
Die Kölner Eismarke Nomoo verabschiedet sich von ihrem veganen Image, um den Massenmarkt zu erschließen. Mit Fokus auf Geschmack statt Nachhaltigkeit wächst der Absatz deutlich.
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Nomoo wurde 2018 gegründet und spezialisierte sich zunächst auf veganes Eis. Nach einer Krise 2022 und dem Einstieg in den Einzelhandel erfolgte eine strategische Neuausrichtung weg vom veganen Label.
Viele kleine Eismarken sind gescheitert, eine aber wächst: Nomoo. Nun will Firmenchefin Rebecca Göckel zu großen Marken aufschließen. Dafür verzichtet sie sogar auf den einstigen Markenkern.
Düsseldorf. Eis geht immer? Das sehen viele Deutsche momentan anders. Der Absatz mit Speiseeis hat in den vergangenen zwölf Monaten stagniert. Dagegen konnte auch ein Nachfragehoch während der Extremhitze Ende Juni nicht helfen.
Doch es gibt ein Unternehmen, das davon nicht betroffen ist: Die Kölner Eismarke Nomoo hat nach eigenen Angaben 2026 bis Ende Juli ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 35 Prozent erhöht.
Die aktuelle Dynamik will Unternehmenschefin Rebecca Göckel nun nutzen, um zu den globalen Marktführern aufzuschließen. Laut aktuellen Zahlen hat sie den halben Weg dorthin bereits geschafft.
Grund dafür ist eine Umstellung der Kommunikationsstrategie. Göckel ist es gelungen, Nomoo aus der veganen Nische herauszuarbeiten, die sie zuvor besetzte und die sich sogar schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Nun adressiert sie mit ihrem Unternehmen die Breite der Konsumenten. Und die Umsätze von Nomoo steigen stark, berichtet sie dem Handelsblatt.
„Wir müssen jetzt schnell nachliefern und laufen einfach auf absolut Vollgas“, sagt der Chef des Auftragsfertigers, bei dem Nomoo seit Gründung produzieren lässt, zum sommerlichen Absatzhoch.
Im vergangenen Jahr setzte Nomoo im veganen Segment noch zwischen 40 und 50 Prozent weniger um als große Marken wie Magnum, Cremissimo und Ben & Jerry’s. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich der Abstand auf durchschnittlich 18 Prozent reduziert.
Konsumenten interessieren sich weniger für Nachhaltigkeit
Seit 2018 stellt Nomoo veganes Eis her, mit einer Kokos-Cashew-Mischung statt Kuhmilch als Basis. Der aus den englischen Worten „no“ und „moo“ zusammengesetzte Firmenname soll den Verzicht auf tierische Produkte illustrieren. „Wir sind die führende Marke für kuhmilchfreies Eis, weil wir die Einzigen sind, die sich komplett darauf spezialisiert haben“, sagt Göckel, die die Firma gemeinsam mit Jan Grabow gründete.
In den vergangenen Jahren jedoch hat sich diese Spezialisierung als Problem herausgestellt. Denn Verbraucher wählen immer seltener vegane Produkte wegen ihres nachhaltigen Images.
So zeigt eine Konsumentenumfrage von PwC von 2025, dass für Dreiviertel der Deutschen Klimaschutz zwar relevant sei, aber nur 31 Prozent bereit seien, dafür mehr Geld zu bezahlen. Denn Nachhaltigkeit steht für sie für Verzicht.
In einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Mintel gaben 29 Prozent der Befragten an, dass pflanzliches Eis nicht so gut schmecke wie milchbasiertes – unabhängig davon, ob sie es vorher probiert haben oder nicht. Ob ein Lebensmittel schmeckt, ist laut dem aktuellen Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums aber mit Abstand der wichtigste Grund für eine Kaufentscheidung.
Viele Anbieter sind vom Markt verschwunden
„Vor wenigen Jahren war Nachhaltigkeit Thema Nummer eins, entsprechend viele neue vegane Produkte sind aufgekommen, die sich aber nicht halten konnten“, sagt Malte Treiber, Analyst beim Marktforschungsunternehmen NIQ.
In Deutschland hat sich das vegane Eisgeschäft daher konsolidiert. Marken wie Veganz, Prolupin oder Lycka, die es unter anderem mit milchfreiem Eis versucht haben, mussten in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden. Alpro hat sein Eisangebot wieder gestrichen und will sich auf andere Produkte fokussieren. Swedish Glace ist vom deutschen Markt verschwunden. Auch die globalen Marken Ben & Jerry’s sowie Magnum haben ihr veganes Sortiment reduziert.
