielerin Tilly Kearns schrieb, sie „hasse“ die Kampagne, und die frühere australische Profi-Schwimmerin Ariarne Titmus, dass sie sie „wütend“ mache. „Sport sollte einer der Orte sein, bei dem es darum geht, was der Körper tun kann, nicht wie er aussieht“, schrieb die Tennisspielerin Priscilla Hon.
Studien zeigen, dass viele Mädchen in der Pubertät mit dem Sport aufhören, weil sie sich unwohl in ihrem Körper fühlen. Für Sportlerinnen, die sich jahrzehntelang gegen die Sexualisierung ihrer Körper gewehrt haben, muss die Werbung wie Hohn wirken. Ihre Kritik ist so wichtig wie richtig.
Sie stößt aber auf ein Problem: Schon nach Sweeneys letztem skandalträchtigen Werbeauftritt schoss der Aktienkurs der von ihr beworbenen Jeansmarke in die Höhe. Der Shitstorm ist Teil der Strategie. Sweeney, die schon vorab in Novig investiert hat, weiß das am besten.
Die Zielgruppe sind junge Männer
Die Zielgruppe ist ohnehin eine andere: junge Männer. In den USA ist seit der Liberalisierung der Wettmärkte 2018 eine regelrechte Suchtwelle ausgebrochen. Umfragen zeigen, dass zehn Prozent der achtzehn- bis dreißigjährigen Männer Verhaltensweisen aufweisen, die auf ein kritisches Glücksspielproblem hinweisen. Die Wettanbieter wissen seit Langem, dass man kaum eine Zielgruppe so schnell in die Spielsucht treiben kann wie junge männliche Sportfans.
Prognosemärkte aber sind so etwas wie Sportwetten auf Steroiden: Sie verbinden das Suchtpotential von Glücksspiel mit den psychologischen Mechanismen des schnellen Aktienhandels. Und sie werden in den USA nur sehr lasch reguliert. Aus der Suchtwelle könnte bald ein Suchttsunami werden.
Und der Männersport? Spielt das Spiel mit. Immer mehr Ligen kooperieren mit den Prognosemärkten, immer mehr Athleten steigen mit ein. Wo bleibt der Aufschrei? Die Männer schweigen. Vielleicht führt der Eklat um Sweeneys Werbespot ja dazu, dass sie sich an ihren lautstarken Kolleginnen ein Beispiel nehmen. Darauf wetten sollte man nicht.
Open Questions
- Werden Regulierungsbehörden gegen Prognosemärkte vorgehen?
- Wie reagieren männliche Athleten langfristig auf die Kritik?







