
Historisch niedrige Pegelstände im Mittelrheintal behindern Mineralölimporte und treiben die Preise für Heizöl in der Schweiz massiv in die Höhe.
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Der Rhein ist ein zentraler Transportweg für Mineralölimporte in die Schweiz. Historisch niedrige Pegelstände im Mittelrheintal schränken die Schiffskapazitäten derzeit massiv ein.
Die Preise steigen, das Heizöl wird knapp: In der Schweiz treten Sorgen vor Auslieferungsproblemen auf. Der Rhein in Deutschland spielt dabei aus zwei Gründen eine Schlüsselrolle.
Zum Start der Heizsaison ist der Preis für Heizöl in der Schweiz rasant gestiegen. Wer in der Region Bern 3000 Liter kauft, zahlt 171 Franken (etwa 183 Euro) je 100 Liter, teilte der Händler Volenergy dem Handelsblatt mit. Zum Vergleich: Im Kanton Zürich lag der amtliche Richtpreis Ende Juni noch bei 117,50 Franken (etwa 126 Euro), vor einem Jahr bei rund 98 Franken (etwa 105 Euro).
Der Preisanstieg trifft die Bevölkerung unmittelbar, denn rund jedes dritte Wohngebäude wird in der Schweiz mit Heizöl gewärmt. Gründe für den Preisanstieg sind vor allem der Krieg im Iran und die Folgen für die globalen Lieferketten und Energiemärkte. Dass die Versorgung angespannt ist, liegt hingegen am Rhein: Die seit Monaten historisch niedrigen Pegelstände beeinträchtigen den Transport von Rohstoffen.
Normalerweise ist der Fluss ein zentraler Versorgungsweg. In ihrem Lagebericht schrieb die Wirtschaftliche Landesversorgung (WL) des Bundes Ende September: „Für Mineralölimporte in die Schweiz ist der Rhein derzeit faktisch nicht nutzbar.“ 2025 kamen nach Angaben des Branchenverbands Avenergy mehr als 22 Prozent der Schweizer Rohöl- und Mineralölimporte per Schiff über Basel ins Land. Doch weil der Rhein als Transportweg weitgehend ausfällt, fallen bei Volenergy derzeit Zuschläge von 15 bis 18 Rappen pro Liter an.
Am Wasserstand in Basel liegt das allerdings nicht. Die Staustufen Kembs, Birsfelden und Augst halten den Pegel, Schiffe können den Rhein bei Basel noch mit rund 2,5 Meter Tiefgang befahren, teilten die Schweizerischen Rheinhäfen dem Handelsblatt mit. Der Engpass liegt in Deutschland, im Mittelrheintal, in dem der Wasserpegel bei Kaub bestimmt, wie viel ein Schiff laden kann.
Seit Mitte September liegt dieser an den meisten Tagen unter 25 Zentimetern, dem bisherigen Tiefstwert aus dem Krisenjahr 2018. Allein vom 25. September bis zum 8. Oktober fiel er immer wieder unter null. Am Donnerstag lag er bei zehn Zentimetern.
Zwar misst der Pegel nicht die Wassertiefe, sondern den Wasserstand gegenüber einem festen Nullpunkt. Doch bei einem Pegel von fünf Zentimetern dürfen Schiffe nach Angaben der Rheinhäfen nur noch so beladen werden, dass sie weniger als einen Meter tief im Wasser liegen. Frachter können deshalb, wenn überhaupt, weniger als ein Viertel ihrer üblichen Ladung mitnehmen. Der Güterverkehr auf dem Rhein sei dadurch „massiv eingeschränkt“.
„Vergleichbar ist die aktuelle Situation mit keinem Niedrigwasserereignis der vergangenen zehn Jahre“, betonen die Rheinhäfen. Schon im Juni und Juli hätten die Pegel bereits tiefer als im Krisenjahr 2018 gelegen. Davon werde die Schifffahrt „deutlich länger“ beeinträchtigt sein als damals.
Die Lage an den deutschen Abschnitten des Rheins entscheidet aber nicht nur über die Versorgung der Schweiz. Deutschland ist zudem der wichtigste Lieferant: Rund zwei Drittel der importierten Ölprodukte wie Heizöl und Diesel kamen 2025 laut Avenergy aus Deutschland. Nun kommt weniger dort an.
So erreichten im August nur noch 38.800 Tonnen Mineralöl die Baseler Häfen, fast 80 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch bei Nahrungsmitteln und Chemikalien brach die Zufuhr im August um mehr als drei Viertel ein. Laut Landesversorgung verkehren nur noch vereinzelte Schiffe mit 300 bis 400 Tonnen Ladung.
Besonders kritisch ist die Lage bei Kerosin. Beim Flugpetrol könnte sich die Versorgung „ab Mitte Oktober zuspitzen“, heißt es von der Landesversorgung. Die Pflichtlager reichen dort nur für rund 76 statt der vorgesehenen 90 Tage. Bei Benzin und Diesel musste der Bund bereits im September Pflichtlager freigeben, als die einzige Schweizer Raffinerie in Cressier wegen eines Defekts zwischenzeitlich stillstand.
Ausweichen müssen die Importeure vor allem auf die Bahn. Schon im vergangenen Jahr kam fast ein Drittel der Ölimporte per Zug in die Schweiz. Ein höheres Volumen ist kaum möglich: Die Bahn sei bereits stark ausgelastet, schreibt die Landesversorgung. Laut den Rheinhäfen fehlen Kapazitäten auf den Gleisen, Waggons und Personal. Nicht alle Ausfälle auf dem Fluss ließen sich daher ersetzen, heißt es von Volenergy. Es könne „zu Versorgungsengpässen kommen“.
Da auch in Deutschland die Versorgungslage angespannt ist, herrscht auf dem Markt ein Wettbewerb um die Logistik. „Selbstverständlich merken wir, dass überall Ware nachgefragt wird, das Hauptproblem liegt jedoch bei der nur begrenzt verfügbaren Logistik“, sagt Volenergy. In Deutschland bestätigt Aral Einschränkungen an einzelnen Tankstellen, der Bundesverband Freier Tankstellen warnt vor zeitweisen Ausfällen.
Die Landesversorgung rechnet nicht damit, dass sich die Versorgungslage schnell entspannt. Die Prognosen ließen „auf keine rasche Besserung schließen“, schreibt sie. So könnten beim Heizöl bei stark anziehender Nachfrage im Herbst und Winter „Auslieferungsprobleme auftreten“, weil im Sommer vielerorts kaum nachgekauft worden sei.
Volenergy lieferte im September 30 Prozent weniger Heizöl aus als im Vorjahr, die Füllstände der Tanks sind auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren. Noch erfolgten die Lieferungen planmäßig, weil die Nachfrage verhalten sei. Viele Kunden bestellten aber erst, wenn der Tank fast leer sei. Das könne bei Wintereinbruch oder vor Weihnachten längere Lieferfristen bedeuten.
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Versorgungsengpässe bei Heizöl bei stark anziehender Nachfrage im Winter.
Likely · Within months

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