Der gesamte Eismarkt hat sich ebenfalls verändert. So hat der Konsumgüterkonzern Unilever im vergangenen Jahr sein Eisgeschäft abgespalten; die Magnum Ice Cream Company ging als eigenständiges Unternehmen an die Börse. Vor Kurzem berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass Private-Equity-Firmen, darunter Blackstone und CD&R, aktuell Angebote für den Marktführer prüfen würden.
Zu diesen Herausforderungen kamen deutlich höhere Energie- und Rohstoffpreise hinzu. Auch Nomoo hat diese Phase nur angeschlagen überstanden. Investoren blieben fern, die Gründer mussten einen Großteil ihrer Angestellten entlassen. „2022 dachte ich dreimal, dass es vorbei ist“, sagt Göckel in einem Video auf der Plattform Tiktok.
Dann gelang ein Deal mit Kaufland – das Unternehmen wurde deutschlandweit in den Filialen der Kette gelistet und schaffte es aus der Krise. Inzwischen sind die 14 verschiedenen Becher- und Stieleissorten von Nomoo auch bei Edeka, Rewe und Hit erhältlich, sowie in Österreich bei Billa und in der Schweiz bei Coop.
Seitdem erarbeitete das Gründerteam die neue Kommunikationsstrategie gemeinsam mit einem ihrer Investoren, Ian Maskell. Er verantwortete bis 2022 das globale Marketing beim US-Konsumgüterkonzern Unilever und war dort vor allem im Eisbereich aktiv. „Ich nenne Nomoo nicht vegan“, sagt er.
Fokus auf Geschmack und Milchfreiheit
Stattdessen stellt Nomoo wieder nur Geschmack und Qualität seiner Produkte nach vorn. So steht auf den Eispackungen, wie viele Kakaobohnen im Becher Schokoeis stecken und welche Mangosorte genau für die Fruchtvariante verwendet wurde. Zudem drehte Nomoo die Zielgruppenansprache um: Eis aus Kuhmilch schließe Menschen aus, pflanzliches Eis sei für alle da, heißt es jetzt auf den Plakaten der Firma.
Tatsächlich sind schätzungsweise bis zu 20 Prozent der Menschen in Deutschland laktoseintolerant, weltweit sind es bis zu 75 Prozent. Auch Menschen, die aus anderen gesundheitlichen Gründen weniger Milch konsumieren wollen, gehören zur neuen Zielgruppe. Sogar das kleine grüne Herz, das zuletzt auf den Nomoo-Packungen auf Nachhaltigkeit hinwies, soll verschwinden.
Für Kaufland habe sich die neue Kommunikationsstrategie gelohnt, schreibt die Handelskette auf Nachfrage. Der Umsatz mit Nomoo-Produkten habe sich seit 2023 vervierfacht. „Wir planen deshalb, auch weiterhin mit Nomoo zusammenzuarbeiten und perspektivisch andere Geschmacksrichtungen oder Neuentwicklungen in unser Sortiment mit aufzunehmen.“
Jack Friedlein vom Marktforscher Mintel sagt: „Nomoo hat es geschafft, den Fokus auf Natürlichkeit und Genuss zu richten – trotz der Skepsis gegenüber pflanzlichen Milchprodukten.“
Zudem profitierte Nomoo von Preissteigerungen im veganen Eissortiment. Im Vergleich zu 2025 ist der Preis pro Liter in dem Segment um über 40 Prozent gestiegen, bei milchbasierten Eis nur um etwa drei Prozent. Nur ein Teil davon ist auf höhere Kosten zurückzuführen, entsprechend wuchs die Marge. Der Umsatz mit veganem Eis stieg in Deutschland laut NIQ zwischen Anfang Juli 2022 und Ende Juni 2026 von rund 79 Millionen Euro auf 123 Millionen Euro.
Nomoo will dieses Jahr profitabel werden
Indem es die neue Strategie noch offensiver vorantreibt, will Nomoo weiter wachsen. Unternehmenschefin Göckel spricht aktuell mit weiteren Supermarktketten, auch in weiteren Ländern. 2026 will sie mit Nomoo erstmals eine schwarze Null verzeichnen, idealerweise sogar Gewinne. Milchfreies Eis soll als neuer Standard positioniert werden, so das Ziel der Kölner Marke.
Die Prognosen sind durchaus positiv. Eine Analyse von Straits Research geht davon aus, dass der globale Markt für pflanzliches Eis bis 2034 jährlich um über fünf Prozent zulegen wird.
Bis Nomoo sich als globale Marke etabliert, wird es jedoch noch dauern, denn auch der gesamte Eismarkt soll im selben Zeitraum um etwa vier Prozent wachsen. Und auch Business Angel Maskell sagt: „Der größte Fehler ist, zu früh zu viel zu wollen.“
AI outlook — possibilities, not facts
Nomoo strebt für das Jahr 2026 erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis an.
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